07 Juli 2010



Nach der Ruhe vor dem Sturm am Montag bzw. Dienstag (Amare Stoudemire einigt sich ganz offiziell mit den New York Knicks. Fleissige nbachef-Leser wussten das schon am Samstag), steppt heute der Bär.

Zunächst lassen Dwyane Wade und Kumpel Chris Bosh die Katze aus dem Sack: beide werden künftig für die Miami Heat auf Korbjagd gehen. Wade bleibt bei dem einzigen Verein, dem er jemals angehörte und mit dem er 2006 einen NBA-Titel gewann. Bosh stösst als All-Star und klarer Top15 Spieler in der Liga zur Mannschaft aus Florida hinzu, wo er mit seinem guten Freund eines der zwei besten 1-2 Punches der Liga bilden wird. Die Parallelen zu Kobe Bryant und Pau Gasol in LA sind nicht von der Hand zu weisen: ein klarer MVP-Kandidat im Backcourt, gepaart mit einem klaren All-Star Big Man up front.

In der Addition wird aus den Heat damit über Nacht ein ernst zu nehmender Contender in der Eastern Conference - auch wenn ausser dem erdbebensicheren Grundgerüst Wade/Bosh noch keine anderen Spieler im Kader stehen. Michael Beasley und Mario Chalmers sind zwar vertraglich gebunden (Joel Anthony im Prinzip ebenfalls dank eines Qualifying Offers), es könnte aber passieren, dass beide via Sign & Trade nach Toronto abwandern. Erst am Donnerstag wird klar, ob Bosh bei den Raptors einen 6-Jahres-Vertrag unterschreiben wird (125 Mio $), um direkt danach zu den Heat gedealt zu werden. In diesem Fall spränge für Toronto etwas mehr als die mageren 4 Milliönchen $ unter dem Salary Cap raus - eben Beasley, Chalmers und der ein oder andere Draft-Pick. Könnte aber auch gut sein, das Heat-Präsident Pat Riley seinen Neuzugang in den letzten Tagen dermassen gut beackert hat, dass der für 5 Jahre/96 Mio $ direkt in Miami anheuert - und die oben genannten Spieler ebenfalls bleiben.


Ich habe absolut keine Zweifel, dass Riles in den nächsten Tagen und Wochen ein schlagkräftiges Team um sein neues Superduo herum zusammenbasteln wird. Haslem wird mit Sicherheit verlängert, Jermaine O'Neal vielleicht auf magische Weise (via Sign & Trade) in einen effektiveren Spieler umgewandelt, sowie der ein oder andere Distanzschütze (Mike Miller oder Ray Allen) verpflichtet. Miami Beach, Spitzenwetter, Steuerfreiheit und die Aussicht auf Championships an der Seite von Wade und Bosh - die zum wohl tödlichsten und effektivsten Pick'n'Roll Tandem der Liga werden dürften - sind für potentielle Free Agent Additionen ganz deutliche Argumente
pro Miami. Automatisches Top3 Team im Osten, wie gesagt.

Bosh's Zusage in Miami bringt prompt den nächsten Dominostein zum Fallen. Der Stein heisst Carlos Boozer. Der letzte verbleibende 'Big-Name Free Agent der Qualitätsstufe 1B' auf dem Markt einigt sich mit den Chicago Bulls auf einen 5-Jahres-Vertrag im Wert von 80 Millionen $. Damit haben die Bullen endlich ihren Mann. Schon seit Jahren versucht die Franchise aus Illinois, Boozer aus Utah weg zu lotsen. So auch vor der Trade Deadline in diesem Februar, als Tyrus Thomas zum Tausch angeboten wurde. Was lange währt wird nun endlich gut für Chicago, das nun den erhofften grossen Namen verpflichten konnte und immer noch den finanziellen Spielrahmen für einen Max-Vertrag besitzt. Der 'Rose-Deng-Boozer-Noah' Nukleus ist schon jetzt bärenstark und wird auf jeden Fall um den Heimvorteil im Osten gehörig mitreden. Die Booz-Akquisition soll auch ein Signal in Richtung Wunschspieler Lebron James sein: "LBJ, hier hast du das stärkste Team". Boozer gab sofort nach seiner Einigung bekannt, James telefonisch zu einem Wechsel nach Chicago bewegen zu wollen.

Experten und Möchtegerns wollen aber schon seit gestern wissen, dass Lebron James seine Entscheidung angeblich schon getroffen hat - unabhängig von den heutigen vertraglichen Zusagen in Miami und Chicago. Eine einfache Pressemitteilung betreffs seines neuen oder alten Vereins reicht bei James aber nicht aus. Es darf gern ein bisschen mehr sein, und so wird der geborene Selbsdarsteller in einer extra einberufenen ESPN-Sondersendung am morgigen Abend seinen Beschluss verkünden. Man munkelt, dass sich danach die Erde in eine andere Richtung drehen wird.

"LeBron James will reveal which NBA team will pay him millions of dollars over the next several seasons tomorrow night on ESPN, with a program simply called "The Decision." It will air at 9 p.m., with the ubiquitous Stuart Scott hosting. One of the most anticipated decisions in the sports world – where NBA superstar free agent LeBron James will play next season and beyond – will be officially revealed on "The Decision," to be presented live on ESPN and ESPN Radio Thursday, July 8, at 9 p.m. ET."

Ach ja: abseits des ganzen Affentheaters einigt sich der Anti-James, Kevin Durant, mit seinen Oklahoma City Thunder auf eine Vertragsverlängerung. Der jüngste NBA-Scoringleader aller Zeiten (letzte Saison 30.1 Punkte im Schnitt), der in der kommenden Spielzeit noch gemäss seines Rookie-Deals entlohnt wird (ca. 5 Mio $), erhöht seine Bezüge danach auf 86 Millionen $ für 5 Jahre. Sogar auf eine Opt-Out Klausel verzichtete das Wunderkind, und meint es absolut ernst mit den eventuellen Titelambitionen in Oklahoma. Direkt nach der Playoff-Niederlage hatte Durant seinen Wunsch wiederholt, möglichst lange in OKC bleiben und dort einen Winner mit aufbauen zu wollen: "I hope it happens, man. I'm really emphasizing how much I really enjoy playing for the Oklahoma City team and playing for that city.'' Gesagt, getan. Ganz ohne Selbstverherrlichung, Medientrauben und den ganzen Hype. Ein simpler Twitter-Tweet reicht...