14 Juni 2010


Sie verloren 7 ihrer letzten 10 Saisonspiele. In den Playoffs favorisierte die ganze Welt erst Wade und die Heat, dann Lebron und die Cavs, später Dwight und die Magic. Man hielt die Mannschaft für zu alt, zu satt, zu verbraucht. Mit jedem zusätzlichen Playoff-Spiel mussten aber selbst die Kritiker einsehen, dass hier in Boston ein ex-Champion seinen 'Championship Swagger' wieder erlangt hatte, den man ernst nehmen musste. Nach einem beeindruckenden Postseason-Lauf, vollgepackt mit harter Defense, hervorragenden Einzelleistungen als Teil eines einheitlichen Teamkonzepts, dummen Sprüchen und einem Gefühl der Unbesiegbarkeit, dem Coach Doc Rivers (der wahre MVP des Teams) immerzu entgegen zu arbeiten versucht, stehen die Boston Celtics heute vor ihrem ganz grossen Wurf: Titel Nr. 18 ist zum Greifen nahe.

Dazu muss lediglich ein mickriges Spiel in Los Angeles gewonnen werden. Das soll am besten gleich heute passieren, denn auf eine alles entscheidende 7. Partie will man sich nicht einlassen. Die letzten beiden Spiele im heimischen TD Garden konnte der Eastern Conference Champion für sich entscheiden. Man wähnt sich als grosser Favorit ob der überzeugenden Vorstellungen in Spiel 4 und 5 und ist davon überzeugt, das Spektakel heute beenden zu können. Dieses Selbstbewusstsein bezieht man zum einen natürlich aus der Gewissheit, auswärts noch erfolgreicher zu spielen als zu Hause und in Los Angeles bereits eine Partie gewonnen zu haben (103-94 in Spiel 2). Zum anderen aus der Tatsache, dass die Starting 5 der Celtics in dieser Zusammensetzung (Rondo-Allen-Pierce-Garnett-Perkins) noch keine einzige Playoff-Serie verloren hat, zurück datiert auf 2008 (bei der Niederlage letzte Saison fehlte verletzungsbedingt Kevin Garnett). Zum dritten: historisch betrachtet sind diejenigen Teams, die in den Finals mit einer 3-2 Führung auswärts antanzen, bereits 4 mal Meister geworden bei 6 Versuchen (Los Angeles in Boston 1985, Chicago in Phoenix 1993, Chicago in Utah 1998, Miami in Dallas 2006).

Trotz allen Optimismus: einige Faktoren sprechen dann doch gegen einen Celtics-Sieg in Spiel 6. Boston hat die letzten 5 Matchbälle auswärts allesamt vergeigt. In den letzten drei Jahren lautet die Bilanz in Close-Out Games: 1-7. Doc Rivers hat zudem die niedrigste All-Time Erfolgsquote aller Coaches, die auswärts eine Serie beenden können. Nur 1 von 10 Möglichkeiten konnte Doc-betreute Teams jemals nutzen. Und schließlich ist da noch der tief sitzende Stachel aus dem Jahr 1994, einige von Euch werden sich gewiss noch erinnern können: Doc war damals Spieler bei den New York Knicks, die in einer epischen Finalserie gegen die Houston Rockets eines gewissen Hakeem Olajuwon mit einer 3-2 Führung im Gepäck nach Houston fuhren, um den Sack zu zu machen. New York verlor aber, erst Spiel 6, dann auch das entscheidende 7. Spiel - auch bekannt als das John Starks Backsteinfestival, bis heute ein texanischer Feiertag. Rivers weiss also aus eigener Erfahrung, wie schwer es ist, auswärts eine Finalserie zu beenden. Wie seine Spieler mit dem Druck umgehen, werden die nächsten Stunden zeigen...