08 Juli 2010


Das Erdbeben, das man heute Nacht vernahm, das war Lebron James' engültige Entscheidung, und die NBA-Landplatten, die sich dadurch unwiederbringlich verschoben haben. James spielt künftig für die Miami Heat. Über die Art und Weise, wie dieses ganze Free-Agent Spektakel und das gesamte Arrangement gehandhabt wurde, habe ich an anderer Stelle bereits berichtet. Obwohl ich mit dem Wie in keinster Weise übereinstimme, können die Implikationen von James' Wechsel nach South Beach für die künftigen Kraftverhältnisse in der Liga nicht von der Hand gewiesen werden. Die Abmachung, die Wade, Bosh und James schon 2006 insgeheim getroffen hatten, ist seit heute also Realität. Drei All-Stars in einem Team, allesamt unter 30 - damit wird aus den Miami Heat über Nacht eine Dynastie, die in den nächsten Jahren ganz sicher um NBA-Meisterschaften mitspielen wird. Zwar nicht nächste Saison, denn dafür ist das Team noch viel zu sehr Baustelle - spätestens dann aber 2011/12, wenn via Trades und Free Agency weitere Puzzleteile um die dreiköpfige Hydra herum angesammelt wurden. Miami und vor allem Pat Riley sind der grosse Gewinner dieser Offseason. Die drei besten und wichtigsten Free Agents, die allesamt von allen 30 Teams gejagt wurden, stellten am Ende des Tages das HEAT-Team und die Aussicht auf Titel vor individuelle Auszeichnungen und finanziellen Mehrwert. Alle drei Dream-Teamer verzichten in Miami auf Geld, das ihnen bei einer anderen Mannschaft garantiert gewesen wäre - nur so sind die Heat in der Lage, ihr Wunschtrio unter den aktuellen Salary Cap Bedingungen zu realisieren.

Einer von Miami's ärgsten Rivalen im Kampf um die Krone in der Eastern Conference, die Boston Celtics, hatten freilich nie auch nur den Hauch einer Chance auf einen der grossen 3. Damit kann man in Beantown aber gut leben, schließlich spielen hier die 'Original Big 3', das Vorbild wohl aller zukünftigen Superstartrios. Die Celtics werden auch nächste Saison mit dem gleichen Team angreifen, denn Ray Allen verlängert heute seinen Vertrag für weitere 2 Jahre und insgesamt 20 Millionen $. Zusätzlich sichern sich die C's die Dienste von Free Agent Center Jermaine O'Neal, der für knapp 12 Mio/2 Jahre (Boston's volle Mid-Level Exception) nach Beantown kommt. Alles in allem zwei gute Deals für Boston: Allen zählt trotz seiner 34 Jahren zu den fittesten und am besten vorbereiteten Spielern der Liga und ist insgeheim der Klebstoff, der dieses Team zusammen hält. O'Neal gehört zu den besseren Verteidigern auf seiner Position und ist im schlimmsten Fall eine solide BigMan-Verstärkung von der Bank.

Der unangefochten beste etatmässige Center in diesem Free-Agent Jahrgang, Brendan Haywood, re-uppt mit seinem alten Team, den Dallas Mavericks, für 6 Jahre (!) und umgerechnet 55 Millionen. Weniger die Verlängerung an sich, als die extrem lange Laufzeit für den bereits 31-jährigen Pivot erscheint dabei fragwürdig. Haywood, der Karrierewerte von 7.7 Punkten, 6.4 Rebounds und 1.5 Blocks aufweist, ist ein solider Spieler und guter Verteidiger. Man kann jedoch getrost davon ausgehen, dass er sich nicht mehr signifikant verbessern wird, wenngleich ein knappes Double-Double dennoch erwartet werden kann und von den Dallas-Verwantwortlichen sicherlich auch wird. Im Endeffekt tauscht Dallas Erick Dampier aus gegen einen jüngeren, effektiveren Haywood. Wieso man den Center aber bis über seinen 37. Geburtstag hinaus bindet, bleibt ein Rätsel.

