26 Juli 2010


Ein kurzer Rückblick auf die Entwicklungen der abgelaufenen Woche im USA Basketballteam, das ein Trainingscamp in Las Vegas absolvierte. Insgesamt 21 Spieler waren geladen.

Zunächst der Schock für Amare Stoudemire, den Starting Power Forward und einen der grössten Stars in der Mannschaft. Aus versicherungstechnischen Gründen verbieten die New York Knicks eine Teilnahme an der Weltmeisterschaft. Eine erneute Verletzung des neuen Franchise-Spielers wäre nicht abgedeckt, das Risiko für NY somit zu gross. Amare fliegt also noch vor seinem ersten Training heim. Während der ersten Probeeinheit dann der nächste Schock, diesmal für David Lee. Der fällt mit einer Fingerverletzung mehrere Wochen aus. Die WM ist damit auch für ihn gegessen. Auch Robin Lopez muss sich aus gesundheitlichen Gründen (Knie) verabschieden - bereits der dritte Big Man, der sich vom Acker macht. Dafür stösst der junge Wizard Javale McGee zum Kader hinzu, der nun 19 Mann umfasst.

Die ganze Woche über wurde hart trainiert. Was sofort auffiel, war die komplett neue Zusammenstellung des Teams. Der Head Coach Mike Krzyzewski hatte schon vor dem Camp betont, dass man absichtlich einen komplett neuen Kader einbestellt hatte, nachdem sich schon früh abzeichnete, dass Topstars wie Kobe Bryant, Lebron James oder Dwyane Wade in diesem Jahr nicht mitspielen würden. Der neue Look ist unkonventionell. Viele Spieler sind sehr jung (nur fünf älter als 25) und extrem athletisch. Die Ansammlung guter Guards (vor allem Point Guards) ist atemberaubend und bestätigt den Trend der '1' als talentierteste Position ligaweit.


Vielleicht ist gerade deshalb
Jason Kidd mit an Bord - allerdings nicht als Spieler. Der Dallas Maverick hat in internationalen Duellen noch keine einzige Partie verloren. Dieses Wissen will er nun an die jüngere Generation weiter geben - als Praktikant, der Coach K, Mike D'Antoni, Nate McMillan & co. über die Schulter blicken darf. "Das Spiel ist anders, kürzer, härter. Teams machen die Zone dicht, es gibt viele freie Sprungwürfe. Liegt man einmal hinten, ist es schwerer als in der NBA, wieder ran zu kommen. Man muss seine Führung kontinuierlich ausbauen", so der Spielmacher-Veteran.

Das mit den Sprungwürfen dürfte nicht so schwer werden in diesem Jahr, denn die Anzahl an Scharfschützen bei den US-Boys ist verblüffend: Curry, Durant, Gordon, Granger, Mayo, Billups, Gay. Die Liste hört erst bei Bahnschranken wie Mc Gee oder Brook Lopez auf. Gerade hier, in der Zone, liegt die Schwachstelle der Amerikaner, was schon nach wenigen Tagen auch im Camp deutlich wird. Lopez, eigentlich ein Parade-Center, der wohl beste im Team, zeigt die gesamte Woche über nur Magerkost. Der Grund: er leidet noch an den Spätfolgen der Kusskrankheit und kommt nur langsam wieder in Fahrt. Bester Mann bei den Bigs ist - man höre und staune - Tyson Chandler, der sich dank seines Rebounding und seiner Defensive einen Platz im Kader schon so gut wie gesichert hat.

Bei den Power Forwards gilt Lamar Odom als gesetzt. Jeff Green und Kevin Love duplizieren ihre eigenen Fähigkeiten ein bisschen, weswegen mindestens einer von ihnen wohl die Heimreise antreten muss, spätestens dann im August. Die 5 Veteranen im Team werden wohl zumindest heute den Cut überleben: Chauncey Billups, Andre Iguodala, Gerald Wallace, Chandler und Granger.

Das Team gehört ganz klar Kevin Durant, er ist der absolute Anführer der Truppe und mit Abstand der beste Spieler im Kader. Das wurde auch am Samstag noch einmal deutlich beim abschliessenden Scrimmage. Durant führte sein 'White Team' mit 28 Punkten zu einem ungefährdeten 114-96 Sieg und erhielt später die kleinste Trophäe aller Zeiten für den besten Spieler. Zum Spiel selbst: es mutete von Beginn eher wie die Kopie eines All-Stars Spiels denn wie eine FIBA-Partie an. Run & Gun hüben wie drüben. In diesem Umfeld wurde die grösste Stärke des Team USA deutlich: Athletik. Die Lineups waren unkonventionell, agierten zum Teil mit 3 Guards und nur einem echten Big Man. Es wird sich noch zeigen, ob diese Taktik gegen abgklärte, physische Teams wie die Griechen oder die Argentinier zum Erfolg führen wird.

Richtig stark spielte die Grizzlie-Connection OJ Mayo (18 Punkte) und Rudy Gay (23) beim blauen Team. In Weiss wussten neben Durant noch Derrick Rose (15 Pts, 8 Ast), Iguodala (17 Pts), Gordon (17) und Steph Curry (14) zu gefallen. Einziger effektiver Big Man war wie schon im Verlauf der Woche Tyson Chandler (13 Pts, 9 Reb, 4 Blocks).

Wer muss heute die Heimreise antreten ? Noch ist unklar, wieviele Akteure genau mit ins nächste Trainingscamp dürfen. Die Rede ist mal von 14, dann wieder von 16. Gehen wir von 15 aus, dann sind für mich folgende Spieler gesetzt (der Sicherheit nach):

G - Billups, Rose, Rondo, Curry, Westbrook
F - Durant, Gay, Iguodala, Wallace, Granger, Green
C - Chandler, Odom, Lopez*, Love

Bei insgesamt zwei puren Dreierspezis (Curry, Eric Gordon) fällt meine Entscheidung auf Curry, der dank seiner PG/SG Vielseitigkeit flexibler eingesetzt werden kann. Seine Rolle im endgültigen Kader als Zonenbrecher von jenseits der 3er Linie ist sicher, Gordon muss dementsprechend heim. Tyreke Evans verletzt sich am Sprunggelenk, damit ist er schon mal raus aus dem Rennen um einen der 15 Plätze. OJ Mayo kann zwar werfen und scoren. Dafür ist er aber unfähig, den Point Guard zu spielen. Mit 1,92 Meter ist er zudem für den Flügel zu klein. Fazit: nicht spezialisiert genug, nicht vielseitig genug. Javale McGee kann Blocken, ist für seine Grösse und krakenlangen Arme aber ein unterdurchschnittlicher Rebounder - Indiz für sein schlechtes Stellungsspiel und einen recht niedrigen Basketball IQ. Spieler von internationalem Format verspeisen Hampelmänner wie McGee zum Dessert.

Das US-Team bricht als Nächstes zu einem Trainingscamp nach New York auf. Am 15. August findet dort das Testspiel gegen Frankreich statt. Die Basketball WM in der Türkei beginnt offiziell am 28. August.