10 Juli 2010


Nach langem Hin und Her, vielen Spekulationen und mehreren geplatzten Szenarios gab's diese Woche dann doch den lang ersehnten Deal zwischen den New York Knicks und den Golden State Warriors. Beide Mannschaften hatten einfach zu viele Puzzleteile übrig, die beim anderen Team gut hinein passen würden - mehr oder weniger zumindest. Der Deal schickt David Lee via Sign & Trade nach Oakland im Tausch für Anthony Randolph, Kelenna Azubuike, Ronny Turiaf und einen Zweitrundenpick 2012.

Die Warriors erhalten den besten Spieler in diesem Tausch, einen All-Star Forward, der in NY einer der wenigen Lichtblicke und die einzige Konstante in einem grottenschlechten Team war. David Lee kam in der abgelaufenen Saison auf 20.2 Punkte und 11.7 Rebounds im Schnitt. Man darf allerdings den 'Knicks-Faktor' nicht ausser Acht lassen: unzählige Angriffssequenzen gepaart mit einer allgemeinen Defense-Allergie lassen die Statistik-Werte aller Spieler in ungeahnte Höhen schiessen. Will sagen, dass Lee mitnichten in der Boozer-Bosh-Amare Kategorie eingestuft werden kann. In Golden State dürfte er seine Durchschnitts-Werte aber in etwa beibehalten.

Lee verdient ab nächster Saison 13+ Millionen Dollar pro Saison (6 Jahre/80 Mio $) - und spätestens hier verstehe ich die Akquisition aus Warriors-Sicht nicht mehr. Das Kellerkind der Liga legt sich durch den Deal auf ein personelles Curry-Ellis-Lee-Biedrins Grundgerüst fest und bindet sich gleichzeitig die Hände für die kommenden Jahre. Diese Roster-Zusammenstellung wird mit den Playoffs nicht im Geringsten etwas zu tun haben, weder heuer, noch darüber hinaus. Das schlimme für GSW: man wird dennoch locker 30 Siege einfahren, womit man sich aber jede Chance auf einen Top-Pick im kommenden Draft verbaut. Diesen Kreislauf 'überbezahltes 30-Siege Team ohne Aussicht auf Playoffs oder Top Draft Picks' werden die Warriors nur schwer durchbrechen können - mit der aktuellen Besitzer/Management Kombination ohnehin nicht. Es hätte viele erfolgsversprechende Wege gegeben, dieses Team zu restrukturieren. Eine 13 Millionen $ Hingabe an einen guten, aber nicht grossartigen Offensivspieler, der Defensivarbeit nur aus Märchen kennt, zähle ich nicht unbedingt hinzu.

Die Knicks hingegen haben mit diesem Trade alles richtig gemacht. Realistisch betrachtet hätte man Lee (Unrestricted Free Agent) für umsonst verlieren können. So gesehen sind die Additionen von Anthony Randolph, Ronny Turiaf und Kelenna Azubuike ein absolutes Geschenk, und ein sehr brauchbares obendrein. Sofortige Produktion plus zukünftiges Potential im Tausch für Lee, der nach der Amare Stoudemire Akquisition ohnehin redundant geworden war - ein klarer Steal von General Manager Donnie Walsh, der zum ersten Mal seit einer Ewigkeit einen talentierten Youngster via Trade nach New York locken konnte.

Anthony Randolph ist ein Rohdiamant, der zwar immer wieder seine immensen Tools zur Schau stellt, genauso oft aber auf dem Court völlig untergeht. Die Art und Weise, wie ihn Don Nelson in Golden State immer wieder brüskierte, trug selbstredend kaum zu einer positiven Entwicklung Randolph's bei - weder auf dem Platz noch im Kopf des in Deutschland geborenen Youngsters (20 Jahre). Sein Talent lässt sich dennoch nicht von der Hand weisen. 'AR' hat noch genügend Zeit, seine vielen Talente zu entfalten. Viel wird davon abhängen, welche Sorte Spieler Randolph in der Zukunft werden möchte. Dank seiner Athletik und seinem breiten Skillset kann er in vielen Facetten des Spiels beitragen - auch wenn ihm dadurch eine klare Identität und ein Go-to Move fehlt. Man darf davon ausgehen, dass er in New York's Uptempo Offensive alle erdenklichen Möglichkeiten erhalten wird, zu wachsen. Sowohl Walsh als auch Mike D'Antoni sind grosse Randolph-Fans und wollten den Forward schon seit geraumer Zeit in den Big Apple lotsen.

Neben Randolph werden auch Kelenna Azubuike und Ronny Turiaf zwei wichtige Rotationsspieler für D'Antoni und die Knicks werden, wenngleich beide mitsamt ihren Talenten bei einem anderen Team besser aufgehoben wären. Azubuike ist ein staker Verteidiger auf der Off-Guard/Small Forward Position, der zudem als Spot-Up Schütze von jenseits der Dreierlinie sehr effektiv agiert (41 Prozent Karrierewert). 2008/09 erzielte der 26-jährige 14.4 Punkte im Schnitt. In der letzten Saison kam 'Buike' auf 13.9 Punkte pro Partie, bevor ihn eine schwere Knieverletzung den Großteil der Saison ausser Gefecht setzte. Zum Start des Trainingscamps wird Azubuike wieder einsatzbereit sein. Turiaf's Stärken liegen ebenfalls in der Defensive, vor allem im Shotblocking (Career Avg 1.4). Allein schon aus diesem Grund sind Turiaf und die Knicks eine seltsame Paarung. Seine Toughness von der Bank aus und seine 'all-out' Spielweise werden den Knicks aber gut tun. Hinzu kommt, dass Turiaf der beste Teamkollege ist, den man sich wünschen kann. Einer meiner Kollegen, ein Lokalreporter für die Golden State Warriors, hob immer wieder Turiaf's Professionalität hervor und die Art und Weise, wie er Warriors-Rookie Stephen Curry unter seine Fittiche genommen und auf den harten NBA-Alltag vorbereitet hatte. Nach Jahren eines Isaiah Thomas, Eddy Curry oder Zach Randolph im Clubhaus also eine willkommene Veränderung für die New Yorker Franchise - auf und auch ausserhalb des Basketball-Courts.


nbachef meint: Vorteil New York