31 August 2010


Dein Team ist diesen Sommer leer ausgegangen ? Du bist sauer, weil die verhassten Miami Heat dir alle Franchise-Spieler vor der Nase weggesignt haben ? Keine Sorge, treuer Fan, es gibt immer noch "nächstes Jahr". Auch 2011 sind (nach momentanem Stand der Dinge) durchaus einige Hochkaräter via Free Agency zu haben. Könnte natürlich sein, und davon sollte man ausgehen, dass der ein oder andere, vor allem junge Spieler, zwischen heute und Juni 2011 seinen Vertrag vorzeitig verlängern und langfristig beim jetzigen Team bleiben wird. Die anderen aber landen wie frische Tomaten vom Bauern auf dem freien Markt und werden durchaus lukrative Multi-Millionen-Deals einsacken - vorausgesetzt der Lockout kommt nicht, wie befürchtet. nbachef serviert die potentiellen Free Agent Häppchen, sortiert nach Wichtigkeit:

Carmelo Anthony: Unrestricted (17.1 Mio in '10/11, Spieleroption 18.5 Mio für '11/12)
Der absolute Hauptpreis im Sommer 2011, allerdings nur, wenn die aktuelle Vertragssituation ungelöst bleibt. Die Spatzen pfiffen es in den letzten Wochen von den Dächern: Melo will weg aus Denver, obwohl ihm eine Vertragsverlängerung über 3 Jahre/65 Mio $ vorliegt. Zieht er die Option (dafür bleibt ihm bis Juni Zeit), ist er natürlich weg vom Markt. Auch ein Sign & Trade zu den vorliegenden Konditionen ist im Moment realistisch. Anthony könnte aber auch das Jahr bei den Nuggets beenden, die 17 Millionen seines letzten Vertragsjahres einstreichen, und im Sommer den freien Markt austesten. So oder so: der dreifache All-Star ist einer der wenigen echten Franchise-Spieler dank seines unendlichen Offensivarsenals (Karriereschnitt 24.7 Pts), und wird somit massenweise Interesse generieren von allen Teams, die sich einen Spieler in seiner Preiskategorie leisten können.

Yao Ming: Unrestricted (17.7 Mio in '10/11)
Der Gigant aus dem Land der Mitte hätte schon dieses Jahr den freien Markt testen können, liess das aber schlauerweise bleiben und kehrt für die Erfüllung seines letzten Vertragsjahres nach Houston zurück. Seine Karrierewerte sind mit 19.1 Punkten, 9.3 Rebounds und 1.9 Blocks exzellent. Yao muss aber beweisen, dass er von seiner letzten, schlimmen Verletzung erholt ist und wieder auf Top-Niveau Basketball spielen kann, bevor ihm ein Team einen langfristigen Max-Vertrag anbieten wird. Da er nach seinem komplizierten Fussbruch aber nur langsam wieder zu Kräften finden kann, darf man keine Monster-Saison vom 7-fachen All-Star erwarten. Das wird die Houston Rockets nicht weiter stören - sie werden Yao im Sommer einen neuen Max-Vertrag unterbreiten, wenn er gesund bleibt. Es gibt derzeit kein realistisches Szenario für einen Wechsel von Ming zu einem anderen Team, zumal der Manager Daryl Morey bereits klar gemacht hat, dass der 2,29m Riese der Grundstein im Teamkonzept des Texaner ist und bleibt.

Tim Duncan: Unrestricted (18.8 Mio in '10/11, Spieleroption 21.2 Mio für '11/12)
Zum ersten Mal seit 2000 könnte Tim Duncan wieder Free Agent werden. Manch einer wird sich erinnern, dass TD vor 10 Jahren mit den Orlando Magic flirtete und kurz vor einem Wechsel nach Florida stand. Er blieb damals dennoch in San Antonio und führte seine Farben zu drei weiteren Meisterschaften. Sein Steckbrief umfasst unter anderem 4 Titel, 3 Final-MVPs, zwei Regular Season MVPs, 12 All-Star Teilnahmen und 9 All-NBA First Team Selections - allesamt mit seinen geliebten Spurs. Der stets überemotionale Duncan wird also in einer ebenso emotionalen, extra einberaumten TV-Sendung vor einem Millionenpublikum erklären, dass er seine Talente in Texas belassen und seine illustre Karriere bei der einzigen Mannschaft beenden wird, für die er jemals aufgelaufen ist. Spur for life !

David West: Unrestricted (8.3 Mio in '10/11, Spieleroption 7.5 Mio für '11/12)
Der Power Forward der New Orleans Hornets geht in seine vorerst letzte Saison in Louisiana. Man kann darauf wetten, dass er seine Spieleroption für übernächste Saison nicht ziehen wird, denn kaum ein Spieler gibt sich mit weniger Geld zufrieden als im Jahr zuvor. Das heisst also für West: neuer Mega-Deal im Sommer. Ob er den in New Orleans erhält, ist noch fraglich. Das Team muss erst die Personalie Chris Paul klären. Hinter der Langfristigkeit der Teamplanung steht zudem ein Fragezeichen. Hinlänglich bekannt ist auch, dass der Teambesitzer George Shinn seine Geldbörse nur ungern öffnet. Durchaus möglich also, dass West nach seinem 8. Jahr in New Orleans einen Tapetenwechsel bevorzugt.

