24 Juli 2010


Fünftbester Scorer aller Zeiten (28255 Punkte). Zweitbester all-time bei der Trefferquote (.581%). 15 mal All-Star. 3 Final-MVPs und 4 NBA-Titel. Und immer noch kein Job für die kommende Saison, nach jetzt schon 23 Tagen Free Agency. Während tölpige Lulatsche wie Aaron Gray, Johan Petro oder Tony Battie allesamt neue Verträge erhielten, wartet Shaquille O'Neal immer noch auf ein Angebot. Problem bleibt nach wie vor: kein Team interessiert's !

Den Schuh (Größe 57) muss sich Shaq selbst anziehen. Obwohl schon 38 Jahre alt und nur noch eine Fragmentansammlung seines früheren, jüngeren, dominanteren Selbst, hat 'The Big Aristotle' ganz klare Vorstellungen von seinem nächsten und letzten Vertrag: 2 Jahre, 8 Millionen US-Dollar. Ausschließlich bei einem Meisterschaftsanwärter. Für weniger kann er sich (bisher) nicht erwärmen. Bei diesen völlig überzogenen Dimensionen (4 Mio. pro Jahr) lehnte ein Team nach dem anderen dankend ab.

Die Dallas Mavericks waren stark an 'The Big Cactus' interessiert, sahen sich aber angesichts dessen Gehaltsvorstellungen gezwungen, anderweitig tätig zu werden. Cuban verlängerte Brendan Haywood, tradete für Tyson Chandler und holte Free Agent Ian Mahinmi.

Atlanta schien noch letzte Woche favorisiert. Auch hier hätte man liebend gerne 'The Diesel' geholt, um ihn an die Seite von Al Horford und Josh Smith zu stellen - ein imposanter Frontcourt. Auch hier schreckte der Preis ab. ATL verpflichtete Josh Powell für einen Bruchteil dessen.

Cleveland, O'Neal's bisheriger Arbeitgeber, hat nach dem Abgang von Lebron James keine Chancen auf einen NBA-Titel und für einen in die Jahre gekommenen Brummer wie Shaq keine Verwendung mehr.

Vielleicht ja eine der früheren Franchises von 'The Big Dominator' ? Sowohl Miami, Orlando, als auch die LA Lakers zählen zum engsten Favoritenkreis in der kommenden Saison. Dummerweise brannte O'Neal nach seinen Abgängen dort sämtliche Brücken ab und hat kaum noch Freunde in den respektiven Organisationen. Sein häufiges Gespött für Dwight Howard und offene Konfrontation mit Coach Stan van Gundy (man beachte dabei den Shaq-Bart-Schweiß-Wasserfall bei ca. 2:20) schliesst eine Rückkehr zu den Magic kategorisch aus. Ebenso zu den Lakers, wo er sich sowohl mit Kobe Bryant als auch mit dem Besitzer Jerry Buss komplett überworfen hatte, bevor man ihn 2004 nach Miami tradete. Und Buss stellt bekanntlich die Shaqs aus (Wortspiel). Auch in Miami legte sich O'Neal mit dem damaligen Coach und Manager Pat Riley an - und trat auch Jahre später noch verbal hinterher. Kein Wunder, dass man in Florida lieber so Türstopper wie Zydrunas Ilgauskas und Joel Anthony ins Team holte. Auch Chris Bosh (Zitat Shaq: "...the RuPaul of Big Men") dürfte darüber erleichtert sein.

Einzig und allein die Boston Celtics bleiben noch übrig als Contender, der von einem Shaq-Signing eventuell profitieren könnte. Zwar haben die C's seit einigen Wochen schon einen anderen O'Neal (Jermaine) im Kader, durch den verletzungsbedingten Ausfall von Kendrick Perkins (der wohl frühestens im Januar wieder fit ist) und den Rücktritt von Rasheed Wallace bleibt die Center-Position in Beantown aber etwas verwaist. Boston wird also mit Sicherheit noch mindestens einen Frontcourt-Spieler verpflichten. Shaq hat in den letzten Tagen mehrfach die Werbetrommel für eine 'Boston-Shaquille O'Neal' Kooperation gerührt. Und obwohl sich die Celtics noch während der Summer League vehement gegen ein Shaq-Signing sträubten, könnten die Entwicklungen der letzten Woche das Eis etwas aufgebrochen haben. 'Kazaam' hat in den letzten Jahren bewiesen, dass er bereitwillig die Rolle der zweiten, dritten oder neunten Geige zu akzeptieren bereit ist.

Arrangiert sich O'Neal letzten Endes doch mit einem Vertrag im Veteran-Minimum Bereich (1.35 Mio $), dann könnte sein grosser Traum, einmal im Leben 'The Big Leprechaun' zu sein und noch ein oder zwei Jahre um den Titel mitzuspielen, in Erfüllung gehen.