15 Juni 2010


Die Ausgangslage ist recht einfach für die LA Lakers, die sich zum ersten Mal in dieser Postseason in einem Serien-Rückstand befinden: Lose and go home !

Die Probleme des amtierenden Champs waren in den letzten beiden Spielen in Massachusetts deutlich zu sehen: keine Produktivität von den Rollenspielern, wodurch die Boston-Defense sich vermehrt auf Kobe konzentrieren konnte, vor allem in der Crunchtime. Kein Andrew Bynum, was übersetzt Probleme für Pau Gasol bedeutet. Und allen voran: mangelnde offensive Umsetzung der Triangle-Offense, gepaart mit grottiger Verteidigungsarbeit. Es wirkte ein bisschen wie 2008. Boston spielte härter, in der Defense extrem aggressiv und punktete vorne genug, um die Führung in der Serie zu behaupten. Diejenigen Lakers-Fans, die nun eine Neubesinnung fordern, oder gar auf eine Art Wunder-Wende hoffen, werden enttäuscht sein, denn nichts davon wird eintreffen. Die Lakers sind, wie sie sind. In Spiel 6 einer Finalserie eine neue taktische Ausrichtung zu erwarten, ist utopisch. Man verlässt sich auf seine Tugenden, und probiert, es beim nächsten Mal irgendwie besser zu machen.

Nein, LA muss sich einfach wieder auf seine Stärken besinnen. Im Klartext bedeutet das Folgendes: zunächst muss das Post-Spiel früh etabliert werden. Bynum und vor allem Gasol müssen von Beginn aggressiv zu Werke gehen gegen die bisher dominierende Celtics-Frontline. Das beinhaltet mehr Geduld und harte Arbeit beim Position beziehen, bessere Entry-Pässe in den Post, und dann schnellere Moves, um die Boston-Defensive nicht zusacken zu lassen. Damit einhergehend muss das restliche Lakers-Team viel schneller und bestimmter kreuzen - ohne Ball. Zu oft bisher trabten die Perimeter-Spieler zu ihren Spots. Dadurch kann sich die Celtics-Defensive finden, die für die Triangle-Offensive so wichtige Ballbewegung stagniert gewaltig. Zu häufig muss Kobe Bryant spät in der Schussuhr kreieren. Das kann nicht gut gehen. Mindestens zwei weitere Lakers-Protagonisten müssen zweistellig punkten, um die Celtics zu beschäftigen und Kobe Bryant zu entlasten. Defensiv muss unbedingt besser gearbeitet werden. Du schlägst keinen Gegner in den Playoffs, der knapp 60 Prozent aus dem Feld werfen darf. Um das nicht wieder passieren zu lassen, muss jeder Celtics-Spieler (ausser Rondo) härter und näher gedeckt werden. Der Druck muss intensiviert werden, so dass man Ballverluste und Fehlwürfte provozieren kann. Artest muss Pierce zum Ziehen zwingen, und sich mehr auf seine Teamkollegen verlassen. Pierce's Effektivität nimmt rapide ab, wenn man ihm seinen Sprungwurf verweigert. Beim Rebounding muss das gesamte Team kollektiv zusammen arbeiten, ausboxen, und den Abprallern aggressiv nachjagen.

Jede der angesprochenen Korrekturen verdeutlicht eines nochmal deutlich: zu diesem Zeitpunkt gibt es keine taktischen und spielerischen Anpassungen, die mehr vorgenommen werden können. Man kennt sich. Man weiss, welches Team was abspult, offensiv wie defensiv. Keine Überraschungen. Die einzige Adjustierung, die übrig bleibt, ist die bei den sogenannten 'intangibles': Kampfgeist. Herz. Einstellung. Wille. Kopf. Ich bin sicher, dass die Lakers den Ernst der Lage erkannt haben und Spiel 6 dementsprechend bissig angehen werden.

Phil Jackson, seinerseits mit einer 9-2 Karrierebilanz in 'elimination games', war nach den beiden Niederlagen in Boston zuversichtlich, die Serie noch gewinnen zu können. Schließlich, so Jackson, sei die jetzige 3-2 Führung der Celtics nichts anderes als gleichbedeutend mit der Verteidigung des Heimvorteils. Man wollte ein Spiel in Boston holen, und das ist gelungen. Die Lakers haben immer noch Home Court und die Chance, in eigener Halle mit zwei Siegen die Saison als Champion zu beenden. Lakers in 7, immer noch.