07 Juni 2010


Für Boston hätte Spiel 2 nicht besser enden können: 103-94 Auswärtssieg, Serie egalisiert und als nächstes drei Heimspiele in Beantown (das erste heute Nacht), wo man die Angelegenheit dank einer extra Portion Selbstvertrauen (als hätte man das nötig) beenden und den insgesamt 18. Titel klar machen will. Eine Zeit lang mussten Celtics-Fans zittern, denn ihr Team hatte einen 14-Punkte Vorsprung in der ersten Hälfte komplett aus der Hand gegeben. LA kam durch einen 8-0 Lauf vor der Pause bis auf 5 heran und ging in den ersten paar Minuten des dritten Durchgangs sogar in Führung. Viele Anhänger der Grünen befürchteten Schlimmes, denn ausser Ray Allen's Videospiel-Dreier-Wurf (7 in der ersten Hälfte, 8 insgesamt - neuer Finals-Rekord) passte bei ihrem Team offensiv nicht viel zusammen. Paul Pierce war bei Artest komplett abgemeldet (2 von 11 aus dem Feld), Kevin Garnett mal wieder abwesend oder mit Foulproblemen auf der Bank. Ebenso Rasheed Wallace und Kendrick Perkins, während Rajon Rondo zu jenem Zeitpunkt noch feststellen wollte, bei wievielen Wurfversuchen in Folge man geblockt werden kann. Umso erstaunlicher, dass Boston trotzdem irgendwie im Spiel blieb im dritten Viertel. Nachdem die Kobolde dem flauen Lakers-Lüftchen getrotzt hatten (24-18 LA im Dritten), übernahm Rondo im Schlussabschnitt das Kommando. Der Jungspund hatte mehrere Schlüsselszenen in der Defensive (der Block gegen Fisher, zwei Steals gegen Bryant, das 5. Foul gegen Bryant). Vorne durfte Rondo Korbleger in der Lakers-Zone üben. Sein Ellbogen-Jumper kurz vor Schluss war dann die Vorentscheidung. Insgesamt hatte Boston das letzte Viertel mit 31-22 dominiert - genau die 9-Punkte Differenz im Endergebnis.

Mehrere Faktoren hatten letztendlich den Unterschied zu Spiel 1 ausgemacht:

1. Ray Allen: verbrachte Spiel 1 zu grossen Teilen mit Foulproblemen auf der Bank, bevor er seine ganze Wut in Spiel 2 entfesselte. Allen versenkte 7 seiner ersten 7 Wurfversuche von jenseits der Dreier-Linie und egalisierte schon zur Halbzeit den alten NBA-Rekord für die meisten Bomben in einem Finalspiel. Er war so heiss, dass sich ABC-Kommentator Mike Breen irgendwann selbst auf die Nerven ging beim Ausrufen der Worte 'Baam ! Another Three."

Spiel 1: 27 mins, 12 Punkte, 3-8 FG (0-2 3-PT FG)

Spiel 2: 44 mins, 32 Punkte, 11-20 FG (8-11 3-PT FG)

2. Rajon Rondo/Passspiel: obwohl Ray Allen der Mann des Tages war und sein eiskaltes Team in der ersten Halbzeit im Alleingang im Spiel hielt, darf Rondo's Ausnahmespiel nicht vergessen werden. Was Allen in Durchgang 1, war Rondo im letzten Viertel: eine One-Man Offensivturbine, von der die ganze Mannschaft letztendlich profitierte. Rondo erzielte ein Triple-Double, sein zweites in diesen Playoffs, mit 19 Punkten, 12 Rebounds und 10 Assists. Zwar gab der Point Guard nur zwei Vorlagen mehr als in Spiel 1, demonstrierte jedoch die Führungsqualität, die ihn zu einem der besten Spielgestalter der Liga hat werden lassen. Das gesamte Team liess den Ball übrigens gut laufen, sehr zur Freude von Assist-Fetischist Doc Rivers. Garnett hatte 6 Assists, Pierce 4. Insgesamt kam Boston auf 28 bei 36 Treffern aus dem Feld. Starker Team-Basketball !

3. Defense/Rebounds: was in Spiel 1 monumental schlecht lief, wurde in dieser Partie deutlich besser. Boston griff mehr Rebounds ab (44 zu 39), nachdem man am Donnerstag noch 31-42 unter den Brettern verloren hatte. Rasheed Wallace und Glen Davis waren bärenstark mit jeweils 7 (Davis 5 offensiv). Zudem hielt man die Lakers bei läppischen 40 Prozent aus dem Feld.

4. Lakers-Implosion: das Heimteam verfiel im dritten Viertel in alte Verhaltensmuster, nahm den Fuss vom Gas, nachdem man in nur wenigen Minuten einen 14-Punkte Rückstand in einen 5-Punkte Vorsprung verwandelt hatte. Anstatt zu ziehen, wurde gedribbelt. Artest, Farmar und Brown überboten sich gegenseitig in schlechter Wurfauswahl und katastrophalen Entscheidungen mit dem Ball, während Kobe auf der Bank schmorte und Pau Gasol in die passive 2008er Form zurück fiel. Die Offensive stagnierte minutenlang in der Crunch-Time, der Ball fiel nicht in den Ring. Die Celtics nutzten die Gunst der Stunde. Ohne überragend gespielt zu haben, packte der Ex-Champ die Gegelenheit beim Schopf und zeigte, ganz im Stile eines Meisterschaftanwärters, dass man sich solche Spiele einfach greifen muss, wenn der Gegner taumelt.