13 Juli 2010


Nach der Kür folgt bekanntlich die Pflicht, oder so ähnlich: Pat Riley muss nach seinem Riesencoup und der Verpflichtung von LeDwyane Bosh nun die restlichen Roster-Bausteine zusammen kratzen, was bei dem eng geknüpften Restbudget nicht einfach wird. Den ersten Schritt vollziehen die Heat am Montag mit der Verlängerung von Udonis Haslem. Die gute Seele des Teams aus Südflorida kassiert für die nächsten 5 Jahre etwa 20 Millionen Dollar. Trotz mehrerer, besserer Angebote von anderen Teams (NYK, LAC, CLE, DEN, CHI) entscheidet sich der Power Forward und 'glue player' für die Jagd nach Meisterschaften anstatt für die dreckigen grünen Scheinchen. "Die Chance auf Siege und die Tatsache, dass ich in der Nähe meiner kranken Mutter bleiben kann, aber vor allem Teil von etwas ganz Grossem sein zu können, gab letztendlich den Ausschlag", wird Haslem zitiert. Der 30-jährige weist Karrierewerte von 10 Punkten und 8 Rebounds auf.

Neben Haslem sollen die Heat auch mit Free Agent Mike Miller einen neuen Deal abgeschlossen haben. Die Rede ist von knapp 30 Millionen für 5 Jahre. Auch Miller war/ist selbstredend heiss begehrt auf dem freien Markt. Entgegen verfrühter News auf anderen Plattformen sei hier aber darauf hingewiesen, dass Miller's Unterschrift immer noch auf sich warten lässt, während sich der Guard/Forward extra Bedenkzeit erbeten hat. Multiple Teams versuchen zur Stunde, ihn von einem Engagement bei den Heat abzubringen. Verständlich.

Die Verpflichtung von Championship-Hure Zydrunas Ilgauskas hingegen ist schon unter Dach und Fach. Der lahmende Blindenhund von Lebron James folgt seinem Herrchen nach Miami, wo er die Center-Position "verstärken" wird. Die familiäre Komponente soll hier ebenfalls eine grosse Rolle gespielt haben: Ilgauskas' jüdische Frau hat eine Vielzahl von Familienangehörigen, die in Südflorida leben. Aus sportlicher Sicht kann ich die Aufregung um diese Akquisition nicht ganz nachvollziehen. Big Z wird nichts Signifikantes mehr beitragen können - schon gar nicht, wenn Miami wie bereits angekündigt uptempo spielt. Die Modalitäten des Deals: 2 Jahre (Player-Option nach 1), 2.8 Mio $.

Hilton Armstrong unterschreibt einen 1-Jahres-Vertrag bei den Washington Wizards (knapp 1 Mio. $). Armstrong wird sich im Trainingscamp mit Javale McGee, Andray Blatche, Yi Jianlian und Trevor Booker um Spielzeit in der kommenden Saison streiten - und verlieren.

Die New York Knicks landen in einem Move, der an Gezocke in Las Vegas erinnert, Timofey Mozgov, einen hünenhaften 2,16m grossen Russen, der auf keinem NBA-Radar bisher gesichtet wurde. Der Nationalspieler ist bereits 24 Jahre alt und noch sehr roh. Fraglich also, ob er bei den Knicks viel beitragen kann. Denen aber schien der potentielle Ertrag des Russen die 3 Millionen im Jahr wert (3 Jahre/9 Mio $). "Er ist gross, kräftig, gut unterwegs, blockt Würfe und trifft seine Jumper. Hat kaum gespielt, also definitiv ein Gamble unsererseits", so New York's Coach Mike D'Antoni. Vielleicht ging es den Knicks auch nur darum, Mikhail Prokhorov, dem russischen Nets-Besitzer, eins auszuwischen. Prokhorov wollte Mozgov unbedingt verpflichten.

