17 August 2010


Nach dem hektischen Free Agent Tanz und dem Wahnsinn im Juli ist wieder etwas Normalität eingekehrt in den NBA-Zirkus. Spieler und Teams arbeiten still und leise auf die neue Saison hin. So haben wir Zeit, einen kurzen Zwischenblick zu werfen auf fünf Mannschaften, die irgendwie ihre Chancen verpasst haben in diesem Sommer. Während der Großteil der Liga wheel-te und deal-te und sich punktuell oder generell verstärkte, blieben diese Franchises im Leerlauf hängen:

(Teams wie Cleveland und Toronto, die nach den Abgängen ihrer Franchise-Spieler offensichtlich einen oder drei Schritte zurück machen werden, fanden keine Beachtung. Ebenso wenig der Running Gag der Liga, die Minnesota Timberwolves)

Atlanta Hawks: die Serie endet wohl bei 5. Seit fünf Jahren konnten sich die Falken aus Atlanta stetig verbessern, von 13 Siegen in 2004/05 auf zuletzt 53 Siege in der abgelaufenen Saison. Das junge Team, angeführt von den Veteranen Joe Johnson und Mike Bibby, hatte sich unter die vier besten Teams im Osten gespielt, war zuletzt sogar drauf und dran, den alternden Boston Celtics den Rang abzulaufen. What a difference a summer makes ! Nach dem Wirrwarr der letzten Monate und Atlanta's mangelnder Aktivität auf der freien Markt (einziger Neuzugang: Josh Powell) haben die Hawks rasch den Anschluss verloren. Dem Monstervertrag (120 Mio $) an Joe Johson sei's gedankt: man verpasste jeden relevanten freien Spieler, der das Team hätte verbessern können, zuletzt sogar Shaquille O'Neal, der nach Boston wechselte. Da Pennies in der Kasse fehlten, musste man auch den vielseitigen Josh Childress ziehen lassen (nach Phoenix). Aus den eigenen Reihen kommt wenig, einzig und allein Jeff Teague könnte eventuell für etwas Enlastung auf der schlecht besetzten PG-Position sorgen. Stürmische Zeiten also für den First-Year Coach Larry Drew. Durch die Formierung des neuen Superteams in Miami und den Aufstieg der Chicago Bulls/Milwaukee Bucks fällt Atlanta auf Platz 6 in der Eastern Conference ab. Zwar wird das Talent in der Mannschaft für einen Playoff-Spot ausreichen. Eine längere Verletzung eines Leistungsträgers könnte aber bereits die Lotterie bedeuten.

Portland Trail Blazers: seit 3 Jahren werden die Blazers nun als das nächste grosse Ding im Westen propagiert. Das Talentlevel ist sehr hoch in Rip City, keine Frage. Allerdings scheint immer irgend etwas schief zu gehen, der entscheidende Sprung nach oben will einfach nicht gelingen. 2009/10 warfen unzählige Verletzungen (127 verpasste Spiele der Starting-5 Akteure Oden, Roy, Batum und Aldridge) die Mannschaft zurück, man verschlechterte sich um 4 Siege gegenüber der Vorsaison und flog als 6. Seed wieder einmal in der ersten Runde aus den Playoffs (2-4 gegen Phoenix). Ob ausgerechnet in diesem Jahr der Erstrundenfluch (seit 99/00 nicht mehr in Runde 2) besiegt wird ? Der Sommer war tumultartig. Der Ex-Manager Kevin Pritchard wurde in einer hässlichen Aktion geschasst, das Team war in der wichtigen Free Agent Hochphase ohne GM. Als Nachfolger Rich Cho schließlich sein Amt antrat, waren alle relevanten Spieler bereits vergriffen. Nur Backup Wesley Matthews (zu horrenden Gehaltskonditionen) und drei Rookies verstärken künftig den Kader, der (noch) zu viele Fragezeichen offen hält, um als Top4 Seed im Westen fixiert werden zu können. Sofern die Mannschaft nicht vollständig gesund bleibt und eine beeindruckende Chemie auf dem Platz entwickelt, ist wohl wieder in der ersten Runde Feierabend.

