21 August 2010


Im zweiten offiziellen Vorbereitungsspiel zur bevorstehenden Weltmeisterschaft musste die amerikanische Mannschaft eine horrende Vorstellung in der ersten Halbzeit überwinden. Am Ende genügte eine starke Defensivleistung und eine weitaus höhere Trefferquote nach der Pause, um wenig furchteinflössende Litauer mit 77-61 in die Schranken zu weisen.

Team USA trat zum ersten Mal überhaupt in der neuen Konstellation auf fremdem Parkett, also ausserhalb der Vereinigten Staaten, auf. Der Start auswärts war eine einzige Katastophe. Die US-Boys trafen nur 3 ihrer 21 Wurfversuche (14%) im ersten Spielabschnitt und gerieten schnell ins Hintertreffen. Allein die agile und aggressive Defensive hielt die Mannschaft um Kevin Durant im Spiel. Über 7-15 und 10-19 blieb sie in Schlagweite. Nach Andre Iguodala's erstem Dreier Mitte des zweiten Viertels taute das Eis ein wenig auf. Das Team spulte einen 18-10 Lauf herunter und verkürzte bis zur Pause auf 28-29.

Als einen "sehr grossen Lernzuwachs für unser junges Team" beschrieb Coach Mike Krzyzewski die Leistung seiner Schützlinge in dieser Partie. "Es ist eine ganz andere Umgebung, eine andere Atmosphäre. Das Spiel ist weitaus physischer, da müssen wir uns noch daran gewöhnen. Wir haben noch viel zu lernen vor dem Turnier." Coach K unterstrich auch die Bedeutung qualitativ guter Würfe: "Ich denke unsere Jungs sind es aus der NBA gewöhnt, viele Würfe zu nehmen. Das Spiel ist hier 8 Minuten kürzer, ausserdem spielen hier 12 gute Spieler. Das heisst automatisch, dass für jeden weniger Würfe abfallen. Jeder Wurf ist dadurch viel wichtiger."

Neben der starken Defensive (15 Steals, 21 erzwungene Turnovers) fiel mal wieder die Produktivität der 'zweiten Garde' auf. Rudy Gay (14 Punkte), Derrick Rose und vor allem der Spieler des Spiels, Russell Westbrook (12 Pts), brachten viel Energie von der Bank und legten so den Grundstein für eine weitaus überzeugendere Vorstellung der US-Boys nach dem Seitenwechsel. Kurz vor Ende des dritten Viertels gingen sie beim 50-49 endgültig in Führung. Nach einem 17-0 Lauf (65-49) war die Partie entschieden.

Mehrere Dinge wurden (mal wieder) deutlich: versäumen es die USA, wie im ersten Viertel, den Ball zu pushen und das Tempo hoch zu halten, laufen sie gegen jeden Gegner Gefahr, unter die Räder zu kommen. Schnelles und athletisches Spiel sind aufgrund fehlender Big Man Optionen für den Erfolg unabdingbar. Kevin Durant ist und bleibt erste und wichtigste Offensivwaffe. Die Ersatzbank, allen voran Rudy Gay (der sich als gefährlicher 6th Man etabliert hat), spielt bisweilen besser als die erste Fünf. Thunder-PG Russell Westbrook, einer von drei 'on the bubble' Point Guards (ein Akteur wird vor der WM noch gestrichen), verbesserte seinen Aktienwert gewaltig. Das Team ist in dieser Form sicherlich (noch) kein Favorit auf den Weltmeister-Titel. Die Chemie innerhalb der Mannschaft ist aber ausgezeichnet, das Ziel scheint für alle klar zu sein und das Hinarbeiten auf die Endphase des Turniers oberste Priorität. Defense, schlaue Wurfauswahl und permanentes Transition-Spiel werden letztendlich den Unterschied ausmachen zwischen Medaille und goldener Ananas.