27 Juni 2010



Ein paar Tage sind jetzt vergangen seit dem NBA-Draft. Zeit, die Picks einzelner Teams einmal in Gänze Revue passieren zu lassen, obwohl eine vollständige und engültige Analyse erst in, oh, so etwa 10 bis 15 Jahren getätigt werden kann.

Die Winner
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Zu den Gewinnern gehören ganz klar die Sacramento Kings, die sich neben
DeMarcus Cousins noch Hassan Whiteside in der zweiten Runde sichern konnten. Cousins gehört talentmässig zur Creme de la Creme in diesem Draft, von den Fähigkeiten her vielleicht sogar zu den Top3. Mit ihm und Tyreke Evans haben die Kings jetzt eine vorzügliche Inside-Outside Combo, um die herum sich in den nächsten Jahren wieder ein Playoff-Team basteln lässt. Auch wenn Cousins in der ersten Saison, bedingt durch die plötzliche Frontcourt-Tiefe der Kings (Dalembert, Landry, Thompson) keine 40 Minuten Spielzeit erhalten wird - die Skills sind bei ihm im Übermass vorhanden. Auch Whiteside hat gute Fähigkeiten, sowohl als Scorer, als auch in der Defensive als Shotblocker. An Nr. 33 ist er ein exzellenter Upside-Pick für die Kings, der in der D-League erstmal Erfahrung sammeln und in der Zukunft zu einem wichtigen Bestandteil der Mannschaft werden wird.

New Jersey konnte gleich zwei Spieler in der ersten Runde ergattern: Derrick Favors, ein Super-Athlet, der dank seiner erst 18 Jahre mehr Luft nach oben hat als alle anderen Spieler im diesjährigen Draft. Wer die Highlights in meinem Draft Profil gesehen hat, weiss wovon ich rede: extrem lang, unendlich viel Sprungkraft, und ein Flow in seinem Spiel, der auf eine natürliche Veranlagung a la Shawn Kemp erinnert. Favors wird auf Anhieb viel Spielzeit in New Jersey erhalten und vor allem in der Defensive mit seiner Länge und Sprungkraft helfen können. Mit Favors und Brook Lopez haben die Nets nun ein imposantes Frontcourt-Duo für die Zukunft. Der zweite Pick, Damion James (24), ist die Sorte All-Around-Spieler, bei dem zwar kein bestimmter Aspekt besonders hervorsticht, der aber in vielen Facetten des Spiels bewandert und dank seiner exzellenten Defensivarbeit auf drei Positionen einsetzbar ist. James wird kein Star, dafür aber ein solider mannschaftsdienlicher Profi auf viele Jahre hin.

Die Los Angeles Clippers draften einmal mehr exzellent und positionieren sich so für eine rosige Zukunft. Nach Eric Gordon, DeAndre Jordan und Blake Griffin in den letzten beiden Jahren fallen diesmal Al-Farouq Aminu, Eric Bledsoe und Willie Warren an die Clips ab. Aminu hat das Zeug zum Star dank seiner Länge und Athletik, gepaart mit seinem Spielfluss und harten Einsatz. Offensiv muss der SF zwar noch zulegen (Stichwort: Jumpshot), aber bei den Clippers wird eines sicherlich nicht von ihm verlangt werden: Punkte erzielen. Das Team verfügt mit Griffin, Kaman, Davis und Gordon schon über vier exzellente Scorer, so dass Aminu all die kleinen Dinge auf dem Court erledigen kann, die sonst so anfallen - Verteidigen, Rebounden, Arsch aufreissen. Bledsoe wurde an 18 von Oklahoma City gepickt, und dann nach LA weiter verschifft. Der gelernte Aufbauspieler, der in Kentucky wegen John Wall auf die Zwei ausweichen mussten, wird im Schatten von Baron Davis an seinem Guard-Spiel arbeiten können. Das trifft sich gut, denn die zwei sind sich von der Spielweise her sehr ähnlich. Der dritte im Bunde, Willie Warren, wurde vor der Saison noch als möglicher Top10-Pick gehandelt, erwischte dann aber eines dieser Jahre, die man am liebsten vergessen möchte. Verletzungspech, schlechtes Team, Probleme mit dem Coach, Ärger mit dem Gesetz: schlechter hätte es für Warren echt nicht kommen können. So fiel der Kombo-Guard ab bis auf Platz 54, wo er für die Clippers aber ein echter Segen sein könnte. Der ehemalige Mannschaftskollege von Blake Griffin in Oklahoma gehört talentmässig zu den besten 15 Spielern im Draft. Entdeckt er seine Form von 2008 wieder, haben die Clippers den Steal des Drafts gemacht.

