30 Juni 2010


Es wird viel spekuliert darüber, welches Team über den besten General Manager verfügt. Für die einen ist es Sam Presti, der in Oklahoma ein junges, hungriges Team heran gezüchtet hat, dem die Zukunft gehört. Für andere ist es vielleicht Kevin Pritchard, der die Portland Trail Blazers in der Western Conference wieder relevant gemacht hat, bevor er völlig überraschend letzte Woche gefeuert wurde. Für RC Buford in San Antonio (8 von 8 Playoffs, 3 Titel) oder Mitch Kupchak bei den LA Lakers (9 von 10 Playoffs, 5 Titel ) sprechen die Playoff-Teilnahmen pro Amtsjahr, sowie die regelmässigen Titelgewinne. Während jede Diskussion um den besten GM sicherlich auch vom Blickwinkel abhängt, gibt es keinerlei Argumentationsalternativen, was diese fünf Haudegen hier betrifft. nbachef präsentiert Euch die grottigsten Manager der Liga.


5. Rod Higgins (Charlotte Bobcats)
in Charlotte seit: 2007
Playoff-Teilnahmen: 1

Griff ins Klo: eindeutig die direkten Folgemoves des 2007er Drafts. Zieht mit seinem 8. Pick Brandan Wright, lässt dafür Joakim Noah, Marc Gasol, Carl Landry, Aaron Brooks und Rodney Stuckey links liegen. Verschickt Wright dann gleich weiter nach Golden State im Tausch für Jason Richardson - was an sich ein brillanter Move wäre. Das ganze ist durch den Folgetrade aber wieder im Arsch: Jason Richardson + Jared Dudley wandern nach Phoenix für einen alternden Boris Diaw und Raja Bell. Wie lässt man sich die Unterhosen über den Kopf ziehen ? Rod Higgins weiss Bescheid.

weitere Hirnfürze:
- streicht CJ Watson aus dem Team, um Platz für Jeff McInnis zu machen
- draftet 2008 mit dem 9. Pick DJ Augustin, direkt vor Brook Lopez, Jason Thompson, Roy Hibbert, Serge Ibaka oder George Hill
- draftet 2009 mit dem 12. Pick Gerald Henderson (wer ?) vor Jrue Holiday, Marcus Thornton, Darren Collison, Dejuan Blair, Taj Gibson, Roddy Beaubois oder Ty Lawson

Fazit: Ich hätte Higgins aufgrund seiner kapitalen Draft-Fehler und der Tatsache, dass Charlotte durch die vielen garantierten Verträge im mittleren und hohen Bereich so gut wie keinerlei Handlungsspielraum für die nächsten Jahre besitzt, noch weiter nach unten gesetzt. Da Higgins in letzter Zeit aber recht solide Entscheidungen getroffen hat, und die Bobcats in der abgelaufenen Saison zum ersten Mal in den Playoffs standen (und weil die nächsten vier Männer richtig erbärmlich in ihrem Job sind) , bleibt ihm ein schlechteres Ranking erspart.

4. Ed Stefanski (Philadelphia 76ers)
in Philly seit: 2007

Playoff-Teilnahmen: 1


Griff ins Klo: holt Free Agent Elton Brand nach verletzungsgeplagter Saison für 5 Jahre/82 Millionen nach Philadelphia. Der ganz offizielle 'Wie beerdige ich ein Team'-Move, brilliant vorgeführt von Mastermind Stefanski. Schlechteste FA-Verpflichtung des Jahrzehnts.

weitere Hirnfürze:

- feuert Head Coach Maurice Cheeks im Dez. 08, nur drei Monate nachdem er selbst Cheeks Vertrag langfristig verlängert hatte. Cheeks Ersatz: Tony DiLeo. Hat jemand schon mal von ihm gehört ? Ich auch nicht.

