04 Juli 2010


Der Back to Back Champion Los Angeles Lakers sah sich vor diesem Sommer mit zwei Hauptschwierigkeiten konfrontiert, die es unbedingt zu lösen galt:

1. kehrt Phil Jackson auf die Trainerbank zurück - und wenn Nein, wer übernimmt seine Nachfolge ?
2. wo bekommt man ein echten Point Guard her, der imstande ist, die Triangle Offensive effektiv zu manövrieren ?

Kein Problem für Mitch Kupchak & co ! Während in anderen NBA-Städten der Free-Agent Wahnsinn tobt, bastelt man in Tinseltown ganz unter dem Radar und abseits der ganzen Hysterie am Kader für einen weiteren Three-Peat. Im Draft schnappte sich GM-Genie Kupchak an 43. Stelle zunächst Devin Ebanks - einen athletischen Small Forward, der mehrere Positionen verteidigen kann und im Lakers-System dank täglicher Trainingseinsätze gegen Kobe & co. schnell zu seiner spielerischen Blüte finden wird. Vergleiche mit Trevor Ariza sind nicht von ungefähr, und als Ersatzmann von Ron Artest gehört Ebanks die Zukunft auf dem lila-goldenen Flügel.

Dann verkündete der erfolgreichste Coach aller Zeiten, Phil Jackson, die für Laker Nation wichtigste Nachricht des Sommers: der alte Mann kehrt nun doch auf die Trainerbank zurück und wird in seiner vielleicht allerletzten Saison dem vierten (!) Three-Peat seiner Karriere nachjagen (für alle Mathe-Genies: das macht dann Titel Nr. 12). Nach einer Woche Urlaub auf seiner Ranch in Montana fühlt sich Phil trotz mehrerer Wehwehchen und einer kaputten Hüfte fit genug für ein weiteres NBA-Jahr inklusive aller Reisestrapazen. Die Ärzte gaben ihm nach ausgiebigen Tests grünes Licht. Ein 'Jack'-pot für LA ! Zusammen mit Jackson's basketballerischem Know-How und seiner absolut unrealistischen Postseason-Erfolgsbilanz (11 Titel in 19 Saisons, 225-98 Playoffsiege, Serienquote 48 zu Null nach Sieg in Spiel 1) erhält die Franchise auch den Fokus seiner Protagonisten auf dem Platz zurück. Kobe wird weiterhin innerhalb des Teamkonzepts spielen und nicht überdrehen, Artest wird kühlen Kopf bewahren, Gasol hart spielen und Bynum seinen Coach zu beeindrucken versuchen. Das dürfte auch heissen, dass Free Agent Guard Derek Fisher - die heimliche Identität der Mannschaft und Jackson's rechte Hand auf dem Platz - mit allen Mitteln gehalten werden wird.

Und das obwohl Manager Kupchak bereits auf dem freien Markt zugeschlagen hat mit der Verpflichtung von Point Guard Steve Blake. Was sich auf den ersten Blick wenig spektakulär ausnimmt, ist für die Lakers ein absoluter Volltreffer. Blake ist ein Veteran, der hart spielt, solide verteidigt und hervorragend auf den Ball acht gibt (Karriere Ast/TO Ratio von 2.9). Seine grosse Stärke ist seine Treffsicherheit, auch von ausserhalb der Dreier-Linie. In den letzten drei Jahren hat Blake nie weniger als 40% seiner langen Würfe vesenkt. Wenn man die Lakers verteidigt, ist es unmöglich, Gasol's und/oder Bynum's Verteidiger abzuziehen. Bryant kann ebenfalls nie alleine stehen gelassen werden. Ergo sacken fast immer die PGs oder SFs ab, um die Zone dicht zu machen. Das eröffnet viele freie Würfe für Artest oder einen der Point Guards - und ist mit ein Grund, weshalb Derek Fisher auch in seinem fortgeschrittenen Alter und trotz der Basalgeschwindigkeit eines Sloths immer noch produktiv beiträgt. Blake ist der ideale Aufbauspieler für die Triangle-Offensive und eine echte Verstärkung. Kostenpunkt: 16 Millionen $ für 4 Jahre.

Die Blake-Investition heisst wohl auch, dass Jordan Farmar seinen Spind im Staples Center bald räumen muss, denn die Lakers wollen unbedingt mit Shannon Brown und mit Fisher verlängern - auch wenn letzterer 10 Mio. $ für 2 Jahre verlangt. Ich gehe stark davon aus, dass man hier auf beiden Seiten pokert (die Lakers offerieren entweder 1 Vertragsjahr oder aber 2 Jahre für weniger als 10), dass man sich letzten Endes aber einigen wird. Jerry Buss, der Besitzer, hat immer schon bewiesen, dass er bereit ist, Geld für Championship-Teams auszugeben, so wie das auch selbstverständlich sein sollte, wenn man sich eine Profimannschaft als Hobby hält. Deshalb ja auch der Luxury Tax. Deshalb ja auch knapp 12 Millionen für Phil Jackson nächstes Jahr. Deshalb ja auch weitere Spielerverstärkungen und neue Verträge für alte Leistungsträger. Und genau deshalb wird der Titel auch in der kommenden Saison nur über die Los Angeles Lakers führen - ganz gleich, wieviele der Mega-Free-Agents sich letzten Endes in einem Team zusammenfinden.