05 August 2010




In der Glotze läuft gerade das 2002er WC Finale zwischen den Los Angeles Lakers und den Sacramento Kings. Spiel 3 im Staples Center. Während Chris Webber und Mike Bibby die Kings im Alleingang Richtung 2-1 Führung schiessen, fliegt Vlade Divac durch die Gegend wie Kegeln in einer Bowlingallee. Flop über Flop des Serben gegen alle und jeden. Gab es jemals einen besseren, talentierteren Flopper als Vlade ?

Und wie/wann fing diese mittlerweile global verbreitete Basketball-Krankheit eigentlich an ? Puristen machen den Influx internationaler Spieler ab den 1990ern dafür verantwortlich. Man munkelt, dass die NBA langsam aber sicher von den schauspielerischen Machenschaften der Europäer und Südamerikaner unterwandert wurde, was den Umgang mit Offensiv- und Phantomfouls für immer veränderte. Andere weisen darauf hin, dass es Flops schon immer gegeben hat, auch vor den International All-Stars. Eine Anekdote aus den 70ern erzählt vom Aufeinandertreffen zwischen den Boston Celtics und den New Jersey Nets. Dave Cowens gegen Mike Newlin. Newlin lässt sich fallen und zieht so ein ungerechtfertigtes Offensivfoul gegen Cowens. Der ist stinksauer, passt Newlin einige Angriffe später von hinten ab und katapultiert ihn mittels Clothesline bis hinter die Pressetische. Cowens dreht sich daraufhin zum Ref und brüllt ihn an: "Now that's a fuckin' Foul!"

Ganz gleich nun, wie oder wann das Floppen zur Regelmässigkeit in NBA-Partien wurde (ab dem frühen Millenium nahm es recht epidemische Ausmaße an): einige Spieler waren oder sind wahre Meister ihres Fachs. nbachef bringt Euch die All-Time Flopping Top 10.

10. John Stockton

John Stockton, ein winziger 38 cm grosser Point Guard mit der Grundschnelligkeit einer Brotscheibe, schaffte es irgendwie zum besten Assistgeber und Bälleklauer aller Zeiten. Wer glaubt, da stecke nur harte Arbeit dahinter, hat natürlich völlig Recht, vernachlässigt jedoch die Tatsache, dass Stockton seit seinem Rookie-Jahr einer der miesesten, unfairsten Spieler in der Geschichte des Basketballs wurde. Keiner setzte so dreckige Screens, keiner teilte häufiger versteckt aus. Und nur wenige verkauften zwischen 1962 und 2003 mehr Flops als der kleine John. Dabei sah er doch eigentlich so adrett aus.

9. Anderson Varejao

Der Gegenspieler ist irgendwo in der Nähe, das Spiel der Cavs eng umkämpft ? Eines ist sicher wie das Amen in der Kirche: Anderson Varejao, das Schauspieltalent aus Brasilien, steht kurz vor seiner nächsten grossen Szene. Der Kontakt ist meistens minimal, die Wirkung jedoch immer gigantisch. Uuund... Action ! Haare fliegen in alle Richtungen, die Nässe spritzt, ähnlich eines Wischmops, meterweit. Wie abgeklatschte Fliegen geht der 120 Kilo Mann zu Boden, egal ob in der Offense oder Defense. Varejao hat das volle Flopping-Arsenal drauf. Absolut Oscar-verdächtig !

8. Reggie Miller

Miller war eine ganz spezielle Flop-Gattung: entgegen anderer Spieler in dieser Top 10 liess sich Reg selten in der Defensive fallen wie ein Boxer, der gerade Sternchen sieht. Dafür floppte sich 'Killer Miller' in der Offensive zu mehr als 25000 Karriere-Punkten. Die Beine stets wild umherschlagend wie ein wildes Maultier, die Arme wie eine Krake in alle Richtungen schwingend, verstand es kein Scorer besser, eigene Offensivfouls in Schiedsrichterpfiffe für sich umzumünzen. Jahrelang beschwerten sich Miller's Gegenspieler, bei dessen Jumpshots regelmässig von seinem rechten Bein getreten zu werden - und das völlig zurecht ! Der führende Dreierschütze in der Geschichte des Sports (2560 Treffer) hatte seine Wurfhaltung dahingehend perfektioniert, nach Belieben Fouls ziehen zu können. Bein raus, fallen lassen, Pfiff. Offensive Flopping at its best.

7. Dennis Rodman

Der Wurm brachte als einer der besten Verteidiger der Liga in den 90ern einen Angreifer nach dem anderen zum Verzweifeln. Dabei nutzte Rodman den Flop als Mittel zum Zweck und tat dies geschickter als jeder andere vor oder nach ihm. Sein Positionsspiel in der Defensive war unerreicht. Er machte sich dennoch einen Spass daraus, mit theatralisch meisterhaften Sturzflügen die Referees immer wieder zu Pfiffen zu verleiten und trieb so seine Gegenspieler - allen voran Karl Malone - zur Weissglut. Rodman war ganz tief in den Köpfen seiner Gegner drin. Floppen und so das Offensivfoul ziehen war der ultimative Spott und Hohn.

