22 August 2010


In einem richtig guten Basketballspiel setzte sich gestern das Team USA gegen einen der WM-Mitfavoriten Spanien mit 86-85 durch und tankte so sechs Tage vor dem offiziellen Start des Turniers eine gehörige Portion Selbstvertrauen. Die Partie, die weniger den Eindruck eines Tests als vielmehr eines Endrundenduells vermittelte, war von Beginn an hochklassig und hart umkämpft. Die US-Boys wollten in ihrem vorletzten Vorbereitungsspiel verschiedene Optionen testen, aber auch ein Mittel gegen die bisher lethargischen eigenen Spielanfänge finden. Folgerichtig schickte Coach Mike Krzyzewski eine veränderte Startformation auf die Platte: neben den gesetzten Billups, Durant und Iguodala rückten Lamar Odom und Derrick Rose in die erste Fünf.

Die personellen Veränderungen griffen schneller als ein amerikanischer Fast Break: die Mannschaft kam hochmotiviert aus der Kabine und erspielte sich schnell eine 16-3 Führung. Spanien lief bis zum Seitenwechsel fast permanent einem zweistelligen Rückstand hinterher. Zur Pause führten die USA noch komfortabel mit 45-33.

Nach dem Wechsel dann zeigten die Spanier, wieso sie zu den besten Mannschaften der Welt gezählt werden. Angeführt vom defensiv überaus aggressiven Ricky Rubio biss sich die Heimmannschaft ins Spiel zurück und verkürzte auf 55-53. Vorne punkteten vor allem Juan Carlos Navarro (20 Pts), Marc Gasol (17 Pts) und Pepe Reyes (16 Pts in nur 18 Min). Jose Calderon erlitt dagegen einen Muskelfaserriss im Oberschenkel und fällt für die WM aus.

Die Partie, mittlerweile intensiv und überaus spannend, ging nun hin und her. Die Amerikaner erhöhten auf 63-54, Spanien schlug im letzten Viertel zurück und egalisierte zum 80-80. In der Schlussphase dann behielt das junge US-Team, allen voran Derrick Rose (13 Pts) und der beste Akteur Kevin Durant (25 Pts, 10 Reb, 2 Stl, 2 Blk), klaren Kopf. Rose, der für die Rolle des Spielgestalters an der Seite von Chauncey Billups (10 Pts) besser geeignet scheint als Rajon Rondo (kam nicht zum Einsatz), erzielte die letzten 4 Punkte für die USA und zur 86-85 Führung. Spanien hatte noch zwei Möglichkeiten zum Sieg. Dank einer taktischen Meisterleistung der Gäste (2-3 Zone direkt aus der Timeout heraus nach 39 Minuten Mann gegen Mann) und zwei Blocks von Durant in den letzten Sekunden der Partie (erst gegen Rubio, dann gegen Fernandez 'at the buzzer') ging Team USA schließlich als Sieger vom Platz.

"Ein sehr guter Test für uns, auswärts in dieser feindlichen Umgebung gegen eines der besten Teams der Welt. Wir sind zusammen geblieben und haben uns durch gekämpft. Vor allem in Hinblick auf die Härte des FIBA-Spiels haben wir gegenüber der letzten Partie (gg. Litauen) viel dazugelernt."
(K.Durant)

In der Tat präsentierte sich das Team gegenüber der Freitagspartie verbessert. Die gesamte Truppe agierte aggressiver und besser auf die geänderten Anforderungen der europäischen Spieles vorbereitet. Derrick Rose brachte eine neue Dimension ins Spiel, sowohl was die defensive Intensität (starke 1-1 Duelle gegen Rubio) als auch die Korbgefährlichkeit vorne angeht. Lamar Odom (12 Pts, 9 Reb) zeigte einmal mehr eine gute Leistung und dürfte sich im Kampf um den Starting Center Spot nun endgültig abgesetzt haben. Das macht Kevin Durant zum de facto Power Forward. Der Alleskönner putzte dementsprechend die Bretter (10 Reb), machte von allem etwas und bleibt der Schlüsselspieler für die USA. Iguodala als Small Forward ist ebenso gesetzt wie Billups der Guard-Position. Granger und Rondo kamen nicht zum Einsatz (Krzyzewski: "...wir wissen, was sie können, und wollten lieber ein paar andere Spieler beobachten."). Kevin Love brachte es in den bisherigen 3 Testspielen auf magere 11 Minuten Einsatzzeit (2 Pts, 2 Reb), gilt aber dank der Big Man Ersatzprobleme bei den Amis nach wie vor als gesetzt. Die letzten beiden Roster-Spots gehören Westbrook (8 Pts), Curry (7 Pts) oder Gordon (0 Pts).