- nimmt an einem einzigen Tag (Sep. 08) Andre Emmett, Maureece Rice, Justin Reed, Antywane Robinson und Jared Reiner unter Vertrag. Allein dafür gehört man eigentlich schon gefeuert
...
- verpflichtet letzten Herbst Allen Iverson, der ganz offensichtlich kein Bock auf Basketball hatte. Alle Teams wussten Bescheid, nur Stefanski scheinbar nicht
.
- zahlt insgesamt 160 Millionen $ an Elton Brand und Andre Iguodala

Fazit: ich habe bis heute noch keine überraschend gute Basketball-Entscheidung von Stefanski miterleben dürfen. Auch in diesem Jahr war die Verpflichtung von Evan Turner an Nummer 2 eher ein Selbstläufer, als Stefanki's Genie zuzuschreiben. Der Dalembert für Nocioni/Hawes Deal spricht auch nicht wirklich für den Sixers-GM.

3. Jeff Bower (New Orleans Hornets)
in New Orleans seit: 2005
Playoff-Teilnahmen: 2

Griff ins Klo: feuert Head Coach Byron Scott etwa 1 Jahr nach dessen 'Coach of the Year Award' und mehreren Playoff-Teilnahmen, ernennt sich selbst an seiner statt zum Trainer. Ein Edelmann vor dem Herrn...

weitere Hirnfürze:
- Draft 2006: Bower wählt mit dem 12. und 15. Pick Hilton Armstrong und Cedric Simmons. Verfügbar waren noch Rajon Rondo, Jordan Farmar, Craig Smith, Leon Powe oder Shannon Brown
- Draft 2007: Bower zieht Julian Wright (13. Pick) vor Rodney Stuckey, Marc Gasol, Aaron Brooks, Carl Landy, Wilson Chandler oder Glen Davis
- Draft 2008: Bower zieht Darrell Arthur (27.) und verkauft ihn für Geld. Mbah a Moute, Mario Chalmers oder DeAndre Jordan waren noch zu haben
- lässt Free Agents Brandon Bass, JR Smith und Chris 'Birdman' Andersen ziehen
- tradet Tyson Chandler nach OKC für Joe Smith und Chris Wilcox (der Deal wird kurz darauf von den Thunder annuliert)
- tradet Tyson Chandler, der dank Chris Paul trotz limitierter Möglichkeiten in der Offensive einen guten Beitrag leistete, für einen uneffektiveren Emeka Okafor, der mehr $ und eine längere Laufzeit auf seinem Vertrag hat
- tradet seinen Erstrundenpick Cole Aldrich (11.) zusammen mit Morris Peterson nach OKC für Craig Brackins und Quincy Pondexter
- erwägt nach wie vor ernsthaft, Chris Paul aus NO weg zu traden

Fazit: Bower hat absolut keinen Blick für Talente und Rohdiamanten, was seine regelmässigen Draft-Schnitzer eindrucksvoll beweisen. Würde mich nicht wundern, wenn Collison oder Thornton in spätestens zwei Jahren woanders spielen. Den Vogel abgeschossen hat Bower mit seinem Trainerengagement an Stelle von Byron Scott. Sehr erfolgreich, in der Tat...

2. Larry Riley (Golden State Warriors)
in Oakland seit: 2009
Playoff-Teilnahmen: 0

Griff ins Klo: Golden State hatte Speedy Claxton in einem Trade vor der Saison erworben. Obwohl klar war, dass Claxton aufgrund seiner Verletzungen kein NBA-Spiel mehr bestreiten wird, war sein auslaufender Vertrag (5.2 Mio $) dennoch ein wertvoller Argumentationschip in Trade-Gesprächen und hätte den Warriors zur Deadline einen brauchbaren Spieler beschaffen können - zumindest aber einen Draft-Pick. Was macht Riley ? Er gibt den Vertrag einfach auf, schmeisst ihn aus dem Fenster und Claxton aus dem Team - um einem anderen Spieler einen ungarantierten 10-Day-Contract zu unterbreiten. Unfassbar !

