21 Juli 2010


Chris Paul will raus. Wie bereits letzte Woche angedeutet, war der junge Superstar der New Orleans Hornets alles andere als begeistert von der Richtung, die seine Franchise in den letzten Monaten einschlug. Jetzt hat CP3 endgültig die Schnauze voll und will das Team mit sofortiger Wirkung verlassen. Seine Repräsentanten haben das Management ganz offiziell um einen Trade ersucht. Paul will entweder nach New York, Orlando oder zu den LA Lakers.

Ein Insider aus Paul's engstem Vertrautenkreis liess verlauten: "Er will raus. Er will mit einem anderen Superstar zusammen spielen. Er fühlt sich von den Hornets im Stich gelassen, die ihm keine Hilfe zur Seite stellen und nichts unternommen haben in diesem Sommer."

Geht es nach Paul, hat er sein letztes Spiel in den türkisenen Hornets-Trikots bereits absolviert. Er soll noch vor dem Saisonstart 2010/11 zu einem der drei genannten Teams getradet werden wollen, wo er entweder mit Amare Stoudemire, Dwight Howard oder Kobe Bryant gemeinsam auflaufen kann. Seit der Entlassung von Head Coach Byron Scott hatte Paul immer wieder seinen Unmut geäussert. Er gab letzte Saison offen zu, "neidisch, sehr neidisch" zu sein auf seine guten Freunde Lebron James, Carmelo Anthony und Dwyane Wade. "Alle drei waren schon dort, wo ich auch hin will. Ich möchte nicht warten, bis ich alt und grau geworden bin, um mal um einen Titel mitspielen zu können", wurde Paul damals zitiert.

Obwohl die Hornets vorhaben, sich in den nächsten Tagen mit ihrem Franchise-Spieler an einen Tisch zu setzen, wo vor allem der neue Coach (Monty Williams) sowie der neue General Manager (Dell Demps) Paul von der "neuen Richtung" überzeugen wollen, die der Verein einschlagen möchte, scheint das Tischtuch zerschnitten. Paul glaubt nicht mehr an das Ammenmärchen vom Contender im Big Easy - und wer will's ihm verdenken ? Die Chancen waren da, vor zwei Jahren, als man 56 Spiele gewonnen und fast das Conference Finale erreicht hatte. Seither ging es ständig bergab. Die Personalpolitik mit zwei Trainerentlassungen und einem neuen Manager spricht weniger für einen Titelkandidaten denn für einen identitätslosen Dreckshaufen auf dem Weg ins Nirgendwo.

Nutzniesser dieses akuten Paul-Fernwehs könnten ausgerechnet die New York Knicks werden. Von den drei genannten Teams (NY, ORL, LAL) sind die Knickerbockers am ehesten in der Lage, Paul's Vertrag zu absorbieren und im Gegenzug heiss begehrte Tauschware nach Louisiana zu schippern - also junge Spieler, Draft Picks, Trade Exceptions. Der Preis wird hoch, aber Knicks-Manager Donnie Walsh hat in der Vergangenheit des öfteren offen zugegeben, nach genau dieser Superstar-Sorte von Spieler Ausschau zu halten: Lebron James, Chris Paul, Carmelo Anthony, usw. Mit ein Grund für die Transaktionen von Walsh seit seinem Amtsantritt war die vorhergesehene Akkumulation junger Talente, die dann bei Bedarf zusammen in einem Paket geschnürt werden können. Die Gelegenheit ist jetzt günstig. Ein 'Amare-CP3 Tandem' würde die Knicks auf Anhieb in die Eastern Conference Contender Konversation katapultieren. Ich bin mir aber sicher, dass sich auch Orlando und LA nach einem Spielgestalter wie Paul die Finger lecken, wenngleich mir hier ad hoc um 5 Uhr 30 keine zwingenden Tradeszenarios einfallen, die das Hornets-Management begeistern wird.

Da Paul noch zwei Jahre Vertragslaufzeit hat, bevor er die ersehnten Free Agent Gewässer navigieren kann, so wie es in diesem Jahr James, Wade und Stoudemire taten, sieht er in einem Trade den letzten Ausweg aus seiner Misere. Fakt ist und bleibt: Paul ist für ein unteres Mittelklasse-Team wie die Hornets, die in einem kleinen Markt spielen und zudem zu geizig sind, um sich in Luxury-Tax Nähe zu begeben, ein Luxus, den man sich dort nicht leisten kann. Wird also höchste Zeit, dass sich Shinn und co. endlich eingestehen, die Sache damals verkackt zu haben und statt dessen an die Zukunft denken - die der Hornets, aber auch die ihres bisherigen Franchise-Eckpfeilers, der in New Orleans keiner mehr sein will. Zurecht!