30 Juni 2010


Der eine oder andere wird's schon mitbekommen haben: ab heute ist ganz offiziell ein neues NBA-Zeitalter angebrochen. Der spektakulärste Free Agent Jahrgang, den es jemals gegeben hat, darf mit sofortiger Wirkung und ohne jegliche Restriktionen angebaggert werden. Allein schon die enorme Masse an FA's kann einen leicht erschlagen. nbachef hilft Euch in den nächsten Tagen und Wochen, im NBA-Informationsdschungel dieser Tage (es ist völlig ausser Kontrolle geraten) den Überblick zu bewahren. Ihr findet hier alle wichtigen News und knallharten Fakten, frisch auf den Tisch serviert. Welche Free Agents gehen als Erstes weg ? Welche Teams haben die besten Karten ? Wo landet Brian Scalabrine ? Wer sich für den heissesten NBA-Sommer mehr wünscht als eine simple Namensliste, die so und besser übrigens auf jeder zweiten Seite im Netz abrufbar ist, der ist hier an der genau richtigen Adresse.

Wo kommt eigentlich der ganze Hype urplötzlich her - und hat es Free Agent Sommer nicht auch schon früher gegeben ? Nun, hat es. Aber der diesjährige Jahrgang an frei verhandelbaren Spielern stellt alles bisher dagewesene in den Schatten. Zuletzt gab es 1996 einen vergleichbaren Pool an Mega-FAs. Damals waren Michael Jordan, Shaquille O'Neal, Reggie Miller, Juwan Howard, Alonzo Mourning, Horace Grant, Allen Houston oder Gary Payton auf dem Markt.

Shaq verliess sein damaliges Team, Orlando, und unterschrieb einen Monster 7-Jahres-Deal bei den Lakers. Es bleibt bis heute die grösste und wichtigste Free Agent Transaktion in der Geschichte der NBA. Der 2010er Jahrgang könnte aber alles bisher da gewesene in den Schatten stellen. Es scheint fast so, als sei die halbe Liga zu haben. Allein die Top10 Free-Agents haben gemeinsam 55 All-Star Spiele absolviert, standen 34 mal im All-NBA-Team, gewannen vier MVP-Awards und zwei Final-MVPs.


Bevor wir auf einige der wichtigsten Spieler des Sommers zu sprechen kommen, vielleicht noch kurz was zur Cap-Situation und den oft angesprochenen Max-Verträgen. Der Salary Cap wird in der kommenden Saison voraussichtlich bei 56 Mio. $ liegen. Dazu kommt ein Luxury Tax Cap von etwa 68 Mio. (wer sich eingehender mit dem Salary Cap befassen will, Larry Coon hat ein spitzenmässiges FAQ zusammengestellt). Die Idee ist Folgende: ein Team kann nur innerhalb dieser 56 Mio. Verträge an freie Spieler von anderen Mannschaften unterbreiten. Will man einen eigenen Spieler weiter verpflichten (Beispiel: Dallas will mit Dirk verlängern), so darf man diesen 56 Mio. Cap aber überschreiten. So wird garantiert, dass Teams auf Dauer 'ihre eigenen' Spieler langfristig binden können - auch wenn diese immer älter - und dementsprechend immer teurer - werden. Der Luxury Tax ist die erlaubte Obergrenze. Überschreitet man die 68 Mio., muss für jeden Dollar Gehalt ein Extra-Dollar an die NBA-Zentrale und Imperator Stern abgetreten werden. Teams in grossen Märkten (Los Angeles, New York) und solche, die um die Meisterschaft mitspielen (Orlando, Boston) hantieren regelmässig im Luxury Tax Bereich. Alle anderen versuchen nach Kräften, unter der Luxus-Steuer zu bleiben - ein ständiger Kampf und Krampf.

Die Details eines Max-Vertrages hängen vor allem von der Anzahl der absolvierten Profijahre ab und davon, ob man bei seinem eigenen oder einem 'neuen' Team unterschreiben will. Spielt man schon 7+ Jahre in der Liga, beginnt ein Max-Gehalt bei 16.6 Millionen und steigt pro Laufjahr um 10 Prozent. Das macht im 5. Jahr (mehr darf ein neues Team nicht anbieten) etwa 23.6 Mio. Ausnahme: das 'alte' Team (Dallas/Nowitzki oder Cleveland/Lebron) darf ein 6. Laufjahr offerieren (nochmal extra 25.3 Mio.). Das ist im Übrigen der Grund, warum über die Jahre kaum ein Spieler seinem alten Team via Free Agency den Rücken kehrt. Langfristige Sicherheit und ein extra 25 Millionen Gehaltsscheck hat nun mal höhere Priorität als Gewinnen-Wollen. Das wird auch immer so bleiben. Im Übrigen gibt es noch eine ganze Reihe von Ausnahmefällen, bei welchen man den eigenen Cap um vorgegebene Werte überziehen darf (Larry Bird Rights, Midlevel, Bi-Annual, etc). Für genauere Details empfehle ich auch hierfür den obigen Link.

