20 Juni 2010


Geht es nach ihm, so hat Rasheed Abdul Wallace in seinen insgesamt 15 NBA-Jahren noch nie ein persönliches Foul begangen. Wenn dann doch mal eins gepfiffen wurde, was genau 3864 mal vorkam, flippte Rasheed öfters mal aus - was ihm prompt weitere 304 Pfiffe einbrachte. Bis heute ist Wallace der All-Time Leader der National Basketball Association in der Kategorie 'Technische Fouls', und dieser Rekord wird ewig bestehen. Um Sheed's Errungenschaft richtig einschätzen zu können, vielleicht soviel: ein Spieler müsste 5 Saisons in Folge in jeder Partie ein Technisches kassieren, um den Rekord zu knacken. Unmöglich !

Kann gut sein, dass wir Rasheed Wallace und seine legendären Wutausbrüche in Zukunft vermissen werden. Denn obwohl der Power Forward noch zwei Jahre Vertrag hat bei den Boston Celtics (13 Millionen $), liess sein Coach Doc Rivers nach der 7. und letzten Finalbegegnung dieser Saison verlauten, dass es das für Wallace gewesen sein könnte. Rivers bestätigte heute in einem Bostoner Radiosender das bevorstehende Karriereende des ehemaligen All-Stars. "I think you have seen Wallace's last game. He was so emotional right after the game, but Rasheed told me the night before the game: I'm going to give you everything I've got. I really believe this is my last game that I'm going to play", wird Rivers zitiert.

Wallace spielte in der Tat so, wie er es angekündigt hatte und gab auf dem Platz alles (11 Pts, 8 Reb, 2 Blks). Er war Hauptgarant für Boston's frühe Führung dank seiner exzellenten Defense gegen Gasol und seinem effektiven Low-Post Spiel. Als die Begegnung dann immer länger wurde, ereilte Wallace das gleiche Schicksal wie seine Celtics-Teamkollegen: der Geist wurde müde, die alten Beine machten schlapp. Am Ende triumphierten die Lakers.

Nach dem Spiel verliess Wallace als Erster seine Kabine und marschierte schnurstracks in Richtung Schiedsrichter-Umkleideraum. Er ging hinein und wollte wohl mit Schiedsrichter Joe Crawford ein paar Sätze wechseln. Sicherheitspersonal mischte sich ein und warf Wallace umgehend aus der Kabine. Es ist unklar, ob Wallace wirklich nur mit Crawford reden und sich verabschieden wollte (was ich angesichts seines potentiell letzten Spiels für durchaus realistisch halte), zu lamentieren versuchte, oder Crawford um ein letztes Technisches Foul ersuchen wollte, um seine Karriere hochzeremoniell in angestammtem Rahmen beenden zu können. Der Champion von 2004 verharrte noch einige Minuten auf einem Stuhl vor der Umkleidekabine, wo er vergeblich auf Crawford wartete. Dann stand Rasheed Wallace auf, und verliess die NBA-Arena. Unverstanden. Alleine. So wie es immer schon gewesen ist. Und vielleicht nie mehr sein wird...