16 Juni 2010


Nicht so vorschnell, Boston. Die meisten Anhänger der Grünen hatten wohl mit dem vorzeitigen Titelgewinn bereits am Dienstag gerechnet. Zu grünäugig ging aber die ganze Celtics-Nation ins potentiell entscheidende 6. Spiel der Serie. Dort dominierte Los Angeles von Beginn an und verprügelte die Altherrenriege aus Beantown im bester Fight Club Manier.

Es war keine simple Niederlage. Boston wurde in seine Einzelteile zerlegt. Schon im ersten Viertel war die Partie de facto entschieden. Der Gast war zu keinem Zeitpunkt auch nur annähernd im Spiel. Sowohl im ersten als auch im zweiten Viertel hauten die Lakers 10 Punkte mehr auf die Anzeigetafel. Das 89-67 war gleichbedeutend mit der schlimmsten Celtics-Pleite der gesamten Saison. Boston's peinliche Offensivausbeute bis zur Pause (läppische 31 Punkte) verpasste den All-Time-Minuswert in den Playoffs um nur 1 Punkt. Insgesamt war es sogar die zweitniedrigste Punkteausbeute überhaupt, seit 1955 die Shotclock implementiert wurde. 67 Punkte, so wenig hatte eine Celtics-Mannschaft in der Post-Season noch nie erzielt.

Rajon Rondo, der von vielen Fantasten nach einigen guten Vorstellungen in den Playoffs etwas voreilig zum besten Point Guard der Liga hochgelobt wurde, verfehlte 10 seiner 15 Wurfversuche. Rasheed Wallace blieb ohne Feld-Treffer. Kevin Garnett und Paul Pierce spielten ebenfalls schwach, erzielten zusammen gerade mal 25 Zähler. Die Alphatiere gingen völlig unter, wirkten ratlos und verbraucht. Die in den Himmel gelobte Celtics-Bank ? Sie existierte nicht. Bis in die Müllzeit Ende des letzten Viertels hatten Boston's Reservespieler mickrige 2 Punkte zusammen bekommen. Glen Davis und Nate Robinson, denen ihre 10 Minuten Ruhm nach Spiel 4 eindeutig zu Kopf gestiegen waren ? Nicht anwesend. Die Mannschaft liess alles vermissen, was sie in den letzten Wochen zur Überraschungsmannschaft der kompletten Post-Season hatte werden lassen. Kein Kampfgeist. Keine Defense. Kein Aufbäumen. Und nicht ein Hauch jenes inspirierten Team-Basketballs, den Coach Doc Rivers immer so einfordert, und ohne den Boston höchstens NBA-Mittelklasse ist.

Neben der miserablen Trefferquote von 33 Prozent aus dem Feld, die sogar LA's schlechten Auftritt in Spiel 5 um Längen deklassierte, waren die Defensive und die eklatante Differenz bei den Rebounds (52-39 am Ende, zwischenzeitlich 30-13 für die Lakers) und den 50/50 Bällen (18-3) weitere Hauptgründe für die Pleite. "Ich dachte, wir wären gut vorbereitet, ich dachte wir wären bereit. Wir waren schrecklich heute", erklärte Doc Rivers nach dem Spiel. Zu allem Überfluss verletzte sich der etatmässige Center Kendrick Perkins auch noch schwer. Der grosse Mann landete beim Reboundversuch unglücklich und riss sich zwei Bänder im rechten Kniegelenk. Damit fällt Perk im letzten und alles entscheidenden Spiel am Donnerstag definitiv aus. Rasheed Wallace wird wohl statt Perk von Beginn an spielen.