25 Juli 2010



Der Wechsel von Lebron James nach Miami wurde in den jetzt 17 Tagen seit 'The Decision' allerorten kontrovers diskutiert. Fans und Nicht-Fans der selbstverliebten Königin zerrissen sich auf in diversen Foren, Tante-Emma-Läden und auf unzähligen Basketballcourts die Mäuler, verteidigten James' Entscheidung oder kritisierten sie aufs Schärfste. Je nach Betrachtungswinkel hat jede Seite ihre Legimitation und wurde billionenfach vorgetragen.

In der abgelaufenen Woche meldeten sich nun vier NBA-Legenden unabhängig voneinander zu Wort und kommentierten ihrerseits die Entscheidungen von James, Dwyane Wade und (mit Abstrichen) Chris Bosh, künftig in Miami gemeinsam aufzulaufen.

Larry Bird (3 Titel) hatte schon in der Vergangenheit mehrfach betont, dass er Lebron James am liebsten bei den Cavaliers sehen würde: "Ich hoffe er bleibt in Cleveland. Er ist aus Ohio und bedeutet dem Team und der Stadt sehr viel. Ich will die guten Spieler immer bei den Teams bleiben sehen, von denen sie ursprünglich gedraftet wurden. Das ist wichtig für die Liga und die respektiven Bundesstaaten. Also ich wünsche mir dass er bleibt."

Earvin 'Magic' Johnson (5 Titel) war schon immer der Meinung, dass es im Sport eher darum gehen sollte, die Besten der Besten zu schlagen, als mit ihnen zusammen zu spielen. "Wir haben nie an so eine Entscheidung gedacht, wie sie Wade, James und Bosh nun getroffen haben. Uns ging es um etwas völlig anderes. Seitdem ich aufs College kam, ging es mir nur darum, Larry (Bird) zu schlagen. Das ist immer so geblieben."

Auch der grösste Basketballspieler aller Zeiten, Michael Jordan (6 Titel), hatte für die Entscheidung von James (des zweitbesten Spielers der Liga) nur Hohn und Spott übrig. Nachdem er noch vor Wochen lediglich angewidert mit dem Kopf geschüttelt hatte, brach Seine Lufthoheit nun sein Schweigen: "Nie im Leben wäre ich auf die Idee gekommen, Larry (Bird) und Magic (Johnson) anzurufen und zu sagen 'Hey, lasst uns zusammen in einer Mannschaft spielen.' Ich wollte diese Jungs lieber besiegen."


"He’ll never be Jordan. This clearly takes him out of the conversation. He can win as much as he wants to now. There would have been something honorable about staying in Cleveland and trying to win it as the man..."


Keiner der alten Haudegen zeigte sich enttäuschter als der stets unterhaltsame und redselige Charles Barkley (0 Titel, 23801 Crispy Cream Donuts). Die Art und Weise, wie Lebron sein altes Team im Stich liess ("Ich fand das Special total daneben. Er hätte den Cavs vorher Bescheid sagen müssen. Diese ganze Farce war schon lange geplant und absolut egozentrisch. Ziemlich verstörend alles..."), war nur ein Kritikpunkt von Sir Charles. "Wenn du der zweifache MVP bist, gehst du nirgendwo hin. Das ist lächerlich. Die anderen kommen zu dir. Ich glaube nicht dass es in der Geschichte aller Sportarten jemals eine Situation gegeben hat, wo der amtierende MVP seine Mannschaft verlässt, um mit anderen Jungs zusammen spielen zu gehen." Und weiter: "James wird niemals Jordan das Wasser reichen können. Er hat ab sofort in der Konversation nichts mehr zu suchen, egal wie viele Titel er gewinnt. Egal wie oft er jetzt in Miami gewinnt, das ist und bleibt Wade's Mannschaft. Kobe Bryant hat vor Jahren erkannt, dass er mindestens einen Titel ohne Shaq gewinnen muss, um sein Vermächtnis zu zementieren. Und genauso funktioniert das Ganze. Hätte Lebron in Cleveland auch nur eine einzige Meisterschaft geholt, es wäre zehn Mal mehr Wert gewesen, historisch und in Gänze betrachtet."

Zum Schluss äusserte sich der Chuckster noch zum neuen Superteam in Miami und verurteilte potentielle Nachahmer in den nächsten Jahren: "So ein Zusammenschluss beweist ganz klar, dass die Kids von heute dem Druck nicht mehr gewachsen sind. Ich habe nie einen Titel geholt, damit muss ich mich abfinden. Aber ich habe mir immer den Arsch aufgerissen genau für dieses eine Ziel. Karl Malone, Patrick Ewing ebenso. Ich wollte mich mit 25 (Jahren) immer messen mit diesen Spielern. Einem Titel auf diese Art nachzujagen ist mit 35, 36 in Ordnung. Aber nicht mit 25."

Da habt ihr's also, live und direkt aus den Mäulern einiger der besten Spieler aller Zeiten.

Ich werde in letzter Zeit immer wieder gefragt: "Wo lag jetzt eigentlich das Problem, dass Lebron sich für die Heat entschieden hat und nun mit Wade in Miami zusammen spielt ?" Meine Antwort: es gibt kein Problem. Ich erkenne an, dass es diesen Spielern in aller erster Linie ums Gewinnen geht (und um Spass), ergo diese Entscheidung. Gewinnen ist ein integraler Bestandteil der Sportlandschaft im Allgemeinen und der National Basketball Association im Speziellen. Wer sich aber für den generationenübergreifenden Diskurs interessiert, für ewige Bestmarken, Legenden, historische Vermächtnisse und den Dialog um die Besten der Besten, der wird schon längst erkannt haben, dass man 'Queen James' in Zukunft aus solchen Diskussionen heraus halten muss. Der Unterschied zwischen den All-Time Greats (Jordan, Bird, Magic) und Mitläufern wie James war nämlich nie deutlicher...