19 August 2010


Bu-Hu, klein Rudy will nicht mehr. Der Shooting Guard der Portland Trail Blazers scheint die Schnauze voll zu haben, sowohl von Portland als auch von der NBA im Allgemeinen. Sein Agent Andy Miller bestätigte heute den eingeschlagenen Kurs des 25-jährigen Spaniers: er wolle auf keinen Fall mehr bei den Blazers spielen, werde unter keinen Umständen zum Trainingscamp antreten und würde gegebenenfalls die nächsten zwei Jahre aussitzen, falls die Blazers ihn nicht zu einem anderen Team traden oder zurück nach Europa lassen.

Rudy Fernandez war 2007 von Phoenix an 24. Stelle gedraftet worden. Seine Rechte wanderten noch am Draft-Abend nach Portland, im Tausch für Cash (3 Mio $). Wie andere berühmte ausländische Spieler vor ihm (Ginobili, Kirilenko) zog es auch Fernandez vor, zunächst in Europa weiter an seinem Spiel zu feilen. Das tat er mit Erfolg und wechselte schließlich mit grossen Vorschusslorbeeren zur Saison 2008/09 über den Teich. Er unterschrieb einen 4-Jahres-Vertrag (mit Team-Option in 2011/12). Nach einer recht erfolgreichen Rookie-Saison (10.4 Punkte pro Partie, All-Time Rookie Rekord mit 159 versenkten Dreiern) fiel Fernandez' Produktivität letzte Saison ab, nicht nur bei den Punkten (8.1 PPG), sondern in allen relevanten statistischen Kategorien.

Dafür macht er nun seinen Coach Nate McMillan und die Organisation der Trail Blazers verantwortlich. Diese hätten ihn nach eigenen Aussagen mit falschen Versprechungen nach Portland gelockt und ihm dann Spielzeit verwehrt. Dass mit Brandon Roy ein All-Star auf seiner Position spielt, scheint Rudy nicht zu kümmern. Ebenso wenig die Tatsache, dass die Blazers letzte Saison mit Andre Miller, Steve Blake, Jerryd Bayless und Martell Webster fünf weitere Guards im Kader hatten und Spielzeit generell knapp bemessen war im Backcourt. Anstatt sich nun dem Konkurrenzkampf zu stellen und sich die Spielzeit im Training wieder zu verdienen, bockt der ehemalige All-Rookie Second Teamer und verlangt lauthalsig einen Wechsel. Mehrere Anrufversuche seines Coaches blieben in den letzten Tagen unbeantwortet. Fernandez weigert sich in bester Kleinkindmanier, mit seinem Team zu kommunizieren.

Die Situation erinnert ein wenig an seinen Landsmann Juan Carlos Navarro. Auch der wollte nach nur einer NBA-Saison (10.9 Punkte pro Spiel bei den Memphis Grizzlies in 2007/08) nicht mehr und wechselte prompt nach Spanien zurück. Navarro war aber im Vorfeld so schlau, nur einen 1-Jahres Deal zu unterzeichnen. Fernandez hingegen dachte nicht so weit. Es musste ja gleich ein 4-Jahres-Deal sein. Der Spanier hat noch mindestens ein Jahr Vertrag (zwei, wenn Portland die Option zieht). Es scheint aber nicht, als würde er seine Verpflichtung erfüllen wollen. Dazu sein Agent: "Ich habe immer mehr den Eindruck, dass er das Interesse an der NBA verloren hat. Im Moment sieht es so aus, als wäre Rudy lieber wieder in Europa als in der NBA."

Da Fernandez in den letzten Tagen und Wochen seinem Unmut in spanischen Medien Luft gemacht hat, reagierte nun die National Basketball Association und verhängte eine empfindliche 25000 $ Strafe gegen das spanische Baby. Zudem untersucht die Liga-Zentrale weitere Aussagen von Fernandez und seinem Agenten Miller, die zusätzliche Sanktionen nach sich ziehen könnten. Weder Profis noch ihre Agenten dürfen in der NBA öffentlich und explizit einen Trade einfordern.