18 Juli 2010



Wie jedes Jahr konkurrierten auch heuer die besten Rookies, Sophomores, D-Leaguers, unsigned Free Agents und allerletzten Job-Anwärter (und JR Smith) gegeneinander, um Spielzeit, häufigen Ballbesitz und den ein oder anderen freien Roster Spot. Zunächst in Orlando, dann in Las Vegas. Hier zufällige nbachef News & Notes ohne Hintergedanken, stringenten Zusammenhang oder jedwelchen Sinn:


Monstars

John Wall: Most Outstanding Player in Vegas, was übersetzt bedeutet: kein anderer Spieler war dominanter. Erzielte im Schnitt 23.5 Punkte und 7.5 Assists. Der Nr. 1 Pick war elektrisch auf dem Platz. Die meisten Rookies haben zunächst Schwierigkeiten mit dem viel schnelleren Spiel bei den Profis - nicht so Wall. Leistete sich in den ersten beiden Partien zwar 16 Ballverluste, mehr auszusetzen gab's aber nicht. Wall gelangt nach Belieben zum Korb, wo er unglaublich stark im Abschluss ist. Auch sein Jumpshot zeigt sich überraschend konstant. Der unantastbare Leader bei den Wizards. Brachte die Wiz in seinem letzten Spiel am Donnerstag mit 31 Punkten im Alleingang zurück und zum 90-89 Sieg.

DeMarcus Cousins: der zweite Lotterie-Pick nach Wall, der in Vegas für Furore sorgte. Beendete das Turnier mit 14.5 Pts und 9.8 Reb im Schnitt. Zeigte im Spiel gegen Minnesota sein ganzes Arsenal an Postmoves und eines der besten Spiele überhaupt (22 Pts, 12 Reb, 5 Ast, 4 Stl). Erzielte gegen die Raptors sogar ein extrem seltenes 'Vegas Triple Double': 16 Punkte, 12 Rebounds, 10 Fouls

Greg Monroe: der Center der Pistons wurde von Spiel zu Spiel stärker. Versuchte zu Beginn noch, seine Mitspieler in Szene zu setzen, suchte aber gegen Ende immer aggressiver den eigenen Abschluss. Traf 14 seiner letzten 17 Versuche aus dem Feld, ging mit einem Big Bang aus dem Turnier (27 Pts, 14 Rebs) und untermauerte seinen Status als vielleicht komplettester Big Man

Blake Griffin: der kommende Rookie des Jahres spielte zwar selbst nicht mit (Griffin's Vegas-Stats letztes Jahr, direkt vor seiner Knieverletzung: 19 Pts, 11 Reb im Schnitt), verriet aber der ganzen Welt bereitwillig, was er in seinem Rucksack mit sich rumschleppt

Jrue Holiday: der letztjährige Rookie der Philadelphia 76ers war einer der besten Spieler in Orlando. Zeigte fast fehlerfreie Leistungen von der Point Guard Position, riss das Spiel an sich, lenkte die Offensive, setzte seine Mitspieler gekonnt in Szene (bester Passgeber des Turniers) und scorte selbst nach Belieben. Wurde Topscorer des Turniers, wirkte wie ein Mann unter Jungs da draussen. Stats: 19.3 Pts, 6 Ast, 1.7 Stl (gleiches gilt im Übrigen auch für Nuggets-Point Guard Ty Lawson, dessen Reife als Spielgestalter und Scorer höchst beeindruckend war)

Die Zweitrundenpicks der Lakers: Derrick Caracter und Devin Ebanks. Ebanks (43. Pick) demonstrierte seine Fähigkeiten als Slasher und fantastischer Perimeter-Verteidiger. Caracter (58. Pick) sieht jetzt schon wie der Steal des Drafts aus. Der bullige Frontcourt-Spieler versohlte Ärsche, wie es sonst nur osteuropäische Väter tun. Zeigte ein grosses Repertoire an Low-Post Moves, setzte seine Jumpshots aus der Mitteldistanz und legte eine erfrischende Aggresivität an den Tag. Traf 60% aus dem Feld, und dominierte die Zone in Vegas.

Der 30-Punkte Club: Damion James - NJN (30), John Wall - WAS (31), Sharron Collins - CHA (32), Reggie Williams - GSW (34), JJ Hickson - CLE (34), Sam Young - MEM (35)

Vegas Summer League: neuer Rekord bei den teilnehmenden Teams (23), den absolvierten Spielen (58) und den Zuschauerzahlen. Die Fans strömten in Scharen zu den Spielen im COX Pavillon und Thomas & Mack Center, im Schnitt gut 4000. Bleibt zu hoffen, dass der Wachstum auch in den nächsten Jahren anhält.

