28 August 2010


Argentinien

Stars: Luis Scola, Carlos Delfino, Pablo Prigioni, Fabricio Oberto
Es fehlen: Manu Ginobili, Andres Nocioni

Zwar sind die Gauchos älter geworden, und ohne die fehlenden Ginobili und Nocioni längst nicht mehr so unschlagbar wie einst - dennoch gehört diese Mannschaft immer noch zur absoluten Weltspitze und steht zurecht im engeren Favoritenkreis. Dieses Team spielt seit Ewigkeiten zusammen. Dementsprechend automatisiert läuft das Offensivspiel bei den Argentiniern ab. Angeführt von Point Guard Pablo Prigioni, der das Spiel ausgezeichnet lenkt, läuft der Ball meist im System wie am Schnürchen. Der Coach Sergio Hernandez zählt zu den besten der Welt. Luis Scola, das Low-Post Biest, frisst seine FIBA-Gegner im Low-Post routinemässig auf und wird auch diesmal einer der tonangebenden Akteure des argentinischen Spiels sein. Zum zweiten Go-to Guy wird sich Carlos Delfino mausern. Der vielseitige Forward in Diensten der Milwaukee Bucks kann sowohl von draussen als auch auf dem Weg zum Korb Punkte einsammeln - und wird ohne den fehlenden Ginobili Würfe satt abbekommen. Zu den Schwächen der Südamerikaner, die bisher übrigens erst einmal Weltmeister wurden (1950 gg. USA) gehört die etwas unterbemannte Center-Position sowie die fehlenden Heckenschützen aus der Distanz. Dennoch werden die Blau-Weissen ihre Vorrunde als Gruppenerster beenden und damit frühestens im Halbfinale auf einen echten Kracher a la Griechenland, USA oder Spanien treffen.


Deutschland

Stars: Jan Jagla, Elias Harris, Tibor Pleiss
Es fehlen: Dirk Nowitzki, Chris Kaman, Henning Harnisch

Ein extrem junges Team, dass zum ersten Mal seit langer Zeit ohne Dirk Nowitzki zu einem internationalen Turnier reist. Bei den Kontinentalmeisterschaften im letzten Jahr verloren die Deutschen zwar 5 ihrer 6 Partien, erkämpften sich aber dabei viele Symphathiepunkte. Mit gestiegenem Selbstbewusstsein und einem Jahr mehr Erfahrung ist der Mannschaft von Dirk Bauermann heuer sogar der Sprung ins Viertelfinale zuzutrauen. Defensiv zählen die Bauermänner traditionell zu den besten Teams, wissen so ihre offensiven Defizite zu kompensieren. In der Offense muss zunächst Nowitzki's Produktivität ersetzt werden. Jan Jagla ist der neue Go-to Guy. Der hat einen soften Touch bis weit hinter die Dreierlinie, wirft aber auch am Brett seine 2,13m mittlerweile nachhaltig ins Getümmel. Unterstützen muss ihn der diesjährige NBA Draft Pick Tibor Pleiss, der vor allem als Rebounder und gelegentlicher Shotblocker benötigt wird. Voller Spannung erwartet auf der internationalen Bühne wird auch Elias Harris, ein wuchtiger Small Forward, der als zukünftiger 1st Round Draft Pick gehandelt wird. Wenig begeisternd hingegen waren bisher die Auftritte von Robin Benzing. Auch das Aufbauspiel der Deutschen lässt sehr zu wünschen übrig, vor allem wenn der etatmässige Starter Steffen Hamann eine Pause benötigt. Alles in allem ist dieses gut gecoachte Team, dass über eine hervorragende Chemie verfügt, dennoch in der Lage, als Gruppenzweiter in die KO-Phase einzuziehen, wo man einer Mannschaft wie Kroatien oder Slowenien durchaus Paroli bieten kann.


Serbien

Stars: Nenad Krstic, Milos Teodosic, Kosta Perovic, Nemanja Bjelica
Es fehlen: Peja Stojakovic, Darko Milicic, Vlad Radmanovic, Sasa Pavlovic

Die sehr junge serbische Mannschaft war das Überraschungsteam der Europameisterschaft im vergangenen Jahr und holte sensationell Silber. Das gelang erstens dank eines tief und ausgleglichen besetzten Kaders, sowie zweitens dank einer exzellenten Defensiv-Leistung. Die Defense ist der Verdienst von Cheftrainer Dusan Ivkovic, einem alten Hasen im Geschäft, der seit mehr als 30 Jahren coacht und den Respekt seiner jungen Truppe sicher hat. Spielerisch gehören die Serben neben den Argentiniern zu den zwei stärksten Teams der Gruppe. Die völlig überflüssige Massenkeilerei im Freundschaftsspiel gegen Griechenland könnte ihnen aber einen Strich durch die Rechnung um Gruppenplatz 2 machen, denn die zwei besten Spieler im Team, Krstic und Teodosic, wurden von der FIBA für 3 respektive 2 Partien gesperrt. Ausgerechnet gegen Deutschland am 2. Spieltag könnte deren Fehlen verheerend sein. Milos Teodosic, der für Olympiacos spielt und vergangene Saison zum Euroleague MVP gekürt wurde, zählt zu den besten Aufbauspielern Europas. Seine Spezialität ist das Pick n Roll, bevorzugt mit Nenad Krstic (dem heimlichen Anker des Teams, vor allem in der Defensive) oder dem ex-NBA Riesen Kosta Perovic (2,17m). Ebenfalls interessant sind die beiden Forwards Nemanja Bjelica (von den Timberwolves gedraftet) sowie Novica Velickovic, ein extrem vielseitiger Forward mit Playmaker-Qualitäten. Aleksandar Rasic ist der Dreier-Spezi im Team. Die Serben streiten sich mit Deutschland um Platz 2 in der Gruppe A, dürften aber aufgrund der Spielsperren für ihre beiden Stars schlechtere Karten im direkten Vergleich haben und sich am Ende mit dem 3. Rang zufrieden geben müssen. Unabhängig davon wäre ein Vorstoß bis ins Viertelfinale trotzdem keine Überraschung, vor allem wenn sich Krstic und Teodosic wieder in die Mannschaft gespielt haben.


Australien

Stars: Patty Mills, David Andersen
Es fehlen: Andrew Bogut, Nathan Jawai

Bei der letzten Weltmeisterschaft 2006 schafften es die 'Boomers' bis ins Achtelfinale, wo man gegen die USA verlor. Auch in diesem Jahr dürfte die Runde der letzten 16 vor allem in dieser Gruppenkonstellation ohne weiteres erreicht werden - und wieder wird man dann gegen die USA aus dem Turnier fliegen. Da nützen auch die beiden NBA-Veteranen Patty Mills (Portland) und David Andersen (Houston, Toronto) nicht viel. Zwar verfügen die Aussies über recht solide Frontcourt-Spieler. Auch die Defensive dürfte unter der Leitung von Brett Brown (Assistant Coach bei den San Antonio Spurs) wieder einmal gut formiert stehen. Alles in allem fehlt aber die Schlagkraft in der Offensive sowie die nötige Spielkultur, um dem 4. Platz in der Gruppe und damit dem sicheren Aus im Achtelfinale zu entgehen. Gegen Jordanien und Angola wird es dennoch locker zu zwei Siegen reichen.


Jordanien


Angola