23 August 2010



Überraschung des Tages aus Charlotte: die Bobcats um Teambesitzer
Michael Jordan verpflichten Free Agent Center Kwame Brown für 1 Jahr und das Veteranen-Mindestgehalt von 1.3 Mio $. Bitte was ? Von allen Mannschaften auf diesem Planeten schienen die Bobcats das mit Abstand unrealistischste Ziel für den legendären Ex-Nummer 1 Pick.

Legendär im negativen Sinne wohlgemerkt. Brown wurde 2001 als damals erster High School Spieler überhaupt an 1. Stelle (und vor Spielern wie Pau Gasol, Jason Richardson und Joe Johnson) gedraftet und dabei von Michael Jordan höchstpersönlich ausgewählt. MJ bekleidete seinerzeit eine Stelle als Manager bei den Washington Wizards, ehe er noch in der gleichen Saison zu seinem (bisher) letzten Comeback als Spieler aufs Parkett zurück kehrte. Brown konnte mit den in ihn gesetzten Erwartungen nie adäquat umgehen und versagte auf ganzer Linie. Während Jordan das Scheinwerferlicht als Wizard an sich riss, versauerte Brown auf der Bank. Er absolvierte in seinem ersten Profijahr nur 3 Spiele von Beginn an und kam über mickrige 4.5 Punkte und 3.5 Rebounds pro Spiel nicht hinaus. Schlimmer noch: es hagelte Hohn und Spott von allen Seiten. Allen voran aus Michael Jordan's Richtung, der den Rookie oft verspottete und beleidigte und ganz allgemein wie einen ungeliebten Hund behandelte.


Der Höhepunkt: Jordan bat über die Presse mehrfach um Vergebung für den "schlechtesten Pick aller Zeiten", und kreidete sich selbst die Schuld dafür an. Brown war aber auch wirklich ein monumentaler Griff ins Klo. Seine Basketball-Instinkte sind niedriger als das kollektive Niveau am Ballermann. Seine Hände gleichen ferngesteuerten, fremdgesteuerten Betonblöcken - die Anzahl seiner Ballverluste und verfummelter Pässe geht in die Millionen. Als Scorer (Karriereschnitt: 6.7) ist Brown ebenso unbrauchbar wie als Shotblocker (Karriere 0.6). Nach vier erfolglosen Jahren wechselte der heute 28-jährige für drei Saisons zu den Los Angeles Lakers, wo es - man glaubt es kaum - noch schlechter lief. Nach einem Jahr bei den Grizzlies und zwei weiteren in Detroit kehrt Brown nun also ausgerechnet zu jenem Mann zurück, der ihn damals öffentlich demütigte.

Brown's Agent Mark Bartelstein hat dafür eine ganz plausible Erklärung. Kwame sei "mental besonders gefestigt" und wollte "unbedingt nach Charlotte, um noch einmal für Jordan zu spielen. Es wurde so viel geschrieben, damals wie heute, über MJ und Kwame und wie die Situation damals für beide schief ging. Wenn so etwas passiert, gibt es immer zwei Möglichkeiten: davor wegrennen oder sie als Motivation benutzen. Ich denke, Kwame will sich direkt hier, an der Wurzel, noch einmal beweisen. Es hätte für ihn weitere, einfachere Lösungen gegeben. Aber er wollte unbedingt hier hin, und Jordan wollte ihn unbedingt haben", so Bartelstein in gewohnt schwülstiger Agenten-Manier.


Tatsächlich waren mehrere Playoff-Teams in diesem Sommer an Brown interessiert. Atlanta, Phoenix, Utah und Boston hätten den 2,11 Koloss auch gerne verpflichtet. Und das, obwohl Brown in den letzten beiden Jahren bei den Detroit Pistons gewohnt miserabel agierte (3.8 Pts, 4.3 Reb im Schnitt). 'You can't teach height' - der Leitspruch zieht anscheinend immer noch in den Chefetagen der Liga.

In Charlotte wird Brown wohl kaum eine der zwei grössten Schwächen im Team ausmerzen können: die Positionen Point Guard und Center. Dafür verwässert er die ohnehin schon suspekte Big Man Rotation, die nach dem Abgang von Tyson Chandler und dem bevorstehenden Trade von
Erick Dampier (1 Jahr, 13 Mio $) auf Nazr Mohammed und Desagana Diop zusammen geschrumpft ist. Dadurch laufen die Bobcats ernshaft Gefahr, Brown mehr als 20 Minuten Spielzeit einräumen zu müssen - ein Freudenfest für gegnerische Mannschaften. Wenn aber irgend ein lebender Coach noch in der Lage ist, das letzte Quentchen NBA-Produktivität aus Kwame heraus zu quetschen, dann ist es der alte Trainerfuchs Larry Brown. Vielleicht kommen ja 6 Punkte und 8 Rebounds pro Partie dabei rum, wer weiss (wahrscheinlich eher nicht)... Ein Poker, auf das sich Jordan, Brown, Brown und die Bobcats allen Anscheins nach liebend gerne einlassen, um zum zweiten Mal in Folge (und überhaupt in der eigenen Teamgeschichte) die Playoffs zu erreichen.