Stichwort Steal: keiner hat das mit dem Klauen während des Drafts mehr drauf als Sam Presti, Manager der Oklahoma City Thunder. In den letzten Jahren hat Presti den Draft in seinen ganz persönlichen Backstage-Anschauungsunterricht in Sachen Team-Pimping verwandelt und so die Thunder zum
besten jungen Team der Liga gemacht. Wie kein zweiter versteht es Presti, mit Hilfe von Draft Picks nach oben und unten zu handeln und so immer den Spieler seiner Wahl an Land zu ziehen. OKC's Bedarf lag in diesem Jahr bei einem Center, der vorne und hinten Platz in der Zone weg nimmt, Würfe blocken und rebounden kann und gelegentlich im Low-Post offensiv zu Werke geht. Presti tauschte den 21. und 26. Pick in Kansas-Center Cole Aldrich um und bekam seinen Mann. Dadurch kann Serge Ibaka auf seine angestammte Power Forward Position rücken, Collison und Krstic sind in der zweiten Garde besser aufgehoben. Urplötzlich muss man auch den Thunder-Frontcourt ernst nehmen. Als Aldrich-Ersatz holte Presti noch den Deutschen Tibor Pleiss, den er in Europa noch ein paar Jährchen ranklotzen lassen wird, bis der NBA-Niveau erreicht. Latavious Williams ist ein extrem athletischer Spieler, den schon aufgrund seiner körperlichen Voraussetzungen an 48 ein gutes Gamble ist. Zusätzlich sicherten sich die Thunder noch einen künftigen Erstrundenpick - und in der Gesamtbewertung eine 1 mit Sternchen.


Die Loser
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Die Golden State Warriors schossen den wohl ersichtlichsten Bock an Nummer 6 mit der Auswahl von Ekpe Udoh, der für sein Skillset viel zu hoch gezogen wurde. Ich mag Udoh, ich denke, der gute Rebounder und Verteidiger hätte bei einem anderen Team mit etablierteren Optionen mit sofortiger Wirkung einen guten Beitrag leisten können. Die Warriors aber sind für den jetzt schon 23-jährigen die denkbar ungünstigste Adresse. Udoh ist im Endeffekt eine ältere, weniger talentierte Version von Brandan Wright. Gemeinsam mit Anthony Randolph streiten sich nun drei junge Power Forwards um den Startplatz, während auf Center und Small Forward riesige Lücken klaffen. Farouq-Aminu, Greg Monroe oder Paul George wären weitaus bessere Picks gewesen.

Minnesota ging mit insgesamt 5 Picks in den diesjährigen Draft, darunter drei in der ersten Runde. Wesley Johnson an 4 war ja noch in Ordnung, aber insgesamt ist die Ausbeute von Manager David Kahn (wie schon letztes Jahr) ziemlich erbärmlich. Vor allem der 16. Pick (Luke Babbitt), den Minnesota zusammen mit Ryan Gomes nach Portland schickte im Tausch für Martell Webster, hätte weitaus mehr abwerfen müssen, zumal sich eine Handvoll Teams nach diesem Pick die Hände leckten. Lazar Hayward könnte ein durchschnittlicher Rollenspieler werden, Paulo Prestes gilt im Post als solide, aber wenig berauschend. Einzig Nemanja Bjelica, ein 2,08 grosser Point Forward, der in Europa bleiben wird, könnte in ein paar Jahren im Stile eines Toni Kukoc Brauchbares abwerfen. Bis dahin sollten sich die Timberwolves unbedingt - wollen sie die Niederungen der Liga in absehbarer Zeit verlassen - von David Kahn trennen.

Die grössten Verlierer in diesem Jahr waren zweifelsohne die New York Knicks. Absolut geschockt, als Milwaukee ihnen an 37 Darington Hobson vor der Nase weg schnappten, verfielen die Knicks in den bekannten Draft-Panik-Modus und verkackten ihre beiden Picks mit der Auswahl von Andy Rautins (38) und Landry Fields (39) auf absolut kollosale Weise. Rautins kann zwar ein bisschen werfen, keiner der beiden wird es aber jemals über '10./11. Spieler im Team' - Status hinaus schaffen. Rautins wurde wohl für den Fall verpflichtet, dass sich Lebron nach New York verirrt. Ansonsten machen diese Picks absolut keinen Sinn. Der Bedarf nach Point Guards oder einem halbwegs agilen Center ist bei den Knicks nach wie vor so riesengross, dass man hier getrost Jerome Jordan, Gani Lawal, Hamadi Ndyae oder Willie Warren riskieren hätte sollen. Ganz schwach von den Knicks.