Ein weiterer Europäer heuert in Chicago an: Omer Asik, türkischer Nationalspieler, verstärkt den Kader der Bulls in der kommenden Saison. Der Center wurde 2008 an 38. Stelle von Portland gedraftet. Seine Rechte landeten in einer Reihe von kleinen Deals, die keinen Mensch interessieren, schließlich bei den Bulls.
Der kurze Flirt mit den Miami Heat war wie erwartet nichts Ernstes: trotz seines Cross-Country Fluges nach Florida, wo er sich mit Pat Riley und der Heat Organisation zu Vertragsgeplänkel getroffen hatte, bleibt Mr. Laker auch in den kommenden Jahren seinem Team aus Los Angeles treu. Derek Fisher erhält einen Drei-Jahres Deal im Wert von 10.5 Millionen Dollar. Ich war schon vor Wochen davon überzeugt, dass Fisher letzten Endes bleiben würde, aus mehreren Gründen: zum einen ist Fish der Klebstoff, der dieses Lakers-Team zusammen hält. Als bester Freund und einem der wenigen Menschen, von denen sich Kobe Bryant etwas sagen lässt, sorgt der alte Mann für Harmonie in der Umkleidekabine. Als nächstes war sicher, dass LA sein Championship-Team zusammen halten will, denn Meisterteams reisst man nicht auseinander. Zuguterletzt befindet sich Fisher auf den letzten Runden seiner langen NBA-Karriere. Ein Engagement über seine Spielertage hinaus irgendwo im Front Office der Lakers ist ihm jetzt schon garantiert - und die Chancen auf einen erneuten Titelgewinn (seinem 6.) ist nirgendwo grösser als zu Hause. No-Brainer für Fish und die Lakers.

Jordan Farmar hingegen verlässt LA - auch das war abzusehen (siehe ebenfalls hier). Der Point Guard wechselt zu den New Jersey Nyets und tauscht Championship-Ringe gegen die Niederungen der Tabelle ein. Das Argument, nicht mehr Bankdrücker in Los Angeles sein zu wollen, wird Farmar spätestens nach dem Trainingscamp im Hals stecken bleiben. Gegen den Starter der Nets, Devin Harris, hat er keinen Stich, obschon ich davon überzeugt bin, dass er in einem freieren Angriffsspiel als in der Triangle-Offense durchaus aufblühen könnte. Auf der Bank wird er das freilich nicht schaffen. Die Indiana Pacers waren stark an Farmar als Starter auf der 1 interessiert. Schlechter Move von Jordan, es sei denn er weiss etwas, was wir alle nicht wissen (etwa ein Angebot von Mikhail Prokhorov, dass er 'nicht ablehnen konnte').

Orlando Magic General Manager Otis Smith präsentiert sich arbeitswütig wie eh und jeh und bastelt akribisch an seiner Vision einer Championship-Mannschaft. Der neueste Neuzugang heisst Quentin Richardson, seines Zeichens Dreierspezialist mit einem extrem freshen, spezialangefertigten Jordan-Schuh. Q-Rich bringt ein gewisses Mass an Intensität und Erfahrung nach Orlando - und natürlich Dreier en masse (1082 Karriere-Treffer bisher). Die Frage bleibt nun, ob Otis Smith das heftige Qualifying Offer der Bulls an Free Agent JJ Redick abgleichen wird (19 Mio $), oder ob man den aufstrebenden Guard nun ziehen lässt. Ich gehe nach wie vor stark davon aus, dass Redick in Orlando bleibt.

Der letzte FA des Tages, der seine Koffer packen und sich woanders nach einem Haus umsehen kann, ist Al Harrington (Karriereschnitt: 14.1 Punkte, 5.8 Rebounds).Die nächste Ausfahrt von Harrington heisst Denver, CO. Die Nuggets offerieren ihre komplette Mid-Level Exception und garantieren insgesamt 34 Millionen für 5 Jahre. Obwohl Dallas nach der Akquisition von Tyson Chandler aggressiv versucht hatte, Harrington als weiteren Offensiv-Partner von Dirk Nowitzki ins grosse D zu locken, boten die Nuggets einen längeren Deal an. Dieser machte im Endeffekt den Unterschied.

Auch Spielzeit wird in der Mile High City massig vorhanden sein, denn sowohl Kenyon Martin als auch der Birdman, Chris Andersen, werden den Saisonanfang nach Knieverletzungen von den Bank aus verfolgen. Denver einigte sich, ebenfalls am Dienstag, auch noch mit Anthony Carter als drittem Point Guard sowie mit Shelden Williams als weiterem Bankwärmer-Forward.