04 Juli 2010


Seit Donnerstag, 0:01 Uhr New Yorker Zeit läuft die phänomenalste Free-Agent-Phase aller Zeiten bereits, und obwohl die drei grossen Heilsbringer Lebron-Wade-Bosh bisher noch nicht unter der Haube sind, so hat sich doch einiges getan in den vergangenen vier Tagen. Ein kurzer Überblick über die heutigen Transactions:

Wohl kaum einer hätte darauf gewettet, dass Drew Gooden als erster Free Agent in diesem Sommer einen neuen Vertrag akzeptiert. Der Power Forward, der bisher in 8 Profijahren bei 8 verschiedenen Teams unter Vertrag stand, einigt sich mit Milwaukee auf einen 5-Jahresdeal im Wert von 32 Mio $. Gooden soll bei den Bucks Andrew Bogut unter den Körben entlasten. Mit 12 Punkten und 8 Rebounds im Karriereschnitt können die Hirsche mit ihrem Neueinkauf durchaus etwas anfangen, zumal Gooden in der Vergangenheit oft bewiesen hat, dass er hart spielt, wenn er das Gefühl hat, irgendwo erwünscht zu sein. Gooden ist der perfekte Ergänzungsspieler für ein Scott Skiles-trainiertes Team. Milwaukee legt nur wenige Stunden später nach und macht auch mit seinen etatmässigen Shooting Guard John Salmons einen neuen Vertrag wasserdicht, der den Topscorer der Bucks (19.9 Punkte seit dem Midseason-Trade) für weitere 5 Jahre (40 Mio $) an den Verein binden wird. Wie genau die Flügel-Spielzeit zwischen Salmons, dem genesenen Michael Redd, Neuzugang Corey Maggette, Carlos Delfino, Ersan Ilyasova und Mbah a Moute aber in Zukunft verteilt werden soll, bleibt mir noch ein Rätsel. Vielleicht kommt da noch ein Trade.

Als nächstes haut Manager-Gott David Kahn in die Vollen und verbucht Darko Milicic (den Nummer 2 Pick im 2003er Draft, hinter Lebron und vor Wade/Bosh) für 4 Jahre und 20 Mio $. Während das Gehalt an sich die Wolves nicht killen wird, sind 5 Millionen per annum für einen historischen Underachiever wie Milicic mindestens 4 zuviel. Die Wolves haben sich letzte Saison in Milicic's Fähigkeiten verliebt, von draussen den Jumpshot zu setzen und so das Spiel breit zu machen. Kahn und Coach Kurt Rambis sind irgendwie überzeugt davon, dass der kollosale Draft-Bust nach 7 erfolglosen Jahren in der NBA irgendwann doch noch richtig durchstarten wird - und glauben wohl auch noch an die Erde als flache Scheibe. Anstatt Darko nach Europa abziehen zu lassen, wird man nun wohl oder übel Al Jefferson zu einem absoluten Spottpreis verscherbeln müssen. Neben Milicic einigen sich die Wolfswelpen auch mit ihrem 2008er Draft-Pick, Nikola Pekovic (3 Jahre/13 Mio $), einem bulligen Frontcourt-Spieler, der Minuten von der Bank erhalten wird.

Die Phoenix Suns verlängern mit Channing Frye, der an der Seite von Steve Nash ein Mitgarant für eine starke Saison der Sonnen aus Arizona war dank seiner Treffsicherheit von jenseits der Dreier-Linie. Nach nur 20 erfolgreichen Distanzwürfen in seinen ersten vier Profisaisons latzte Frye diesmal 172 durch die Reuse und kam so auf 11.2 Punkte pro Spiel. Er bekommt in den nächsten 5 Jahren 30 Mio $ aufs Sparkonto überwiesen.

Das muntere Geld-in-den-Arsch-schieben geht am Donnerstag munter weiter. Toronto, wohlwissend, dass Chris Bosh nie wieder für das Team im kanadischen Norden auflaufen wird, erklärt Amir Johnson kraft seines neuen Vertrages zum etatmässigen Starter auf der 4 - zumindest sollte es so sein, bei 34 Millionen in den nächsten 5 Jahren. In fünf Einsätzen von Beginn an kam Johnson letzte Saison auf 18 Punkte und 6 Rebounds im Schnitt. Da der junge PF aber eine horrende Foulquote an den Tag legt, sind diese Werte über einen ganze Saison hinweg absolut utopisch. Der Vertrag ist viel zu lang für einen Spieler, der ausser seinem Potential noch nicht viel angedeutet hat. Knapp 7 Mio $ jährlich sind für Karrierewerte von 4.7 Pts und 4.2 Rebs absolut überproportioniert. Schlechter Deal für die Raps.

Den Vogel, bzw. den Bären, schiessen aber die Memphis Grizzlies ab, die ihrem Free Agent Rudy Gay einen Monster-Max-Vertrag anbieten: 5 Jahre, 82 Millionen Dollar. Ein absolut unfassbarer Deal, aus gleich mehreren Gründen. Zum einen ist Gay kein Max-Spieler, so wie es Wade, Lebron, Nowitzki oder Bosh zurecht sind. Der Small Forward zählt zwar zu den Top10 auf seiner Position. Er konnte sich aber in den letzten drei Jahren in keiner statistischen Kategorie verbessern. Zum Vergleich mal Gay's Statistiken vor drei Jahren: 20.1 Pts, 6.1 Reb, 2 Ast. In der letzten Saison: 19.6 Pts, 5.9 Reb, 1.9 Ast. Wie gesagt, kein Unterschied zu sehen. Will sich der ehemalige UConn Huskie seine Penunzen verdienen, muss er in der kommenden Spielzeit zur absoluten Führungsfigur bei den Grizzlies heran reifen. Das beinhaltet auch starke Defensivarbeit, wo Gay sich gerne mal Auszeiten gönnt und nicht in der Lage ist, die besten Small Forwards der Liga zu checken. Gay bleibt ein Ausnahmetalent und ist ausserdem erst 23 Jahre alt, hat also noch viel Zeit, um sein Potential eines Tages zu erfüllen. Wieso aber, und das bringt uns zum zweiten Punkt, eine Mittelklasse-Mannschaft wie die Grizzlies in einem zähen Marktsegment sich dazu hinreissen lässt, einem 1B Free Agent einen Max-Vertrag zu offerieren und sich damit in den LuxuryTax-Bereich hineinmanövriert, bleibt ein Rätsel. Zumal Gay 'restricted' war, was bedeutet, dass jedes höhere Angebot eines anderen Teams von den Grizzlies überboten werden darf. Ich befürchte, dass dieser Deal in nur zwei Jahren unter einem dann neuen CBA ähnlich cap-krüppelnde Konsequenzen entwickeln wird wie seinerzeit der Tracy McGrady-Vertrag. Nicht gut...