14 August 2010



Wie jedes Jahr wurden auch heuer wieder bedeutende Namen aus der Basketball-Historie in der Ruhmeshalle des Sports aufgenommen. In einer feierlichen Zeremonie verewigten sich diesmal Megastars wie Scottie Pippen, Karl Malone oder das legendäre 1992er Dream Team für immer in der Naismith Memorial Basketball Hall of Fame.

Den Anfang machten Dennis Johnson, Gus Johnson und der Brasilianier Maciel 'Ubiratan' Pereira, die allesamt posthum geehrt wurden. Dennis Johnson gehörte in den späten 70er/80er Jahren zu den besten Guards/Verteidigern der Liga, stand insgesamt 9 mal im First/Second All-Defensive Team. Der 5-fache All-Star gewann drei NBA-Meisterschaften, (zwei mit Boston, eine mit den Seattle Sonics) und einen Finals-MVP Award (1979). Er verstarb 2007 an einem Herzstillstand.

Bob Hurley Senior ist erst der zweite High School Coach in der Geschichte der Hoops Hall (der andere: Morgan Wootten). Hurley coacht seit 35 Jahren an der St. Anthony High School in New Jersey. Trotz herunter gekommener Sportanlagen und kaum vorhandener Finanzmittel gewannen Hurley's Teams bereits 23 (!) State Championships und über 900 Spiele (bei etwa 100 Niederlagen im gleichen Zeitraum). Siegesquote: mehr als 90 Prozent.

Cynthia Cooper gilt bis heute als beste weibliche Basketballspielerin aller Zeiten. Auch wenn man sich darüber sicher streiten kann (Nancy Lieberman, Cheryl Miller, Sheryl Swoopes), aus der Konversation kann Cooper freilich nicht verbannt werden. Zwei MVP-Awards und vier Final-MVPs mit den Houston Comets (bei vier Titeln insgesamt) sind Cooper's durchaus überzeugende Argumente. Cooper ist die erste WNBA-Spielerin überhaupt in der Hall of Fame.

Ebenfalls eingeführt wurde der Besitzer der Los Angeles Lakers, Jerry Buss. Er kaufte die Franchise im Jahr 1979 und machte sie durch seinen steten, positiven, ambitionierten Führungsstil zum Sinnbild für erfolgreiche NBA-Clubs. Die Lakers hatten nach ihrem Umzug aus Minneapolis in den 1960ern alle 8 Trips ins NBA-Finale verloren. Erst unter der Ägide von Buss begann der kometenhafte Aufstieg des Vereins. Das Team gewann in seiner Amtszeit (31 Jahre) insgesamt 10 Meisterschaften und 16 Conference-Titel.

'PIP' ist bis heute das Akronym für absolute Vielseitigkeit auf der Basketballplatte. Wer früher das Privileg hatte, Scottie Pippen in Aktion zu sehen, weiss weshalb. Er gilt zurecht als einer der vielseitigsten Spieler in der Geschichte des Sports und bleibt, wohl für immer und ewig, die Definition der zweiten Geige, des Superstar-Sidekicks. Pippen war der Co-Pilot im Chicago Bulls Jumbojet, der in den 90ern auf der ganzen Welt landete, um NBA-Basketball zu popularisieren. Vorgestellt wurde Pippen von seinem langjährigen Weggefährten und Freund, Michael Jordan. "Wer hätte gedacht dass der Größte, die Nummer 23, genau 23 Jahre später ausgrechnet mich in der Hall of Fame begrüssen würde", bedankte sich Pippen bei seinem ehemaligen Partner in Crime. 6 Meisterschaften, 2 olympische Goldmedaillen, 7 All-Star Nominierungen, 3 All-NBA First Team Selections und die drittmeisten Playoff-Spiele aller Zeiten sind ein klares Indiz für die eigene sportliche Grösse des in bitterer Armut aufgewachsenen Pippen. Durch harte Arbeit wurde der 2,01 m Schlaks zum vielleicht besten Verteidiger aller Zeiten. Er hält den All-Time Steals Rekord in den Playoffs (395) sowie die meisten Steals jemals für einen Forward (2307). Sein Coach Phil Jackson hatte ihn einst eine "one man wrecking crew" genannt, eine Anspielung auf seine Killer-Defensive, die von Point Guards bis zu Centern jedermann zu stoppen imstande war. Pippen stand insgesamt 8 mal im All-Defensive First Team und bleibt (neben Larry Bird) der Maßstab für künftige Small Forward Generationen.

Der zweite Megastar neben Pippen, der geehrt wurde, war Karl Malone, die lebende Abrissbirne aus Summerfield, Louisiana. Malone ist ohne Zweifel der wohl beste Power Forward in der Geschichte des Spiels, minus Erfolge auf der Teamebene. "The Mailman delivers" war Programm in den 90ern. An der Seite seines kongenialen Partners John Stockton lieferte der 120 Kilo-Koloss ein ums andere Mal pünktlich seine Punkt-Päckchen ab und avancierte so zum zweitbesten Scorer aller Zeiten (hinter Kareem Abdul-Jabbar) mit unfassbaren 36928 Zählern. Weitere Highlights aus der aktiven Laufbahn des Jazz-Knochenbrechers: 19 Spielzeiten (18 in Utah, 1 in Los Angeles), 1476 Spiele (Platz 4 All-Time), 2 MVP-Awards (1997 und 1999), 14-facher All-Star, 11 mal All-NBA First Team, die meisten Defensiv-Rebounds aller Zeiten (11406). Es wird langweilig. Um es auf den Punkt zu bringen: 25 Punkte, 10 Rebounds, 4 Assists im Schnitt. Jahr für Jahr, unglaubliche 19 Jahre am Stück. 'Nuff said...

Neben den individuellen Ehrungen standen in diesem Jahr zwei Mannschaften im Mittelpunkt des Interesses: die Olympia-Mannschaften der USA von 1960 und 1992. Alle lebenden Mitglieder des 60er Teams waren anwesend, darunter legendäre Namen wie Jerry West, Oscar Robertson oder Walt Bellamy, die damals noch Studenten waren. Die Zeiten waren härter, die Spieler mussten in Wohnheimen übernachten und bekamen umgerechnet einen Dollar pro Tag. Trotzdem erzielte das "wohl beste Amateurteam aller Zeiten" 102 Punkte pro Partie und gewann in Rom alle 8 Begegnungen auf dem Weg zur Goldmedaille.




32 Jahre später brillierte dann das Dream Team in Barcelona und entfachte so einen Basketball-Boom auf der ganzen Welt. Die Nachbeben, die die beste Mannschaft aller Zeiten hinterliess, sind hinlänglich bekannt. So sinnierten Spieler wie Magic Johnson (der jedes Mitglied einzeln aufrief und dabei fast Christian Laettner vergessen hätte, was vollkommen verständlich ist), Larry Bird, Charles Barkley (dem damals besten Spieler des Teams), Michael Jordan, Patrick Ewing, Clyde Drexler, David Robinson, John Stockton, Karl Malone, Scottie Pippen und Chris Mullin gestern vor und hinter den Kulissen über "die beste Zeit unseres Lebens" (Zitat: Barkley) und ihr ausserirdisches Spiel auf dem Platz. 117 Punkte pro Partie, eine Differenz von durchschnittlich 44 pro Spiel und unzählige, unvergessliche Momente. Ausserirdische, ganz klar. Und wir sind alle hängen geblieben...