27 Juli 2010



Friede, Freude, Eierkuchen nach dem gestrigen Meeting zwischen Hornets PG Chris Paul und den Verantwortlichen in New Orleans ? Wer's glaubt wird selig. Das Meeting sei "gut und produktiv" gewesen, so das offizielle Statement, sowohl von Paul als auch von Dell Demps, dem neuen Hornets-Manager. Man habe zum ersten Mal zusammen gesessen, Ideen ausgetauscht und sich kennen gelernt. Man wollte gewinnen. Paul sei selbstredend weiterhin ein Mitglied der Hornissen und man werde akribisch daran arbeiten, das Team zu verbessern. Und Peja Stojakovic werde im Übrigen nächstes Jahr beim Dunking Contest mitmachen.

Soviel zum offiziellen Teil. Die Unterhaltung mit Paul und die anschließende Pressekonferenz dienten nur einem Zweck: den Non-stop Gerüchten der letzten Tage und Wochen einen Riegel vorzuschieben und für ein bisschen Ruhe hinter den Hornets-Kulissen zu sorgen. Das dürfte nun dank eines diplomatischen Twitter-Statements von Paul selbst und den Aussagen des Managements vor versammelter Reporter-Riege gelungen sein. Mission also zunächst erreicht für New Orleans. Nach aussen hin ist das Bild der harmonischen Einheit gewahrt, die PR-Masche hat mal wieder funktioniert. Einer der Hauptgründe für das neu gezeichnete Bild liegt auf der Hand: man will das Image des Clubs wahren sowie die eigene Position in Tradegesprächen bestärken. Ein Spieler, der unbedingt weg will, ist nie eine gute Verhandlungsbasis.

Mit der erwirkten Zeit und Muße können die Herren im feinen Zwirn in den nächsten Wochen und Monaten nun in aller Ruhe das beste Tradeangebot sondieren, um CP3 letztendlich doch abzustossen. Denn absolut gar nichts hat sich geändert an dessen Widerwillen, seine besten Jahre an einen Club zu verschwenden, der nicht gewillt ist, das nötige Geld für einen kompetenten Kader hinzublättern. Es gibt nur ein Szenario, unter welchem Paul doch in New Orleans bleibt, und das ist in etwa genauso unrealistisch, wie David Kahn als GM des Jahres: der Besitzer zückt den Geldbeutel, alle überbezahlten Spieler (Stojakovic, Posey) sind binnen eines Jahres in einer anderen Stadt, mindestens ein absoluter Topstar wird nach NO geholt, und das Team schiesst auf magische Art und Weise unter die Top4 in der Western Conference. Mit anderen Worten: nie im Leben.

Während der Pressekonferenz konnte Dell Demps keine Details aus dem Gespräch mit seinem Point Guard offen legen. Paul's Agent Leon Rose konnte nicht bestätigen, dass sein Klient in New Orleans "glücklich sei". Auch hätte die Unterhaltung nichts an der Situation geändert. Paul hat zwar öffentlich keinen Trade eingefordert. Das darf er aber auch nicht unter geltenden NBA-Statuten, ohne eine empfindliche Geldstrafe zu kassieren. Des weiteren ist Paul's Naturell eher ein familiäres, harmonieliebendes. Sich öffentlich das Maul zu zerreissen, passt nicht zu seiner Persönlichkeit. Die Angelegenheit legt er also lieber in die Hände seiner Marketing-Firma CAA. Die hatte auch das Lebron-Wade-Bosh Spektakel erfolgreich inszeniert und umgesetzt. Paul hat mit den Hornets Stillschweigen in der gestrigen Angelegenheit vereinbart. Über die vorgestanzten Pressemeldungen hinaus wird es also keine weiteren Statements geben - auch das absolutes Standard-Procedere in der NBA und ein Indiz dafür, das etwas faul ist im Staate Louisiana.

Die meisten Beobachter sind sich sicher, dass New Orleans nicht mit einem grantigen Chris Paul in die neue Saison starten will. Die guten Free Agents sind allesamt weg, man verfügt kaum über sogenannte 'assets' für eventuelle Trades. Lediglich die auslaufenden Deals von Stojakovic und Songaila könnten etwas abwerfen. Mit anderen Worten: wenn das Team nicht über Nacht seinen Kurs geändert und Paul am gestrigen Tag von einer völlig neuen Richtung und Philosophie überzeugt hat, dann hat sich - zumindest hinter dem Bühnenvorhang - absolut nichts geändert.

Nachtrag: aus verschiedenen Medien war gestern zu vernehmen, dass New Orleans nach seinem teaminternen Meeting Tradeverhandlungen mit Charlotte und New Jersey aufgenommen hat. Auch die New York Knicks sind weiterhin stark interessiert und wären bereit, neben Paul auch den Monster-Vertrag von Emeka Okafor (4 Jahre, 52 Mio $) zu absorbieren.