11 Juli 2010


Nachdem die New York Knicks ihren grossen Superplan mit der anvisierten Verpflichtung eines absoluten Megastars (sprich Wade oder James) nicht umsetzen konnten, ging's nahtlos über zu Plan B. General Manager Donnie Walsh trauerte der verpassten Gelegenheit keine Träne nach (und schoss gleichzeitig alle Gerüchte um seinen unmittelbaren Rücktritt in den Wind). Statt dessen arbeitet der Chef weiter emsig daran, die Knicks für die kommende Spielzeit wettbewerbsfähig zu machen, hält sich aber gleichzeitig alle Optionen für 2011 und darüber hinaus offen. Dingend benötigt wurde ein Point Guard, der in der Lage ist, die Offensive von Coach Mike D'Antoni souverän herunter zu spulen, und den haben die Knicks nun in Person von Ex-Bobcat Raymond Felton. Der Aufbauspieler unterschreibt einen Dreijahresvertrag (25 Millionen $) und bekommt die Zügel zur schnellen Knicks-Offense in die Hand gelegt. Letzte Saison kam Felton auf 12 Punkte und 5.6 Assists im Schnitt - und das beim Team von Larry Brown, dem lahmsten in der gesamten Liga. Keine Mannschaft spielt ein sloweres Grundtempo als Charlotte, kein Team spielt schneller als New York. In der Folge dürften Felton's Offensiv-Statistiken nach oben schiessen, vor allem wenn er mit Amare Stoudemire eine funktionierende Pick n Roll Einheit bilden kann. Felton war der beste Point Guard in diesem Free Agent Jahrgang und stellt für die Knicks eine mMn gute Verpflichtung dar. Obwohl James und Bosh ihre Zelte woanders aufschlugen, können die Knickerbockers mit Amare Stoudemire, Anthony Randolph und Raymond Felton durchaus zufrieden sein.

Die San Antonio Spurs verlängern den auslaufenden Vertrag mit Scharfschützen-Big Man Matt Bonner. Der Deal beläuft sich auf 4 Jahre, und obwohl über die finanziellen Details noch nichts bekannt wurde, dürfte die 'Rote Rakete' etwas über 3 Millionen jährlich im Sparstrumpf deponieren können. Weit beeindruckender präsentiert sich mir die zweite Spurs-Akquisition des Sommers: Tiago Splitter. Der brasilianische Center (2.11m) wurde im Draft 2007 als 28. Spieler von den Spurs gezogen (wieder mal einer dieser genialen, späten Spurs-Picks). Splitter spielt seit 2001 in der spanischen Liga, wo er letztes Jahr bei seinem Club Tau Ceramica sowohl MVP als auch Finals MVP wurde. Splitter ist leichtfüssig, ballgewandt und extrem effektiv. Wer ihn spielen sieht, fühlt sich zwangsweise an Pau Gasol erinnert. Splitter, ein Hammer-Spieler für San Antonio, wenn er den Übergang meistert.

Trotz stärkerem Interesse von mehreren Teams, allen voran den New Jersey Nets, bleibt Tyrus Thomas auch in den nächsten 5 Jahren in Charlotte, wo er dafür 40 Millionen Dollar kassieren wird. Thomas ist ein Verteidiger ganz nach dem Geschmack seines Coaches, Larry Brown, und kam bei den Bobcats nach dem Midseason-Trade von den Chicago Bulls auf 10 Punkte, 6 Rebounds, 1.5 Blocks und 1 Steal im Schnitt. Thomas ist erst 23 Jahre alt und wird sich unter den Fittichen von Trainerfuchs Brown weiterhin verbessern. Ein guter Move von Charlotte, den athletischen Forward zu binden. So kann der horrende Vertrag von Tyson Chandler spätestens zur Februar-Trade-Deadline für brauchbare Komponenten weg getauscht werden. Charlotte sichert sich zusätzlich noch die Dienste des jungen Free Agent Forward/Centers Dominic McGuire.

Die Unterzeichnung von Brian Cook bei den Los Angeles Clippers ist eigentlich solch eine Nicht-Nachricht, dass es schon fast peinlich ist, sie hier überhaupt anzuführen. Aus Gründen der Vollständigkeit sei aber erwähnt, dass Cook für 2 Jahre 2.4 Mio $ erhält - genau 2.4 Millionen zuviel.

