26 August 2010



Dass Michael Heisley, der milliardenschwere Besitzer der Memphis Grizzlies, nicht zu den hellsten Köpfen des Universums zählt, ist überliefert. Dass er zu den wacksten Besitzern der Liga gehört, ebenso. Der 72-jährige, einer der 250 reichsten US-Amerikaner, führt sein Basketball-Team mit der gleichen Dickköpfigkeit, Unnachgiebigkeit und Knauserigkeit, mit der er sein Handelsimperium aufgebaut hat. Dabei lässt er sich mittlerweile von niemandem mehr ins Gewissen reden lässt - auch nicht von seinen engsten Vertrauten. Das wurde diese Woche wieder einmal deutlich, als Heisley in der Chris Vernon Show dem Gastgeber Rede und Antwort stand. Das knapp 30-minütige Interview (siehe Mitte d. Blogs) brachte Verblüffendes ans Tageslicht.

Es ging hauptsächlich um den immer noch anhaltenden Patt in den Vertragsverhandlungen mit den Grizzlies-Rookies Xavier Henry und Greivis Vasquez, das Collective Bargaining Agreement, die Art und Weise, wie sich Heisley als Teambesitzer in alltägliche Basketballentscheidungen einmischt und dabei seinen Manager sowie seinen Coach übergeht, die Presse im Allgemeinen und knapp 650 'Ähms' und 'Öhms'.

Einige Fakten sollte man einfach akzeptieren, wie sie sind:

1. Heisley, der nach dem Kauf der Franchise im Jahr 2000 damit von Vancouver nach Memphis umgezogen war (obwohl er eigentlich versprochen hatte, das Team in Kanada zu behalten), ist der Besitzer und kann seinen Club führen, wie es ihm passt.
2. Die Statuten im Collective Bargaining Agreement (CBA) erlauben ganz explizit performance-basierte Bonusse/Boni, wie sie Heisley nun im Fall Henry/Vasquez verhandeln will.
3. Bis zum Start der regulären Saison vergehen noch 2 Monate - genug Zeit also, um beide Rookies noch unter Vertrag zu nehmen.
4. Das Team verbesserte sich in der abgelaufenen Saison von 24 auf 40 Siege - ligaweit der zweitbeste Sprung nach oben (hinter Oklahoma City).
5. Heisley betont mehrmals, nicht die endgültige, allwissende Antwort auf alle Fragen zu haben. Nur die Zeit könne zeigen, ob sein Kurs zum Erfolg führe.






Dennoch legt der Interviewer hier eine Vielzahl schockierender und/oder verstörender Details frei. Hier die wichtigsten:

1. Heisley hat die Abwicklung der 'Basketball Operations' in Memphis vollständig an sich gerissen - eigentlich Aufgabe des Coaches/General Managers oder des Director of Player Personnel, nicht des Besitzers. Seit dem Abgang von Jerry West 2007 und dem Auseinanderfallen des alten Playoff-Teams trifft Heisley die Mehrheit der Basketball- und Vertragsentscheidungen. Das ist umso verheerender, als doch...

2. ...seine Kompetenz in Basketball-Angelegenheiten gleich Null ist. Das Thabeet-Disaster, der Max-Vertrag an Rudy Gay (Restricted FA) am ersten Tag der Free Agency, Warrick's Abgang, die Sackgassen im Fall Henry/Vasquez - allesamt Heisley's Ideen. Obwohl der 72-jährige sich für eine Art zweiter Mark Cuban hält, fehlt ihm alles, was Cuban so erfolgreich macht: ein klares Geschäftsmodell, Ahnung von NBA Team-Building-Konzepten und persönliches Charisma.

3. Als Besitzer und hauptsächlicher Entscheidungsträger hat Heisley noch niemals das Collective Bargaining Agreement studiert, welches die (Vertrags-)Beziehungen zwischen Spielern und Teambesitzern reglementiert. Es kommt noch besser: Heisley selbst hatte in den vergangenen Jahren all seinen Rookies den ligaweit üblichen Maximalsatz ausbezahlt (120% der festgesetzten Rookie-Scale-Verträge). Das hat er sich in diesem Sommer urplötzlich anders überlegt, nachdem ihn "ein Teammitarbeiter darauf hingewiesen hatte, dass diese Gehaltssätze verhandelbar" seien. Eine Offenbarung für Heisley, und augenscheinlich Pech für das Rookie-Duo Henry/Vasquez, das eigentlich nur Basketball spielen möchte.

4. Mit ein Beweis für das primär monetäre Interesse Heisley's ist sein Umgang mit journalistischer Recherchearbeit und Kritik. Alle Fragen, auch rein sportliche, die absolut nichts mit Teamaufbau oder Salary-Cap-Angelegenheiten zu tun haben, lenkt der Teambesitzer aufs Thema 'Geld' um. Dabei versucht er immer, sich zu rechtfertigen, wie und warum er wieviel Geld in die Mannschaft gepumpt hat.

5. Heisley ist davon überzeugt, in Memphis eines der erfolgreicheren 'Small-Market-Teams' der letzten 10 Jahre aufgebaut zu haben. Er führt die 3 Playoff-Teilnahmen in diesem Zeitraum an und beschönigt so die eigene Bilanz. Wachruf: von allen sogenannten Small-Market Teams, die schon mindestens 10 Jahre in einer Stadt spielen (in aufsteigender Reihenfolge: UTA, NOLA, MEM, MIL, IND, SA, ORL, CLE, SAC, POR), rangieren die Grizzlies auf dem letzten Platz. Seit Heisley das Team 2000 übernommen hat, gewannen überhaupt nur zwei Mannschaften (Clippers und Bobcats) weniger Spiele. Erfolg definieren die meisten wohl anders.

6. Der knauserige, alte Mann macht den Eindruck eines impulsiven, aggressiven Teambesitzers. Ein alter, reicher Sack, der zuviel Geld besitzt und das Führen eines Sportclubs mit der zuweilen dreisten und selbstgefälligen Welt der Tycoons, Finanzhaie und Rohstoffspekulanten in der freien Wirtschaft verwechselt. Welche Auswirkungen sein Verhalten auf die eigenen Mitarbeiter, andere Teambesitzer, die Medien und die Fans der Memphis Grizzlies hat - und das gibt er sogar offen zu - interessiert ihn nicht die Bohne. Ähhh.....