27 Juli 2010


Sie hatten sich lange Zeit gelassen nach dem äusserst stilvollen Abgang ihres Franchise Players. Es war still geworden in Cleveland, das (verständlicherweise) in eine Art Schockzustand verfiel. Man hatte den Eindruck, als ginge bis zum Start der neuen Saison in knapp 3 Monaten gar nichts mehr, Player Personnel technisch gesehen. Dann kam ein Anruf von Timberwolves Manager David Kahn. Der neue General Manager der Cavaliers, Chris Grant, überlegte zwei Sekunden und sagte dann zu.

Minnesota schickt Point Guard Ramon Sessions, Center Ryan Hollins und einen Zweitrunden-Draftpick im Tausch für Delonte West und Sebastian Telfair. Als Timberwolves-Fan hat man sich an diese Art von Trades schon gewöhnt. Man gibt routinemässig den besten Spieler ab, erhält ein bisschen Salary Cap Entlastung und ein paar marginale NBA-Spieler im Gegenzug und schlägt dann entsetzt die Hände vor den Kopf. Sessions und Hollins waren erst vor einem Jahr von Manager-Legende David Kahn höchstpersönlich nach Minneapolis geholt worden - bekamen aber nie ihre Chance.

Obwohl um Längen besser und effektiver als Rookie Shoot-first PG Johnny Flynn, zumal für die Triangle Offensive von Coach Kurt Rambis, fristete Ramon Sessions ein erbärmliches Reservistendasein bei den Wölfen (21 Min, 8.2 Pts, 3.1 Ast). Die Entscheidung, Sessions 2009 zu verpflichten war ansatzweise richtig - wie Kahn und die Wolves den Wert des Spielers durch ihr subsequentes Verhalten seither gemindert haben, ist jedoch atemberaubend. Es hätte, wie so oft, mindestens drei bessere Möglichkeiten gegeben, Sessions gewinnbringender wieder abzustossen. Sei's drum. Die Cavaliers freuen sich über einen effizienten Starter, der neben Mo Williams in der Anfangsformation zu alter Stärke zurück finden wird. Die beiden kennen sich noch aus Milwaukee. Auch dort standen sie gemeinsam auf der Platte und harmonierten ausgezeichnet. Sessions ist erst 24 und mehr als geeignet, eine NBA-Offensive zu führen. Seine Stärken hat er im Aufbauspiel, was knapp 7 Assists in seinen ersten beiden Profijahren (beide bei den Bucks) belegen. Williams, der ohnehin nie ein wahrer Point Guard sein wird, kann so im Angriff auf die Zwei ausweichen, wo seine Scoring-Instinkte besser zur Geltung kommen. Session's Vertrag läuft noch 2 Jahre. Verdienst: knapp 8 Millionen Dollar. Für einen Spieler seines Kalibers recht günstig.

Während Sessions in der neuen Cavaliers-Hierarchie also gesetzt sein dürfte, wird Forward/Center Ryan Hollins um einen Platz im Team kämpfen müssen. Der 2,13 Mann erhielt in seinen vier Profijahren kaum Einsatzzeit und konnte sich nie weiter entwickeln. Kann gut sein, dass die Cavs ihn cutten, bevor die Saison beginnt.

Stichwort cutten: Minnesota hat bereits angekündigt, Delonte West aus seinem noch ein Jahr andauernden Vertrag heraus zu kaufen. Damit werden weitere 4.5 Mio $ unter dem Salary Cap frei, die das Management in Zukunft dann verwenden kann, um... vielleicht um weitere Franchise-Spieler für noch mehr Salary Cap Money weg zu traden. West wird also nie für die Wolves eingesetzt. Auch Sebastian Telfair muss sich keine grossen Hoffnungen machen, für sein Ex-Team zu spielen. Auch ihn, so haben die Wolves angekündigt, werde man gleich weiter traden oder aus dem Vertrag heraus kaufen. Telfair hatte seine beiden besten NBA-Jahre in Minnesota. Von 2007 bis 2009 kam er unter dem alten Coach und Manager Kevin McHale auf 9.5 Punkte und 5.2 Assists im Schnitt.

Erwähnenswert ist im Zuge dieser aus Wolves-Sicht wieder einmal faszinierenden Spielerbewegungen noch die Tatsache, dass Sessions am gleichen Tag getradet wurde, an dem bekannt wurde, dass der bisherige Starter auf der Eins, Johnny Flynn, aufgrund einer Hüft-OP drei bis vier Monate ausfallen wird. Nachdem Kahn also innerhalb eines Jahres drei Point Guards gedraftet (Rubio, Flynn, Lawson) und zwei weitere verpflichtet hat (Sessions, Ridnour), sieht es ganz danach aus, als fehlten den Timberwolves jetzt tatsächlich Point Guards. Ausgerechnet Point Guards. Only in Minnesota...


nbachef meint: Vorteil Cleveland