Die Toronto Raptors und ihr Manager Bryan Colangelo basteln emsig weiter an ihrer Vision von einem wahrlich internationalen Team - wenngleich das Modell inzwischen recht europäische Züge angenommen hat und wohl bald in die 'Toronto Euros' umbenannt werden muss. Linas Kleiza erhält ein Qualifying Offer im Wert von 19 Mio $ für 4 Jahre. Denver, Kleiza's altes Team, das immer noch die Rechte am litauischen Forward hält, hat ab heute eine Woche Zeit, um das Angebot der Raptors zu überbieten - was wohl nicht passieren wird.

Die New York Knicks, die heute von Lebron als eines von vielen Teams eine Abfuhr kassierten, handeln recht zügig und verschicken David Lee in einem Sign & Trade nach Golden State zu den Warriors. Lee wird 80 Millionen Dollar in 6 Jahren verdienen. New York erhält im Tausch Anthony Randolph (den GM Donnie Walsh schon seit seiner Ankunft in New York zu verpflichten versucht hatte), Ronny Turiaf und Kelenna Azubuike - drei Spieler, die in Coach Mike D'Antoni's Plänen durchaus eine Rolle spielen werden. Allen voran Randolph gilt als grosses Talent und soll zwischen Amare Stoudemire und Danilo Gallinari die Knickerbockers glorreicheren Zeiten entgegen führen. Mit dem Trade von Lee sind alle grossen und nicht ganz so grossen FA-Namen des Sommers offiziell vom Tisch.

New Jersey angelt sich Free Agent Forward Travis Outlaw, der letzte Saison noch in Portland und bei den LA Clippers unter Vertrag stand. Der lange Flügelspieler, der 2003 direkt von der High School in die NBA wechselte, bringt es in seiner Profikarriere bisher auf 9.5 Punkte und 3.4 Rebounds. Er soll perfekt ins von Avery Johnson anvisierte Spielsystem passen. Dennoch wird man bei dieser Verpflichtung das Gefühl nicht los, dass die Nets irgendwie ihre 30 Millionen an Cap-Platz zu verpulvern versuchen, nachdem keiner der Wunschkandidaten Lebron-Wade-Bosh-Boozer-Gay sich in den Sumpf verirren wollte. Die Nets könnten zum grossen Verlierer des Sommers werden. Die allerletzten Fallback-Optionen lauten nun Tyrus Thomas und Luis Scola - beides Restricted Free Agents, die von ihren Teams Charlotte respektive Houston wohl um jeden Preis gehalten werden - es sei denn, Prokhorov haut einen Max-Vertrag für einen von denen raus, was mich nicht einmal sonderlich überraschen würde.

Die LA Clippers verpflichten Randy Foye und Ryan Gomes, um ihre Ersatzbank zu verstärken. Foye, ein Kombo-Guard, brachte es letztes Jahr bei den Washington Wizards auf 10.1 Pts und 3.3 Ast im Schnitt. Gomes, ehemals von den Minnesota Timberwolves, erzielte 10.9 Pts und 4.6 Rebs pro Spiel. Er wurde während des Drafts nach Portland getradet, das ihn kurz darauf aus dem Kader strich. Nur die Clippers könnten jemals auf die glorreiche Idee kommen, zwei ehemalige Timberwolves auf einmal zu verpflichten.

Die letzte Nachricht des Tages gehört dem Gewinner des Tages, der Woche, ja der nächsten Jahre - und David Kahn. Miami wird die knapp 5 Millionen Gehalt, die Michael Beasley nächste Saison zustünden, doch noch irgendwie los, denn Kahn erklärt sich bereit, den Vertrag des ehemaligen Nummer 2 Picks zu absorbieren. Im Gegensatz erhalten Pat Riley und die Heat einen künftigen Erstrundenpick aus Minnesota - der in den nächsten knapp 34 Jahren mit Sicherheit irgendwo unter den ersten Fünf Picks angesiedelt sein wird, sowie einen weiteren Zweitrundenpick. Kein Manager in der gesamten Liga war bereit gewesen, Beasley's Kontrakt anzunehmen, obwohl der schon seit Februar zu Schleuderpreisen auf dem Markt angeboten wurde. Für Miami ist der Move gold wert, denn so steigen die Chancen der Heat, den ein oder anderen kompetenten Free Agent zusätzlich nach Florida zu locken. Beasley hingegen könnte in Minneapolis endlich seine bisher enttäuschende Karriere revitalisieren - oder aber komplett durch drehen und Kahn mit seinen rausgerupften Cornrows strangulieren.