21 Juli 2010


So munter wie sich das Spielerkarussell in diesem Sommer dreht, so munter geben sich auch die General Manager gegenseitig die Klinke in die Hand. Ein kurzer Adlerblick auf die neusten Wechsel in den NBA-Führungsetagen.

- Die Phoenix Suns verpflichten Lon Babby als Ersatzmann für Steve Kerr, der nach der Saison hinschmiss und fortan wieder fürs TV arbeiten wird. Kerr bekleidete das Doppelamt des 'Team President' und General Manager. Babby wurde als neuer 'President of Basketball Operations' vorgestellt. Das Amt des GMs hält er nur so lange inne, bis ein neuer Mann für alle Spielertransaktionen gefunden ist. Das besondere an Babby: er ist kein Basketball-Mensch in engeren Sinne, obwohl er seit gut 35 Jahren im Business ist. Babby ist gelernter Anwalt, der noch bis Mitte dieses Jahres als Spieleragent fungierte. Zu seinen Klienten zählten unter anderem Grant Hill und der Neuzugang der Suns, Hedo Turkoglu. Babby hat bereits angekündigt, sich aus allen Basketball-Angelegenheiten strikt heraus halten und sich ausschließlich auf Vertragsmodalitäten und Collective Bargaining Geschichten konzentrieren zu wollen. "Ich bin kein Red Auerbach. Ich weiss was ich kann, aber ich weiss auch was ich nicht kann", so Babby bescheiden. Phoenix geht mit diesem Modell einen ganz neuen Weg und bestätigt damit das Bild von einer modernen, zukunftsorientierten Franchise, die anderen NBA-Teams abseits des Courts meistens ein paar Jährchen voraus ist.

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Schock bei allen Portland-Fans während des Drafts: der bisherige GM Kevin Pritchard wird völlig überraschend gefeuert. Als Begründung fallen wohl philosophische Differenzen zwischen ihm und dem milliardenschweren Teambesitzer Paul Allen am schwersten ins Gewicht, obwohl sich alle Beteiligten diesbezüglich noch in Schweigen hüllen. Klarer Fall von 'grosser Fisch feuert kleinen Fisch'. Blöd für Portland, war doch Pritchard einer der besten Manager der Liga, seines Zeichens hauptverantwortlich für die Umgestaltung des Teams in den letzten drei Jahren, weg vom 'Jail Blazers' Image hin zu einem der attraktivsten, jüngsten Teams der Liga. Sein Nachfolger ist Rich Cho, seit gestern im Amt. Der gelernte Ingenieur setzte 1995 als Praktikant bei den Seattle Supersonics seinen Fuss in die NBA-Tür. Wenige Jahre später war Cho bereits zum Assistant General Manager bei den Sonics/Thunder emporgestiegen - zur rechten Hand von Manager-Mastermind Sam Presti also. Cho gilt als überintelligent und extrem fleissig. Er entwickelte, zusammen mit einigen Microsoft-Nerds, eines der fortschrittlichsten und besten Evaluationssysteme für College-Spieler und Profis. Advanced Scouting deluxe sozusagen. Seit einigen Jahren gilt Cho in NBA-Kreisen als gefragtester Nachfolge-Manager. Die Blazers haben nun den Zuschlag.

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Die Nets hingegen müssen wohl ein paar extra Jahre auf den ganz grossen Coup warten. Der erhoffte Big Name Player wurde es nämlich nicht in diesem Sommer, weder auf dem Court noch für den teuren Ledersessel im Front Office. Statt dessen verpflichtet das Team von Mikhail Prokhorov ausgerechnet Billy King, den Ex-Manager der Philadelphia 76ers. Wie geschickt dieser Schachzug (nicht) war, wisst ihr ja bereits.

- Die Hornets hoffen, durch einen Manager-Wechsel ihren verärgerten Franchise-Pointguard Chris Paul vom guten Willen zu überzeugen, einen Winner in New Orleans errichten zu können. Dazu wurde erst letzte Woche der bisherige GM (Jeff Bower) gefeuert. Sein Nachfolger ist nun Dell Demps. Demps ist ein ehemaliger NBA-Spieler, der nach seiner aktiven Laufbahn zunächst als Assistant Coach, dann als Scout tätig war und später ins Management wechselte. Zu seinen Stationen zählen die New York Knicks (Director of Player Personnel) und zuletzt die San Antonio Spurs. Dort war er mitverantwortlich für die erfolgreiche Personalpolitik der Spurs, die während seiner Anstellungsdauer fünf Jahre in Folge 50+ Siege einfuhren und einen NBA-Titel holten. Demps hat mit dem neuen Coach der Hornets, Monty Williams, noch gemeinsam in San Antonio gespielt. Dummerweise sind dem neuen Mann, so kompetent er auch sein mag (und das ist bei allen Ex-Spurs-Angestellten in der Regel der Fall), die Hände gebunden, solange der Teambesitzer George Shinn seine Spielsachen nicht endlich mal an den destinierten Nachfolger verkaufen will.

- Zwar schon seit März im Amt, aber dennoch ein ebenfalls neues Gesicht leitet in Zukunft die Basketball-Geschicke der Los Angeles Clippers: Neil Olshey, ehemaliger Assistenztrainer und Assistant General Manager im Verein. Olshey, der ursprünglich Schauspieler werden wollte, gilt als pragmatisch, aber bestimmt, was Bewegungen auf dem Spielermarkt angeht. Er besitzt ein exzellentes Gespür für Talente und junge Spieler. Seine Personalpolitik seit dem Draft kann sich sehen lassen: Al-Farouq Aminu und Eric Bledsoe gezogen, Randy Foye und Ryan Gomes für ganz kleines Geld geholt, Craig Smith verlängert, etc. Bleibt aus Clippers-Sicht nur zu hoffen, dass ihn Teambesitzer Donald Sterling in Zukunft machen lässt und sich aus basketballtechnischen Dingen komplett raus hält. Oder besser gleich: das Team verkauft und sich einen einsamen Planeten ganz für sich alleine sucht...