08 Juni 2010


Auch ohne Kobe Bryant's Treffsicherheit an diesem Abend (nur 10 von 29) schafften es die Lakers in Spiel 3, den verlorenen Heimvorteil prompt wieder zurück zu erobern. Beim 91-84 Auswärtssieg war Derek Fisher mit 16 Punkten Mann des Spiels (dazu später mehr).

Boston stürmte wie entfesselt in diese oft vorentscheidende Partie. In der gesamten NBA-Geschichte war es vor heute 32 mal 1-1 gestanden. Der Sieger des dritten Spiels wurde in 28 Fällen später als Champion gekrönt. Die Celtics machten ernst, allen voran Kevin Garnett, der seine schäbigen Leistungen aus Los Angeles vergessen machen wollte. KG traf seine ersten 5 Wurfvesuche und lieferte auch im restlichen Spielverlauf eine bombastische Vorstellung ab mit 25 Punkten bei 11 von 16. Der Gast hingegen erwischte einen lahmen Start. Zum frühen 0-6 Rückstand gesellten sich noch Foulprobleme von Artest: 2 schnelle in nur 2 Minuten, damit war Ron-Ron schnell wieder auf der Bank. Eines seiner Fouls war jedoch ein hartes gegen den Shooting Guard der Celtics, Ray Allen. Der erholte sich nicht mehr von dem Knockout und steuerte fortan, nur zwei Tage nach seinem neuen Rekord für die meisten Dreier in einem Finalspiel (8) einem Minusrekord in Sachen Treffsicherheit entgegen. Schlussbilanz für Mr. Shuttlesworth: 0 von 13 FG, alle 8 Dreier vergeigt und nur mickrige 2 Pünktchen auf dem Konto. Zum Rekord fehlte am Ende ein Fehlwurf.

Bei Los Angeles spielte sich Lamar Odom von der Bank aus wieder ins kollektive Gedächtnis. LO war involviert, suchte aggressiv den Weg zum Korb und hatte schon Anfang des zweiten Viertels mehr Punkte gesammelt (8), als in den ersten beiden Spielen zusammen. LA war da schon in Führung gegangen, hatte den frühen Rückstand in einen zwischenzeitlichen 17-Punke Vorsprung verwandelt. Boston präsentierte sich offensiv in katastrophalem Zustand, allen voran Allen und Paul Pierce, der ausser einer grossen Schnauze noch nichts Substantielles gebracht hat in dieser Serie. Zur Pause führte der Gast aus Kalifornien mit 52-40.

Beide Teams setzten nach dem Wechsel ihr bescheidenes Offensivspiel fort. Katastrophale Wurfquoten auf beiden Seiten prägten das Spiel (BOS 38%, LA 41%). Es war echter Finals-Basketball der alten Schule. Die Celtics-Starter sahen unter den Brettern kein Land, liessen sich ein ums andere Mal blocken und verloren auch den Kampf um die Rebounds (insgesamt 35-43 am Abend). Rajon Rondo war bei Kobe Bryant über weite Strecken gut aufgehoben und kam deshalb nie ins Rollen, weswegen auch das so erfolgreiche Celtics-Transition-Spiel stockte. Einzig und allein auf Garnett war Verlass. Boston knabberte nun langsam an der bequemen Lakers-Führung.

Später sorgte Hobbysumoringer Glen Davis (12 Pts) für viel Wirbel von der Bank und weckte das schlafende Garden-Publikum aus seiner Lethargie. Die Celtics kamen dank ihrer Ersatzspieler immer näher - beim 68-67 sogar bis auf einen Punkt - heran. Enger wurde es aber nicht mehr. Was auch immer Boston jetzt probierte, die Führung wollte einfach nicht fallen. Lakers-Veteran Derek Fisher spielte sich im entscheidenden letzten Viertel mit 11 ganz dicken Punkten ins helle Final-Rampenlicht. Immer wieder suchte Fish erfolgreich den Weg in die Zone. Sein Todesstoss kam 48 Sekunden vor Schluss. Boston lag mit 4 hinten, spielte Allen an der Dreierlinie frei. Der aber vergab (Überraschung !). Im Gegenzug punktete Fisher spektakulär im 1 gegen 3 und versenkte den anschliessenden And-1 Freiwurf. 87-80. Vorentscheidung. Sieg Los Angeles, das damit den Heimvorteil wieder gewonnen hat.