Charlotte Bobcats: die Mannschaft von Besitzer Michael Jordan erreichte letztes Jahr dank der 'Installation Larry Brown' an der Seitenlinie und dessen profumdem Know How zum ersten Mal überhaupt die Playoffs. 44 Siege dürften in der kommenden Saison aber nur schwer zu toppen sein. Zum einen ist die Conference stark verbessert. Auch die 'bottom feeders', also jene Mannschaften in den unteren Tabellenregionen, werden nicht mehr so unbekümmert mit Siegen um sich schmeissen. Durch den Abgang von Raymond Felton nach New York fehlt zudem ein Floor General, ein bewährter Einser im System der Bobcats. Neuzugang Shaun Livingston wird die Position nicht auf Dauer ausfüllen können, der bisherige Backup DJ Augustin sicherlich auch nicht. Die weiteren Neuakquisitionen Najera, Carroll, Dampier und McGuire verleiten auch nicht zu Jubelschreien. Der Kader scheint überteuert und schlecht ausbalanciert. Nur ein paar geschickte Trades können Charlotte helfen, den Überraschungserfolg der vergangenen Saison und eine erneute Playoff-Teilnahme zu wiederholen.

Memphis Grizzlies: vergangene Saison gewann das Team in der Musikstadt 40 Partien - so viele wie seit 4 Jahren nicht mehr. Das forsch ausgegebene Ziel für die neue Spielzeit lautet: Playoffs. Obwohl die hohen Ambitionen salutiert werden müssen, scheint eine Post-Season Teilnahme im voll gepackten Westen dennoch utopisch. LA, Dallas, Oklahoma, Utah, Denver, Portland und San Antonio sind faktisch so gut wie drin. Bleibt also ein einziger Spot, und um den werden sich die Grizzly-Bären mit den Suns, Hornets, Rockets und Clippers streiten müssen. Das wird nicht reichen. Die einzigen Zugänge des Sommers (Tony Allen, Acie Law) sind keine echte Verstärkung und im Endeffekt eine exakte Kopie der beiden Abgänge, Ronnie Brewer und Marcus Williams. Die PG-Position gehört nach wie vor zu den schwächsten in der gesamten Liga. Hier wurde ein Upgrade versäumt, vor allem in Gestalt eines Veteranen, der den Ball bewusst an die richtigen Leute verteilt - und weg von Zach Randolph. Der spielte zwar im letzten Jahr seine bisher effektivste Profisaison (21 Pts, 12 Reb, 49% FG). Jetzt droht aber Ärger, denn Z-Bo wird im kommenden Jahr Free Agent. Das heisst übersetzt ganz viel 1 gegen 5 und tonnenweise schlechte Würfe auf dem Weg zum anvisierten Megadeal. Mehr Randolph heisst unweigerlich weniger Ballbesitz für die vielen Youngster im Team der Grizz. Der Todesstoß für die Weiterentwicklung auf dem Platz und das anvisierte Playoff-Ziel. So führt wohl eins zum anderen und nächsten Sommer wieder schnurstracks in die Lotterie.

Golden State Warriors: die Chancen waren durchaus da für die gebeutelte Franchise aus Kalifornien, endlich einmal einen entscheidenden Schritt aus der Zwecklosigkeit des eigenen Daseins zu tun (abgesehen von dem Zweck, anderen Teams bereitwillig Ws zur Verfügung zu stellen). Der Sommer ist vorbei, die Möglichkeiten blieben allesamt ungenutzt. Alles klappte irgendwie nicht so, wie es idealerweise hätte funktionieren können: die Franchise wurde nicht von Larry Ellison gekauft, dem milliardenschweren Besitzer von Oracle, der in bester Mäzen-Manier bereitwillig Multimillionen von Dollar in den Verein gepumpt hätte. Statt dessen ging das Team an Peter Guber und Joe Lacob. Die Abgänge (Maggette, Watson, Morrow, Randolph, R.Bell, Azubuike, Tolliver, Turiaf) übersteigen die Neuzugänge (Lee, C.Bell, Gadzuric, Pargo, Lin) qualitativ bei weitem. Der einzige Rookie im Team, Ekpe Udoh (den man mit dem 6. Pick lieber nicht hätte ziehen sollen) hatte schon vor der Saison keine Lust mehr und riss sich beim Training eine Sehne im Handgelenk, fällt ein halbes Jahr aus. Der Status von Head Coach Don Nelson ist immer noch in limbo, Monta Ellis hat auf eine zwei-Guard-Lineup mal wieder keine Lust ("You can't play two 6'3" guards at the same time") und Andris Biedrins will unbedingt weg - lieber gestern als morgen. Man muss kein Hellseher sein, um vorauszusagen, dass diese Warriors ihre 26 Siege aus der Vorsaison nicht übertreffen werden. Anstatt die ewig andauernde Erfolglosigkeit zu verlassen (nur eine Playoff-Teilnahme seit den Tagen von Chris Webber), wird man sich mit den Minnesota Timberkahns um die schlechteste Bilanz im Westen streiten.


Honorable Mentions: Los Angeles Clippers, Orlando Magic