21 Juni 2010


Während die Lakers und Celtics noch um die absolute NBA-Vorherrschaft kämpften, brachten die Sacramento Kings und die Philadelphia 76ers den ersten Deal einer sicherlich extrem geschäftigen Offseason unter Dach und Fach. Samuel Dalembert wechselt im Tausch für Andres Nocioni und Spencer Hawes in die kalifornische Hauptstadt. Der Deal ist weniger sportlicher denn wirtschaftlicher Natur und demonstriert eindrucksvoll, wie in der heutigen Zeit gewisse Lang- und Kurzzeitverträge in NBA-Chefetagen bewertet werden.

Alle drei Akteure sind solide NBA-Spieler. Samuel Dalembert ist noch der effektivste von ihnen: einer der besten Shotblocker (1.8 pro Spiel, Rang 5) und Rebounder der Liga (9.6 pro Spiel, Rang 7). Im irregulären Goaltenden ist der gebürtige Haitianer schon seit Jahren der Allerbeste, was seine Undiszipliniertheit eindrucksvoll wiederspiegelt, die ihm bisher oft im Weg stand. Dalembert ist der prototypische Coach-Frustrierer, der gerne mit seinem Talent frotzelt, aber letztendlich zu unkonstant agiert, um sich auf ihn verlassen zu können. Andres Nocioni gils als solider Verteidiger auf der 3, der ausserdem recht effektiv Dreier aus den Ecken versenken kann. Von vorne sinkt seine Trefferquote aber abrupt ins Bodenlose. Zudem ist Nocioni ungemein untalentiert im Ziehen von Offensivfouls, was auch seinen Coaches immer wieder die Zornesröte ins Gesicht treibt. Spencer Hawes ist erst 22 Jahre alt und hat das meiste Potential in dieser Gruppe, konnte dieses aber viel zu selten abrufen. Im Idealfall ist Spence ein spielfroher und passgenauer Fünfer mit Three-Point Range.

Den 76ers ging es wohl in erster Linie darum, einen grossen Vertrag loszuwerden und das Team umzubauen. Mit Dalembert plant der neue Coach Doug Collins anscheinend eh nicht. Da man ohnehin schon im Luxury Tax Territorium agiert - ein Land, das man aufgrund massiver finanzieller Verpflichtungen an Elton Brand und Andre Iguodala so schnell nicht wieder verlassen wird - konnte man also ruhigen Gewissens Nocioni's 7.5 Mio $ Jahressalär übernehmen. Hawes' knapp 2.5 Mio nehmen sich dagegen sehr günstig aus. Sportlich gewinnt der Traditionsverein sicherlich an Tiefe hinzu. Hawes dürfte dank seiner erst 22 Jahren auch langfristig interessant sein. Er wird sicherlich viel Spielzeit generieren in einer mit Brand und Mareese Speights jetzt doch sehr dünnen Big-Man Rotation. Hawes könnte in einer Mannschaft ohne wirkliche Distanzschützen (sieht man einmal von Kapono ab) zu einer interessanten Offensivoption heran reifen. Ob Nocioni viel spielen wird, ist noch unklar, denn mit Iguodala, Jason Kapono, Thaddeus Young und Willie Green verfügen die Sixers bereits jetzt über vier Akteure auf der 2/3 Position - der potentielle 2. Pick im diesjährigen NBA-Draft, Evan Turner, gar nicht mit eingerechnet. Vielleicht wird Noce ja gleich weiter verschifft, wer weiss.

Die Kings verschiffen de facto einen länger laufenden Vertrag eines Spielers, der ohnehin nicht mehr für das Team auflaufen wollte (Nocioni) für einen kürzeren, aber teureren Deal. Im Klartext heisst das: Dalembert's knapp 12 Mio. $ laufen nach dieser Saison aus, das Team kann also in aller Ruhe den neuen Center im Zusammenspiel mit den aktuellen Franchise-Spielern (Evans, Landry, Thompson) testen und dann nach der Saison entscheiden, ob Dalembert längerfristig gebunden werden soll. Rein sportlich betrachtet ist der Deal für die Kings gold wert. Der 7-Jahre Veteran bringt eine völlig neue Dimension nach Sacramento, das jetzt einen Top-Rebounder und eine echte defensive Zonenpatrouille aufbieten kann. Dalembert braucht den Ball nicht, um effektiv zu sein, wodurch er perfekt mit Thompson oder Landry kompatibel ist. Auch der Verlust von Hawes wiegt m.A.n. nicht so schwer: mit dem 5. Pick im Draft ziehen die Kings entweder DeMarcus Cousins oder aber Greg Monroe, womit der Frontcourt des jungen Teams über Nacht noch imposanter wird. Sowohl in finanzieller wie auch in sportlicher Hinsicht macht der Trade für die Kings mehr Sinn.


nbachef meint: Vorteil Sacramento