Nene: Unrestricted (11.4 Mio in '10/11, Spieleroption 11.6 Mio für '11/12)
Nach vier verletzungsgeplagten Jahren blieb Nene Hilario in den letzten beiden Spielzeiten nahezu unversehrt (159 von 164 möglichen Spielen) und lieferte starke 14.2 Punkte und 7.7 Rebounds im Schnitt ab. Seine ruppige Spielweise unter den Körben war mit ein Grund für den Vorstoss der Nuggets bis ins Conference-Finale 2009. Da es aber immer mehr danach aussieht, als würde der aktuelle Kader früher oder später auseinander brechen, wird man auch die Personalie Nene ganz anders angehen müssen in der Mile High City. Denver hat in der Vergangenheit des öfteren angedeutet, auch in Zukunft seinen Frontcourt um den 27-jährigen Brasilianer herum strukturieren zu wollen. Die alten GMs wurden aber allesamt geschasst. Das aktuelle Personalchaos bei den Goldklumpen macht eine Vorhersage unmöglich - auch im Fall Nene.

Tony Parker: Unrestricted (13.5 Mio in '10/11)
Ein weiterer illuster Name auf der Liste, und der wohl prominenteste Point Guard in einem Free Agent Jahrgang reich an Big Men. Parker geht in seine letzte Saison in San Antonio, und obwohl er mit den Spurs drei NBA-Titel gewinnen konnte, sind die glorreichen Tage des Teams längst Geschichte. Die Spurs führen seit geraumer Zeit George Hill als Parker's Nachfolger ans Geschehen heran, und nach dieser Saison wird der erst 24-jährige Hill den Full-Time Posten auf der 1 beerben. Parker wird sich dann eine neue Adresse suchen müssen. Die Zahl der Verehrer ist so klein jedoch nicht, allen voran die New York Knicks und die Los Angeles Lakers sind am kleinen Franzosen interessiert. Der aber muss erst zeigen, dass er die Wehwehchen der letzten Saison (26 verpasste Partien, schlechteste Statistik-Ausbeute seit 2004) überstanden hat, bevor er einen letzten Riesendeal an Land ziehen kann.

Carl Landry: Unrestricted (3 Mio in '10/11)
Landry ist erst 26, wurde vor drei Jahren von den Houston Rockets gedraftet und hat sich in kürzester Zeit von einem Second-Round-Pick zu einem ernst zu nehmenden NBA Power Forward gemausert. Er verbesserte sich jedes Jahr in allen relevanten statistischen Kategorien (Pts, Reb, Ast, Stl, Blk) und zeigte seinen besten Basketball nach seinem Trade zu den Sacramento Kings mit 18 Punkten und 6.5 Rebounds im Schnitt. Obwohl Sacramento mit Samuel Dalembert, DeMarcus Cousins und Hassan Whiteside mächtig aufgerüstet hat unter den Körben, spielt Landry dennoch die Hauptrolle in internen Teamgesprächen und wird an der Seite von Cousins den Froncourt der Kings ins nächste Jahrzehnt führen.

Jason Richardson: Unrestricted (14.4 Mio in '10/11)
Der explosive Shooting Guard zeigte in den abgelaufenen Playoffs, dass er in gesundem und motiviertem Zustand zu den effektivsten Volume-Scorern auf der Off-Guard Position zählt. Mit 19.8 Punkten im Schnitt und einer Trefferquote von 48 Prozent von tief war J-Rich massgeblich beteiligt am erfolgreichen Postseason-Run der Suns, der erst in den Conference-Finals endete. Sein Karriereschnitt liegt nach 9 Profisaisons immer noch bei über 18 Punkten pro Spiel. Zwar wird der bald 30-jährige keine 14 Millionen pro Jahr mehr abstauben können, ein lukrativer 5-Jahres-Deal für einen Scorer von seinem Kaliber ist dennoch irgendwo in Reichweite. Erwartet J-Rich zu Saisonbeginn fit, motiviert, konzentriert und äusserst produktiv mit Blick auf einen letzten grossen Zahltag.

Zach Randolph: Unrestricted (17.7 Mio in '10/11)
Man kann über Randolph sagen, was man will: undiszipliniert, faul, egozentrisch, etc. Fakt bleibt aber, dass Z-Bo zu den ruppigsten, effektivsten Power Forwards der Liga gehört. Ganz besonders fiel das in der abgelaufenen Saison auf, als Neuzugang Randolph bei den Memphis Grizzlies die beste Spielzeit seiner Karriere hinlegte: 20.8 Punkte, 11.8 Rebounds und 49% aus dem Feld. Vielleicht, aber nur vielleicht, ist der 29-jährige mittlerweile auch reifer geworden und konzentriert sich vornehmlich nur noch auf Basketball. Eines ist klar: legt der 2,06m Wonneproppen eine ähnlich erfolgreiche Saison aufs Parkett, werden die Grizzlies um eine langjährige Vertragsverlängerung mit ihrem Starting Power Foward nicht herum kommen.

Caron Butler: Unrestricted (10.6 Mio in '10/11)
Der ehemalige All-Star machte einen klaren Schritt zurück in der letzten Saison - seiner insgesamt achten. Die 15.2 Punkte bei den Dallas Mavericks waren gleichbedeutend mit dem zweitniedrigsten Wert seiner Karriere. Entweder hatte Butler Startschwierigkeiten bei seinem neuen Club, was angesichts des Februar-Trades und seiner neuen Rolle im Teamgefüge durchaus verständlich wäre. Oder aber er ist langsamer geworden mit seinen jetzt 30 Lenzen. Butler wird sich ordentlich reinhängen müssen in der kommenden Saison, könnte aber in seiner ersten vollen Spielzeit als Maverick und an der Seite von Dirk Nowitzki an die alte All-Star Form von 2008 anknüpfen.


Honorable Mentions: Andrei Kirilenko, Tayshaun Prince, Mo Williams, Troy Murphy, Jamal Crawford, Tyson Chandler, Kendrick Perkins, Michael Redd, Samuel Dalembert