Scharfschütze Luther Head heuert bei den New Orleans Hornets an, wo er den Minimalbetrag von 2.3 Millionen für 2 Jahre bekommt und den Abgang von Morris Peterson kompensieren soll (die offizielle Bekanntgabe hängt vom obligatorischen Doktor-Check ab, den Head am Montag noch bestehen muss).

Chicago, seinerseits auf der Suche nach Scoring-Punch von jenseits der Dreierlinie, haut zwei Hammerangebote raus am Freitag. Zunächst wird Ex Utah Jazz Forward Ashton Kutcher, äh Kyle Korver, verpflichtet für umgerechnet 5 Millionen per annum (15 Mio $ für 3 Jahre). Korver zählt dank seiner Dreier-Bombardements seit Jahren zu den effektivsten Rollenspielern der Liga und wird das Spielfeld für Rose, Boozer, Deng & co. schön auseinander ziehen, wann immer er auf dem Platz steht. Ganz dreist ist Chicago's Griff nach JJ Redick, dem Sniper der Orlando Magic. Die Bulls offerieren ein sogenanntes Offer Sheet (3 Jahre, 19 Millionen). Orlando hat jetzt eine Woche Zeit, genauso viel Geld zu bieten. Sonst ist Redick weg. Der ehemalige Blue Devil brachte es in der abgelaufenen Saison auf 9.6 Punkte bei 41 Prozent Trefferquote von draussen und wurde zusehends zu einem integraleren Bestandteil der Magic-Rotation. Die Verantwortlichen des Teams in Florida hatten mehrfach betont, den Shooting Guard um jeden Preis halten zu wollen. Das Angebot der Bulls ist dennoch ein Bitchslap ins Magic-Gesicht aufgrund seiner immensen 9 Millionen-Gewichtung im ersten Vertragsjahr. Orlando, ohnehin schon tief im Luxus-Steuer-Strudel gefangen, müsste nächste Saison finanziell ganz schön bluten, wovon ich aber fest ausgehe. Somit werden Vince Carter und sein auslaufender Deal zwischen jetzt und Februar getradet und Redick der neue Starter auf SG.

Johan Petro unterschreibt bei den New Jersey Nets einen 3-Jahres Deal (10 Millionen $) und wird Brook Lopez Backup auf der Center-Position. Der Franzose kommt auf Karrierewerte von 5.1 Punkten und 4.2 Rebounds in 16 Minuten pro Spiel.

Ex-Heat Guard/Forward Dorrell Wright wechselt für 11 Millionen/3 Jahre zu den Warriors ins Basketball-Laboratorium des wahnsinnigen Professors Don Nelson, wo er trotz seiner Grösse von 2,06m entweder Point Guard oder Center spielen wird - oder beides.

New Jersey, ganz klar grösster Verlierer des FA-Wahnsinns 2010, verpulverisiert weiterhin munter Cap-Space, der für einen Top Free Agent vorgesehen war. Anthony Morrow erhält ein Offer Sheet, das die Warriors bis nächste Woche abgleichen können (12 Mio/3 Jahre). Da die Warriors am gleichen Tag aber Dorrell Wright zu den gleichen Konditionen ins Team holten, wandert Morrow mit ziemlicher Sicherheit in die Sümpfe von New Jersey, wo er um den Startplatz auf der 2 kämpfen wird. Morrow ist erst 24 und hat in seinen zwei NBA-Saisons seine Qualitäten als Scorer (11.6 Pts) und Dreierschütze (1.7 pro Spiel bei granatenmässigen 46 Prozent) unter Beweis gestellt.

Zuguterletzt übertreiben es die Portland Trail Blazers mit ihrem 5 Jahres-Vorschlag an Guard Wesley Matthews - auch das ein Offer Sheet. Utah wird wohl kaum das völlig unwirtschaftliche 34 Millionen Angebot egalisieren, wenngleich Matthews in der abgelaufenen Saison als Rookie mit 9.4 Punkten und 2.3 Rebounds durchaus überzeugen konnte. 7 Millionen pro Jahr für einen Sophomore erscheinen mir dennoch ein wenig zuviel des Guten.