6. Robert Horry

Dreckig, dreckiger, Robert Horry. Der mehrfache NBA-Champion hatte, je länger seine 95-jährige Karriere andauerte, immer mehr Feinde auf dem Platz und immer weniger Skrupel, ganz tief in seine bestens ausgestattete Flop-Kiste zu greifen. Schon zu Laker-Zeiten war Horry immer wieder auf dem Parkett zu finden. Manchmal wischte er gleich den Fussboden mit auf. Bei den Spurs dann avancierte 'Big Flop Rob' endgültig zum Darth Vader des Flop. Unerreicht bleibt sein Move gegen die Utah Jazz - eine eigenständige Doktorarbeit von Robert H. und bester Beweis dafür, dass Horry einfach kein Gewissen besitzt. Was dann letztendlich auch seine 7 Meisterschaftsringe irgendwie erklärt...

5. Paul Pierce

PP34 ist ein Phänomen. Obwohl einer der verbissensten Fighter und härtesten Spieler der Liga, verfällt Pierce auf der Platte immer wieder in den Baby-Modus. Augen zusammengepresst, laute Schreie nach Aufmerksamkeit, Krokodilstränen, die seine Backen runterkullern. Manchmal wälzt sich Pierce auch minutenlang am Boden in bester Pippo Inzaghi Manier, springt dann aber urplötzlich auf und durch die Gegend wie ein junges Rehkitz. Sein unvergesslichster Happy Flop Moment bleibt natürlich die erbärmliche Rollstuhl-Aktion in den 2008er NBA-Finals. Nur knapp einer Querschnittslähmung entgangen und auf Rädern aus der Halle gekarrt (nach gefühlten 2 Stunden Spielunterbrechung), sprintete Pierce gute 3 Minuten später wieder aufs Parkett hinaus - natürlich völlig unverletzt.

4. Derek Fisher

Wenn jemand schon so lange dabei ist wie D-Fish, und sich trotz nicht mehr vorhandener athletischer Fähigkeiten immer noch über Wasser hält, muss man einfach skeptisch werden. Fisher versucht sich auf jede nur erdenkliche Möglichkeit einen Vorteil zu erschaffen. Regelmässiges Floppen gehört bei ihm seit seinem Rookie-Jahr ebenso dazu wie wichtige Würfe in den Playoffs oder Stirnbänder über den Ohren. Der Guard zieht seit Jahren mindestens 40 Offensivfouls pro Saison - ein extrem hoher Wert, der ohne den ein oder anderen Flop nicht zustande kommen kann. Seinen Platz in der Flop Hall of Fame hat sich Fisher durch den regelmässigen, jahrelangen Verkauf von teilweise absurden Nicht-Fouls absolut verdient.

3. Bill Laimbeer

Der eigentliche Erfinder des Flop machte diesen Move erst so richtig salonfähig: Bill Laimbeer, der 'Original Bad Boy'. Viele ältere Beobachter nennen ihn auch ehrfurchtsvoll den 'Godfather of Flop'. Laimbeer, ein 2,11m grosser, 120 Kilogramm schwerer Dinosaurier, perfektionierte während seiner Zeit bei den Detroit Pistons so ziemlich alles, was man mit unfairem Spiel assoziiert: überharte Fouls, Kratzen, Halten, Schlagen, Lamentieren bei den Refs, sich Fallenlassen wie ein Ahornblatt im Semptember-Wind. Keiner dieser Moves wäre ohne Laimbeer heute, was er ist. Und kein anderer Spieler besass wie Laimbeer die Fähigkeit, nach einem Flop eine Verletzung vorzutäuschen, nur um wenig später einen Full-Court Sprint hinzulegen. Meistens, um dem Gegenspieler gleich die Nächste ins Gesicht zu dreschen.

2. Manu Ginobili

Ein absolutes Flop-Genie vor dem Herrn. Floppt in Situationen, in denen man es nicht für möglich gehalten hätte. Seine Kreativität in diesen Dingen wird nur vom All-Time Besten noch getoppt. Brüllt meist schon die halbe Arena zusammen, bevor der Verteidiger überhaupt in der Nähe ist. Sucht bewusst den Körperkontakt, auch wenn der Weg drumherum der einfachere wäre. Fällt mit einer bewundernswerten Leichtigkeit - auch bei Nicht-Berührung. Splatteropfer in Horrorfilmen, denen gerade die Kehle aufgeschlitzt wird, fuchteln und kreischen weniger plakativ als Manu Gin-Flop-bili, dem Flop-Roboter aus Argentinien mit eingebauter Automatik-Funktion.

1. Vlade Divac

Oft kopiert, aber letztendlich unerreicht, bleibt Vlade Divac auch 6 Jahre nach seinem letzten NBA-Spiel der unumstrittene König des Flop. Man kann davon ausgehen, dass seine Flop-pularität nie wieder erreicht wird - weder aktuell noch in Zukunft. Divac scheint viel von seiner Ehefrau (einer Schauspielerin) gelernt zu haben. Er nahm alles vor ihm Dagewesene und perfektionierte es nach allen Regeln der Kunst. Die Dreistigkeit und Häufigkeit, mit der Divac Offensivfouls verkauft bekam, war atemberaubend. Seine Improvisationsgabe war unerschöpflich. Sein schauspielerisches Talent kam ihm dabei sehr zugute. Immer wieder wurde Divac im Low Post angeschossen - konnte aber meist unverletzt weiter spielen. Gegen Ende seiner Karriere, als sogar NBA-Chef David Stern mitsamt der gekauften Referees seiner früher bewunderten Flops überdrüssig wurden, bekam Divac empfindliche Geldstrafen auferlegt. Doch auch das konnte den Serben nicht davon abhalten, munter seinem Retirement entgegen zu floppen. So blieb er seiner Linie bis zum Ende treu und zementierte seinen Platz unter den Legenden des Spiels. Vlade Divac, der ewige 'King of Flop'.