14 Juli 2010


David Kahn hat es wieder getan und führt die gesamte Liga erneut an der Nase herum. Sein nächster Coup: er tradet Franchise Center Al Jefferson nach Utah. Für Kosta Koufos, zwei Erstrundenpicks und eine Trade Exception, also Cash.

Für alle geschichtlich interessierten: damit ist auch der allerletzte Spieler aus jenem monumentalen Kevin Garnett Trade zwischen Minnesota und Boston aus Minneapolis verschwunden. Unterm Strich wurde aus KG für die Wölfchen der angesprochene Kosta Koufos, Wayne Ellington, Martell Webster und zwei Erstrundenpicks. Und alle vier Spiele ein Sieg, seit 2007. Absolut brillant !

Kahn hat bereits angekündigt, eng mit Koufos' Agenten zusammen arbeiten zu wollen, um für den griechischen Youngster schnell einen neuen Verein zu finden. Übersetzung für alle nicht Kahn-sprechenden unter uns: Koufos wird nie ein Timberwolves-Trikot tragen. Die Spielminuten im Frontcourt sind in Minnesota ausschließlich für Kevin Love, Michael Beasley und Darko Milicic reserviert. Kahn hatte sich noch letzte Woche mit Love und Jefferson getroffen, um beiden ihre Zukunft im Team zu verdeutlichen. "Kevin (Love) und Michael (Beasley) brauchen viel Spielzeit, um sich zu entwickeln. Es wurde klar, dass Al's Zukunft nicht in Minnesota liegt. Nun sind wir froh, dass er mit Utah einen Klasse Verein gefunden hat, wo er nach sechs harten Profisaisons mit vielen Niederlagen endlich mal an den Playoffs schnuppern kann.", erklärte Kahn einer Tageszeitung aus Minneapolis. Jefferson's Agent hätte es nicht besser formuliert bekommen.

Utah lacht sich indessen in Fäustchen. Nicht nur, dass man den Conference-Rivalen aus Dallas im Wettbieten um Jefferson ausstechen konnte. Nicht nur, dass Jefferson billiger war als Einkaufen bei kik. Am Ende des Tages steht man nach dem Abgang von Carlos Boozer auch noch ausgezeichnet da, denn Jefferson ist jünger und billiger als der Ex - bei etwa gleicher Produktivität auf dem Platz. Zum Vergleich hier mal die Durchschnittswerte der beiden Big Men in den letzten drei Saisons:


Was vielleicht auffällt, ist Jefferson's klarer Nachteil gegenüber Boozer im Passspiel. Ich bin aber überzeugt, dass 'Big Al' unter Coach Jerry Sloan und innerhalb der Team-First Gewinnermentalität der Mannschaft seine Fähigkeiten in diesem Bereich verbessern wird. Ansonsten ist Jefferson ein Power Forward/Center der alten Schule. Seine Stärke ist das Spiel mit dem Rücken zum Korb. Überhaupt lautet die Devise bei ihm oft: Ball in den linken Low Post füttern, aus dem Weg gehen und ihn machen lassen. Der 25-jährige weiss absolut, wie man tief unterm Korb zu Punkten gelangt und verwendet sein recht grosses Arsenal an Pump-Fakes, Baby Hooks und kurzen Jumpshots extrem effizient. Auch im Rebounding liegt Jefferson mit seinem Vorgänger, der jetzt in Chicago spielt, auf Augenhöhe. Jefferson blockt weitaus mehr Würfe als Boozer, gibt besser auf den Ball acht und foult viel weniger. Seine Schwäche allerdings ist das Setzen von sauberen Picks, was im Zusammenspiel mit Jazz-PG Deron Williams unabdingbar ist. Sloan und sein Trainerstab werden während des Trainingscamps und in den ersten Monaten der Saison akribisch arbeiten, um Jefferson in einen soliden Pick'n'Roll Partner zu verwandeln, denn die Offensive der Jazz hängt von diesem Move auf dem Perimeter ab.

Alles in allem gefällt mir die Lineup der Jazz besser als in vergangenen Jahren. Die Kombinationsmöglichkeiten sind vielfältig. Utah kann traditionell auflaufen mit Jefferson auf Center, dem aufstrebenden Power Forward Paul Millsap auf der 4 und Kirilenko auf der 3. Oder aber Millsap kommt von der Bank, Jefferson spielt PF und Okur als Pivot. Millsap kann selbstverständlich auch auf Small Forward eingesetzt werden, was die Lineup riesengross werden lässt. Utah zählt auch nach diesem Trade sicherlich nicht zu den Titelaspiranten. Nach den Abgängen von Boozer und Korver lief man aber Gefahr, den Anschluss im Westen zu verlieren. Durch die Verpflichtung von Jefferson hat man einen Playoff-Platz nun so gut wie sicher. Und alles zum Spottpreis von Kosta Koufos plus zwei Picks.


nbachef meint: Vorteil Utah