In den letzten Tagen/Wochen/Monaten hat ein regelrechtes Wettrennen um Salary-Cap Platz statt gefunden. Teams gingen massenweise einseitige Trades ein, nur um ein paar extra Millionen unter dem Cap frei zu schaufeln. So kam etwa der aus basketballerischer Sicht völlig verblödete Kirk Hinrich zu den Wizards Deal zustande. Chicago spart auf diese Weise gut 9 Mio. $ extra. Alles Geld, das dann ab dem 8. Juli (ab da dürfen Unterschriften unter Verträge gesetzt werden) ausgegeben werden möchte. Während man also ab dem 1. Juli mündliche Vereinbarungen trifft, beginnt eine Woche später dann die Stunde der Wahrheit - die Tinte muss dann aufs Papier.

Wo die Top Free Agents am Ende landen, weiss ich selbstredend jetzt schon ganz genau dank meiner exzellent postierten Quellen im NBA-Universum (ich hab natürlich keinen Plan, aber meine Vorhersagen sehen in etwa so aus):

- Lebron James: Chicago, New Jersey oder New York
- Dwyane Wade: bleibt im Miami
- Chris Bosh: Miami oder Chicago
- Dirk Nowitzki: verlängert in Dallas und gewinnt nie einen Titel
- Amare Stoudemire: Phoenix oder New York
- Carlos Boozer: Miami oder Chicago (dorthin wo Bosh nicht hin geht)
- Joe Johnson: Atlanta oder Dallas via Sign & Trade
- Paul Pierce: bleibt in Boston bis an sein Lebensende
- David Lee: bleibt Amare in Phoenix, verlängert Lee in NY. Ansonsten S&T
- Rudy Gay: schwer zu sagen. LA Clippers oder New York
- Brian Scalabrine: unterschreibt einen Max-Vertrag bei David Kahn in Minnesota

Von folgenden Teams wird ein besonders aggressives Vorgehen erwartet, denn sie haben Platz satt unter ihrem Salary Cap (Stand 1. Juli unter der rein hypothetischen Annahme, dass keiner der eigenen Free Agents verlängert wird):


1. Miami Heat: astronomische 47.5 Mio $. Nur Michael Beasley und Mario Chalmers stehen unter Vertrag. Das Geld reicht locker für zwei Max-Verträge und weitere Deals im Wert von 14 Mio.

2. New York Knicks: 38.8 Mio $. Auch das reicht für zwei Max-Deals plus weitere 5 Mio. Seit zwei Jahren arbeiten die Knicks schon am grossen Hauptgewinn Lebron. Kommt er nicht, gilt die Offseason für die Knicks als Reinfall.

3. New Jersey Nets: 31.8 Mio $. Reicht nicht ganz für zwei Max-Verträge, doch die Nets werden in den nächsten Tagen alles daran setzen, die fehlenden Penunzen noch irgendwie zusammen zu bekommen. Der Yi-Trade nach Washington war erst der Anfang.

4. Chicago Bulls: 31.5 Mio $. Auch das reicht nicht ganz für 2 Max. Auch die Bulls werden aber weiterhin alles versuchen, um auf die fehlenden 1.7 Mio. zu kommen - im Notfall ganz dreist wie beim Kirk Hinrich Trade.

5. Los Angeles Clippers: 20.1 Mio. $. Reicht locker aus für einen Max-Deal. Die Befürchtung ist aber, dass keiner der Top FA's freiwillig bei den Clippers unterschreiben wird - und die Clips dann in einer Art Panikreaktion viel zu viel Geld für 1C und 1D Optionen aus dem Fenster schmeissen.


Apropos Clippers: was passiert eigentlich mit den Teams, die nicht Lebron James, Dwyane Wade, Chris Bosh oder einen der anderen Megastars abstauben können, die einen Max-Vertrag verdienen ? Wie immer in einem Wettrüsten wird es Gewinner und Verlierer geben. Ich persönlich halte nur etwa 10 bis 15 Spieler in der Liga für eines Max-Vertrages würdig. Von denen sind in diesem Jahr vier mit von der Partie (Lebron, Wade, Bosh, Dirk). Es wird aber, wie jedes Jahr, Teams geben, die leer ausgehen und dann massenhaft Kohle in gute, aber nicht elitäre Spieler investieren. So kommen übrigens auch die irrwitzigen Verträge wie der von Freizeit-Döner Eddy Curry zustande (56 Mio. für 6 Jahre). Für alle Knicks-Fans noch eine freudige Nachricht zum Schluss: Curry zieht seine Spieleroption für 10/11 und wird den Knicks-Cap auch in der kommenden Saison unnötig belasten - mit sagenhaften 11.3 Millionen fürs Rumsitzen und Scheisse bauen.

Sobald Lebron James - das mit Abstand grösste Puzzleteil - seine Entscheidung bekannt gegeben hat, werden wohl auch die restlichen Dominoteilchen fallen. Ich gehen davon aus, dass die Free Agents, die 'daheim' bleiben, schon recht früh, also am ersten Wochenende nach dem 8. ihre neuen Deals bekannt geben. Die anderen werden sich dann auf diejenigen Teams verteilen, die noch freien Cap Space zur Verfügung haben. Und dann erwarten uns noch eine Menge Trades, denn Teams über dem Cap werden mit Freude einige ihrer Verträge an die monetär gut aufgestellten Mannschaften abdrücken - solche Cap Dumping Deals dürften dann die letzte Phase des Sommers bestimmen, wenn die grossen Namen bereits unter Dach und Fach sind.