Honorable Mentions: Dominique Jones (DAL), Tiny Gallon/Larry Sanders (MIL), Sam Young (MEM), DeMar DeRozan/Ed Davis (TOR), Paul George (IND)



Non-stars

JR Smith: im Normalfall schauen NBA-Veteranen in Vegas nur vorbei, ziehen sich das ein oder andere Spiel rein, geben ein Interview oder zwei, und zischen dann wieder ab. Nicht so Earl Smith der Dritte, der bereits 6 NBA-Saisons hinter sich hat und letztes Jahr als erster Mann von der Bank bei einem Playoff-Team über 15 Punkte im Schnitt erzielte. Smith, der weder auf dem Boxscore Report auftauchte noch in anderen offiziellen Unterlagen, streifte am Dienstag und Mittwoch das babyblaue Nuggets-Jersey über und daddelte jeweils ein paar Minuten munter mit. Trefferquote insgesamt: 29 Prozent. Gegen Jungs wie Jason Ogilvy und Maarty Leunen. Unglaublich !

Evan Turner: der 2. Pick des Draft enttäuschte in Orlando auf ganzer Linie und blieb den Nachweis seiner Klasse schuldig. Konnte in keiner der 5 Partien ein komplettes Spiel aufs Parkett legen. Wirkte sehr oft out of control und stand vor allem in Halfcourt-Sets auf verlorenem Posten. Liess sich von den eigenen Teamkollegen Holiday, Speights und Meeks völlig in den Hintergrund drängen. Zu langsam, zu uneffektiv, zu ängstlich. Nur 9.4 Pts bei 33 Prozent Trefferquote pro Spiel.

Ekpe Udoh: der 6. Pick im diesjährigen Draft verletzte sich am Handgelenk, musste operiert werden und fällt die nächsten 6 Monate aus. Golden State wünscht sich wohl, man hätte lieber Greg Monroe, den Center aus Georgetown gewählt. Monroe zeigte phasenweise sein ganzes Arsenal an Low-Post-Moves und seine Passgenauigkeit. Udoh zeigte lediglich seinen Gips.

Boston Celtics: mit Spielern wie Vyacheslav Kravtsov, Artsiom Parakhouski und Jaycee Carroll im Kader und einer mageren 1-4 Bilanz waren die Celtics weniger ernst zu nehmen als die Nationalmannschaft San Marino's.

Donte Greene: hat so viel Talent, eine wahre Freude am Spiel, ist uneigennützig, teamdienlich und spielt hart. Trotzdem hat sich Greene nach mittlerweile zwei Profisaisons immer noch nicht weiter entwickelt, spielt immer noch unkonzentriert und viel zu uneffektiv. Gute Oha-Momente sind weitaus seltener als schmerzende Griffe an den Vorderkopf. Auch in Vegas bestach Greene lediglich durch seine Unkonstanz (nur 5 Pts im letzten Spiel). Schafft es der Forward nicht bald, sein Potential auszuschöpfen, dürften die Kings bald die Geduld mit ihm verlieren.

Eddy Curry: der Knickerbockers-Döner hatte seinem Team versprochen, zum Summer League Kader hinzu zu stossen, um sich wieder in Form zu spielen. Immerhin hat Curry in den letzten zwei Jahren nicht gerade ein Feuerwerk an basketballerischen Leistungen abgebrannt. Das hier wäre also eine gute Gelegenheit gewesen, an sich ein bisschen zu arbeiten und dem Team zu zeigen, dass er es auf dem Platz noch einmal versuchen will. Curry tauchte natürlich nie auf, die Knicks-Verantwortlichen versuchten vergeblich, ihn in seiner Heimat Chicago zu erreichen. Dabei gibt es in Las Vegas doch so viele grosse, leckere Büffets...

Honorable Mentions: Wesley Johnson, Derrick Favors



Nachtrag

Da es sich hierbei um die Summer League handelt, und kein Geschehen aus, in oder um die Summer League herum in einer Woche noch ein Mindestmass an Relevanz besitzen wird - schon gar nicht Anfang November, wenn die Saison beginnt - kann man all das Gelesene getrost wieder vergessen. Es ist ab sofort wertlos...