05 Juli 2010


Seit Donnerstag, 0:01 Uhr New Yorker Zeit läuft die phänomenalste Free-Agent-Phase aller Zeiten bereits, und obwohl die drei grossen Heilsbringer Lebron-Wade-Bosh bisher noch nicht unter der Haube sind, so hat sich doch einiges getan in den vergangenen vier Tagen. Ein kurzer Überblick über die heutigen Transactions:

Free-Agent Hammer in Atlanta, wo die Hawks ihren Shooting Guard Joe Johnson nicht nur verlängern, sondern ihm das Leben versüssen dank eines horrenden 119 Millionen Dollar Geschenks für die nächsten 6 Jahre. Der neue Kontrakt wird automatisch und mit sofortiger Wirkung zu einem der miesesten Deals in der ganzen Liga und könnte in Zukunft zu einer ähnlichen Belastung für ATL werden wie seinerseits die Verträge von Stephon Marbury, Allan Houston oder Steve Francis (allesamt Guards, die jenseits der 30 stark abgebaut haben) für deren damalige Teams.

Auch bei Johnson hatten eigentlich alle Warnsignale hell geblinkt. JJ ist bereits jetzt 29 Jahre alt, wird den Falken also bis zu seinem 35. Lebensjahr ganz massiv auf der Tasche liegen, während seine spielerischen Qualitäten langsam aber sicher den Bach runter gehen. Shooting Guards altern bekanntlich am schnellsten in der NBA, es sei denn man heisst Michael Jordan oder Kobe Bryant. Natürlich war Johnson in den letzten vier Saisons NBA All-Star und immer Top-Scorer der Hawks (21+ Punkte pro Spiel). Atlanta verbesserte sich seit seiner Ankunft stetig und erreichte zuletzt drei Mal in Folge die Playoffs. Ausgerechnet hier offenbarte Johnson aber seine grössten Schwächen. Sein Hollinger-PER sank um mehr als 5 Punkte gegenüber der regulären Saison, seine Trefferquote und sein Scoring rutschten in den Keller (Playoff FG% seit 2007: unterirdische 40 Prozent), und er wurde seinem Führungsanspruch als Alphatier und Franchise-Spieler zu keinem Zeitpunkt gerecht.

Im Endeffekt ist und bleibt Johnson, wer er ist: eine exzellenter zweiter Scorer, der an der Seite eines Dwyane Wade oder Lebron James unheimlich effizient zu spielen imstande und bei einem Meisterschaftsanwärter wunderbar aufgehoben wäre. In solch einem Fall wäre auch gegen den Max-Vertrag nicht viel einzuwenden gewesen. Für Atlanta ist dieser Deal aber potentiell genickbrechend. Fakt ist, dass dieses Team in der momentanen Konstitution ebenso weit vom Titel entfernt ist wie die Sacramento Kings. Playoffs ja, für mehr als Runde 2 reicht's aber nicht. Wieso man sich durch einen 6-jährigen Max für einen alternden All-Star zukünftige Handlungsoptionen verbaut, ist absolut verblüffend. Als direkte Folge dieses völlig übertriebenen Angebots werden die Hawks wohl oder übel die Rechte an Josh Childress verlieren. J-Chill, der die letzten beiden Jahre in Griechenland spielte, kehrt als Restricted Free Agent in die NBA zurück und hat viele Verehrer. Atlanta fehlt nun schlicht und ergreifend das Geld, um Childress in seine alte Heimat zurück zu lotsen.

Ironischerweise zeigen gerade Dirk Nowitzki (der ganz offensichtlich jeden einzelnen Max-Dollar und mehr verdient gehabt hätte) und die Dallas Mavericks (wo es dank Mark Cuban niemals Geld- oder Cap-Sorgen geben wird), wie man Free-Agent Probleme auch lösen kann. Der lange Deutsche einigt sich mit seinem alten Club auf einen neuen Vertrag, der ihm in 4 Jahren 80 Millionen Dollar einbringen wird (incl. einer von nur 2 No-Trade Klauseln in der gesamten NBA). Und jetzt festhalten: Dirk verzichtet dabei auf weitere 16 Millionen, die ihm bei einem Max-Deal zugestanden wären. Ihr habt richtig gehört: der führende Scorer und Rebounder in der Geschichte der Dallas Mavericks lässt Geld auf dem Verhandlungstisch liegen, damit das Team weitere Spieler via Free Agency oder Trade an Land ziehen kann. Ein ganz edler 'Team-First Approach', den man in der heutigen Zeit seltener zu Gesicht bekommt als lebende Brontosaurier. War eigentlich klar, dass von allen Starspielern am ehesten Dirk für so etwas in Frage kommt, der damit wieder einmal seine Ausnahmestellung auch abseits des Basketballfeldes unterstreicht. Ich gehen nun davon aus, dass in Dallas als nächstes die Vertragsverlängerung von Brendan Haywood höchste Priorität geniesst (dürfte so 10 Mio $ pro Jahr kosten), bevor man danach Trade-Szenarios auskundschaften wird. Der ungarantierte Vertrag von Erick Dampier (13 Mio $) läuft nächstes Jahr aus und ist heisser begehrt als das neue iPhone. Deshawn Stevenson's Deal (4 Mio $) läuft ebenfalls 2011 aus und dürfte noch was Brauchbares auf dem freien Markt abwerfen. Macht also alles in allem (Dampier + Stevenson + Dirk's Verzicht) insgesamt über 20 Millionen Dollar, mit denen die Mavs zwischen jetzt und Februar noch einkaufen gehen könnten.