16 Juni 2010


Im heimischen Staples Center sind die Los Angeles Lakers ein ganz anderes Monster, als auswärts. Das mussten gestern auch die Boston Celtics am eigenen Leib erfahren, die beim 89-67 in Spiel 6 gehörig unter die Räder kamen. Wie gehörig ? Nun, sagen wir mal es war historisch gehörig. Der wichtige Sieg unterstrich einmal mehr die Stärke der Lila-Gelben in Downtown Los Angeles: es war der insgesamt 30. Heimerfolg in 34 Playoff-Partien seit 2008.

Die Lakers erlangten, unter ihren insgesamt 15 Meisterschaftsbannern spielend, jenes Selbstvertrauen wieder, dass sie zur übergreifend besten Mannschaft der letzten drei Jahre hat werden lassen, und demontierten die überheblich wirkenden Boston Celtics von der ersten Minute an. Kobe Bryant legte den frühen Grundstein für den 89-67 Kantersieg seines Teams. Der Shooting Guard kam aggressiv aus der Kabine, traf 5 seiner ersten 6 Wurfversuche und erzielte 11 seiner insgesamt 26 Punkte im ersten Viertel. Davon inspiriert, zog das restliche Team nach und liess seinem Alpha-Spieler endlich jene Unterstützung zukommen, die ihm bisher mehr oder weniger verwehrt blieb.

Pau Gasol machte von allem etwas. Der spielstärkste Big Man der Liga erzielte 17 Punkte selbst, griff sich 13 Abpraller, und lenkte das gesamte Lakers-Spiel mit sensationellen 9 Assists von der Center-Position aus. Als Bryant Ende des ersten Viertels auf der Bank sass, erhöhte LA seine Führung auf 20. Gasol war in dieser Phase ein ums andere Mal Initiiator der gesamten Triangle-Offense dank seines überragenden Spiels aus dem Low- und High-Post. Ron Artest's Angriffsspiel, das in Boston verloren ging und Gerüchten zufolge nie wieder auftauchen würde, fand man in der Lakers-Umkleide wieder, wo es seit vorletzter Woche gewartet hatte. Ron-Ron traf 3 Distanzwürfe und erzielte insgesamt 15 starke Punkte im Spiel. Sogar die Lakers-Bank, bisher grottenschlecht in dieser Serie, meldete sich zurück und beteiligte sich mit 25 Punkten am Sieg. Lamar Odom ersetzte den angeschlagenen Andrew Bynum adäquat mit 8 Punkten, 10 Rebounds und 2 Blocks. Shannon Brown feuerte die Lakers-Meute mit zwei spektakulären Dunkings an. Sasha Vujacic traf zwei Dreier für insgesamt 9 Punkte. Und Jordan Farmar unterstrich mit nur zwei Aktionen den Grundtenor des gesamten Abends: die Lakers waren spritziger, aggressiver und immer einen Schritt schneller. Zunächst sprintete er einem Loose Ball hinterher, warf sich in bester Delphin-Manier vor Rondo auf den Parkettboden und fingerte den Ball zu Kobe Bryant, der vorne zwei Punkte zum 36-23 erzielte. Später dann nahm Farmar einen langen Outlet-Pass an und hämmerte den Breakaway Dunk einem verdutzten Kevin Garnett in die Fresse. 45-25 LA. Das Spiel war gelaufen.

Die Defensive stand ab der ersten Sekunde an hervorragend und attackierte den Boston Screen'n'Roll unerbittlich. Die Grünen fanden nie ihren Rhythmus, konnten ihr gewohntes Passspiel nicht wie gewünscht aufziehen und verstrickten sich in Einzelaktionen. Die miese Trefferquote von 33 Prozent spricht Bände. Dazu kam ein deutliches Übergewicht der Lakers bei den Rebounds, den freien Bällen und den Hustle Stats (13 Steals, 8 Blocks). Mich überraschte die Verteidigung der Gelben nicht sonderlich. Viele dürften schon vergessen haben, dass die Defensive der Lakers über lange Strecken die beste der regulären Saison war. Bis in den März hinein rangierten die Kalifornier auf Platz 1 in nahezu allen relevanten defensiven Kategorien. Die Leistung am Dienstag war eine Rückbesinnung auf diese Stärke im eigenen Spiel.

Ich hatte in meiner Vorschau einige Faktoren genannt, durch die LA die letzten beiden Spiele gewinnen und die Serie zu seinen Gunsten entscheiden kann. Das Post-Spiel lief vorzüglich, vor allem dank Gasol, der Garnett schwindlig spielte. Gasol (17) und Artest (15) punkteten zweistellig, Odom (8) und Vujacic (9) waren knapp dran. Damit war Bryant offensiv nicht auf sich allein gestellt, und Boston konnte sich nicht auf Nr. 24 einschiessen. Die Energieleistung des gesamten Lakers-Teams war beachtlich, sowohl vorne als auch hinten. Auch bei Rebounding trat die ganze Mannschaft geschlossen auf. Nun war gewiss nicht alles überragend, die Leistung des Teams keinesfalls am oberen Limit, wie zum Beispiel die mickrige Trefferquote von nur 41 Prozent beweist. Sollten die Lakers aber imstande sein, im 7. Spiel auch nur 80 Prozent der gestrigen Leistung zu duplizieren, hat Boston keine Chance und die Trophäe bleibt in LA.