(weitere) Hirnfürze:
- erste Amtshandlung von Riley: er tradet Jamal Crawford nach Atlanta für Acie Law und Speedy Claxton (dessen Vertrag er dann auf den Müll schmeisst)
- er tradet Stephen Jackson + Acie Law nach Charlotte für die auslaufenden Verträge von Raja Bell + Vlad Radmanovic
- er tradet Corey Maggette + einen Draft-Pick für Charlie Bell + Dan Gadzuric
- Golden State draftet mit dem 6. Pick im 2010er Draft Ekpe Udoh - der dritte junge Power Forward im Team neben Anthony Randolph und Brandan Wright

Fazit:
schwer, sich hier etwas auszusuchen. Obwohl 'der andere Riley' erst seit Anfang letzter Saison im Amt sitzt, pflastern schon jetzt kapitale Fehlentscheidungen seinen Weg. Ein Riesen-Fehler war bereits die Amtsübernahme an sich, denn sein Vorgänger, Chris Mullin (eine Legende in der Bay Area seit seinem Engagement als Spieler bei den Warriors in den 80/90ern), hatte hervorragende Arbeit geleistet und den Warriors in der Liga wieder zu ein wenig Respekt verholfen. In nur wenigen Monaten hat Riley fast die gesamte Arbeit Mullin's zunichte gemacht. Wer aus Jackson, Crawford, Maggette und einem Draft-Pick letztendlich Gadzuric und Bell macht, der beherrscht sein Handwerk ganz offensichtlich perfekt.

1. David Kahn (Minnesota Timberwolves)
in Minnesota seit: 2009
Playoff-Teilnahmen: haha

Griff ins Klo: alles was Kahn anfasst

Hirnfürze:
- erste Amtshandlung: Randy Foye und Mike Miller werden nach Washington getradet
- zweite Amtshandlung: im 2009er Draft wählt Kahn mit dem 5./6./18. Pick je einen Point Guard (Rubio, Flynn, Lawson). Lawson wird sofort weiter getradet nach Denver im Tausch für einen Erstrundenpick 2010, wohlwissend, dass Denver um den Titel in der Western Conference mitspielt und der Pick damit nach unten rutscht (Mitte-Ende 20)
- verpflichtet Free Agent Point Guard Ramon Sessions (das macht 4 verpflichtete PGs in wenigen Wochen, falls jemand von Euch noch mitzählt)
- tradet Craig Smith nach LA für Quentin Richardson, den er aber weiter schickt nach Miami für Mark Blount. Im Endeffekt also Craig Smith für Mark Blount.
- nach der totalen PG-Offensive gehts 2010 zu den Small Forwards über. Kahn wählt im Draft einen Small Forward nach dem anderen, verschickt dann auch noch Luke Babbit im Paket mit Ryan Gomes nach Portland für Martell Webster. Wieder mal verarscht worden, Mr. Kahn
- spielt öffentlich mit dem Gedanken, Franchise-Center Al Jefferson zu traden wenn - ja wenn (und jetzt gut festhalten) - Darko Milicic bei den Wolves verlängert. Alles klar...

Fazit: bei Kahn gehen einem die Superlative aus. Der Rubio-Schachzug, den er nach aussen hin immer als absoluten Coup präsentiert, ist immer noch nicht aufgegangen. Der spanische PG denkt im Moment nämlich nicht einmal daran, zu den Timberwolves zu wechseln - und wer will's ihm verdenken ? Das Team ist absolut schäbig zusammen gestellt. Es fehlt an allen Ecken und Enden. Spieler wie Babbitt, die der Mannschaft sofort helfen könnten, werden abgeschoben. Al Jefferson und Kevin Love passen auf dem Platz überhaupt nicht zusammen. Darko Milicic passt nicht in die NBA. Kahn verzichtete auf Stephen Curry, Brandon Jennings, Terrence Williams, Taj Gibson, Omri Casspi oder DeJuan Blair. Kein Free Agent, der noch zu selbständigem Denken imstande ist, wird sich in den nächsten 10 Jahren nach Minneapolis verirren. Kalte Zeiten also für Wolves-Fans. Kahn sei's gedankt, der sich gegen Larry Riley in einer eng umkämpften Partie nach Overtime durchsetzt und den Titel einheimst - als schlechtester Manager der NBA.