15 Juli 2010


Es fing eigentlich alles recht gut an in diesem Sommer für die New Jersey Nets nach der katastrophalen letzten Saison und einer 12-70 Bilanz, der drittschlechtesten aller Zeiten. Mikhail Prokhorov, ein milliardenschwerer russischer Geschäftsmann, kaufte die Franchise im September 2009 für läppische 200 Millionen US-Dollar auf und kündigte kurz darauf an, in nur wenigen Jahren in der Belle Etage der NBA-Clubs mitmischen zu wollen. Dazu holte er mit Avery Johnson einen erfahrenen Mann als neuen Coach. Johnson gewann als Spieler mit den San Antonio Spurs einen NBA-Titel (1999) und wurde 2007 zum Trainer des Jahres ernannt.

Mit dem geplanten Umzug in zwei Jahren nach Brooklyn, einer neuen State of the Art Arena, einem durchaus vielversprechenden, jungen Kader und Prokhorov's tiefen Taschen sah es kurzzeitig so aus, als würden die Nets vielleicht schon in diesem Sommer einen kleinen Frühstart in Richtung Championship 2015 hinlegen. Das Thema hat sich spätestens nach der heutigen Ernennung von Billy King zum neuen General Manager erledigt. Schon in den letzten Tagen waren die Absage von Lebron James, die Unfähigkeit, auch nur einen kompetenten Free Agent in die Sümpfe zu locken, sowie der frühzeitige Abtritt des bisherigen GMs Rod Thorn ganz schlechte Vorzeichen.

Anstatt Lebron & co. heisst es in New Jersey nun also Travis Outlaw, Johan Petro, Jordan Farmar, Anthony Morrow (alles Backups, wohlgemerkt) ... und eben dieser Billy King. Ausgerechnet Billy King. Der Mann, der bei seinem letzten Stopp als GM die Philadelphia 76ers im Alleingang ruinierte.

Obwohl er schon bei seinem Amtsantritt 1998 die schärfste Brille der Liga besass, fehlte King immer schon der Durchblick. Ständig traf er katastrophale Fehlentscheidungen beim Spielerpersonal, und potenzierte diese durch seine erbärmlichen Versuche, es wieder gut zu machen. Seine allererste Amsthandlung war der NBA-Draft 1998. Mit dem 8. Pick wählte er ... Larry Hughes - direkt vor Dirk Nowitzki und Paul Pierce. Hughes schickte er später zusammen mit Billy Owens und Bruce Bowen nach Golden State - für einen alternden Toni Kukoc. Selbst gute Moves, wie der Tausch von Mirsad Turkcan für einen Erstrundenpick, negierte er kurz darauf durch den Rücktausch des Picks für Jumaine Jones.

Sicher: die 76ers hatten Anfang des Milleniums einen kleinen Lauf, der sie bis ins NBA-Finale 2001 brachte. Den hatten sie aber Larry Brown zu verdanken, der trotz King die Alleinherrschaft über den Sixers-Laden an sich riss. Brown liess Defensivkünstler wie Dikembe Mutombo holen und umgab seinen Megastar Allen Iverson mit den perfekten Rollenspielern für einen tiefen Playoff-Push und möglichen Titelgewinn. Schon ein Jahr später waren die Sixers nur noch Mittelmaß. King mischte sich wieder ein und tat das, was er am besten kann: schauderhafte Moves auf dem Spielermarkt abwickeln. Brown sah das Unheil kommen und machte den Abgang. Aus Mutombo wurde Keith van Horn, und aus den Sixers der Schrotthaufen, den wir heute kennen.

Nachdem so ziemlich jeder untalentierte Spieler durch King's Hände gewandert war, machte er sich daran, mit absurden Geldsummen um sich zu werfen und völlig überzogene Vertragsverlängerungen an Spieler zu verteilen, die ihren Zenit schon lang überschritten hatten oder diesen nie erreichen werden. 36 Mio für Aaron McKie. 40 Mio für Kenny Thomas. 25 Mio für Brian Skinner. 18 Mio für Greg Buckner. 29 Mio für Eric Snow, der damals bereits 86 Jahre alt war. Und 60 Millionen für Samuel Dalembert. Die beschissenen Verträge von Van Horn, Glenn Robinson oder Kevin Ollie, die er via Trade noch zusätzlich mit anschleppte, gar nicht mit eingerechnet. Wenn man eine Mannschaft effektiv zugrunde richten will, Billy King ist der ideale Manager dafür.

Noch irritierender als die Tatsache, dass King wieder einen Job hat, ist die Vorgehensweise von Teambesitzer Prokhorov, der eines sagt, und dann das Gegenteil tut. Noch vor zwei Tagen hatte der klipp und klar gemacht: "Ich muss alles selbst riechen und anfassen. Wir werden nicht schnell schiessen in dieser Angelegenheit, sondern uns gründlich nach einem Nachfolger umsehen." Nach einer 'gründlichen' Suche ist Billy King nun die Lösung ? Männer wie Kevin Pritchard oder Steve Kerr sind weiterhin ohne Anstellung, und ausgerechnet King soll's richten ?

Zusammenfassung: Der alte Manager (Thorn) verlässt mitten in der Free Agent Phase das Team. Alle Neuzugänge (Farmar, Outlaw, Morrow, Petro) sind höchstens 7. oder 8. Mann Material. Kein Semi-Starspieler denkt auch nur im Entferntesten daran, zu den Nets zu wechseln. Und der neue GM (General Mismanager) King ist ausschließlich dafür bekannt, Geld für miserable Spieler zum Fenster hinaus zu werfen.

Prokhorov muss seinen 5-Jahres-Meisterschaftsplan dringend überarbeiten !