28 Mai 2010


Die Washington Wizards werden mit ihrem ersten Pick im diesjährigen NBA-Draft John Wall von der Universität Kentucky auswählen. Der Aufbauspieler soll zum Eckpfeiler der Franchise werden und in den nächsten zehn Jahren das Gesicht des Vereins repräsentieren. Das heisst auch: Gilbert Arenas' Zeit in der Hauptstadt ist abgelaufen. Die Wizards werden alles in ihrer Macht stehende tun, damit sich der enigmatische Guard niemals in den gleichen Umkleideräumen wie John Wall aufhalten wird.

Mehrere Quellen bestätigten unabhängig voneinander, dass Team-Präsident Ernie Grunfeld unter keinerlei Umständen Arenas in der Nähe seines künftigen Franchise-Spielers sehen will, und dass er bereits im Januar fest beschlossen hatte, ohne Arenas einen Neuanfang zu starten. Der komplette Umbruch und Neuaufbau soll nun engültig vollzogen werden, nachdem ein Großteil des alten Teams (Jamison, Butler, Haywood, Stevenson) schon im Februar aus der Stadt geschickt wurde. Arenas, einst Grunfeld's Juwel im Teamgefüge, war der Mittelpunkt der 'alten Wizards', um welchen der Manager nach und nach eine schlagkräftige Truppe zusammen gestellt hatte. Jenem Team gelang aber nie der Durchbruch. Arenas trägt daran sicherlich die Hauptschuld. Durch seine ständigen Eskapaden ausserhalb des Platzes und seine Unfähigkeit, gesund zu bleiben (3 Knieverletzungen und nur 47 von 246 möglichen Spielen in drei Saisons) hinkten die Wiz ihren hoch gesteckten Erwartungen immer hinterher. Der skurrile Feuerwaffenstreit war dann der bekannte letzte Tropfen, der die Mannschaft vollständig auseinander riss. Grunfeld, zutiefst enttäuscht von dem Spieler, dem er trotz aller Warnungen zwei Monsterverträge (65 Millionen $ in 2003, 111 Millionen $ in 2008) offerierte, brach endgültig mit Agent 0 und hat seither mit seinem einstigen Lieblingskind kein Wort mehr gesprochen.

Natürlich stimmt Grunfeld in aller Öffentlichkeit recht milde Töne an. Er redet machmal davon, mit Arenas in die neue Saison gehen zu wollen. Er sagt, Arenas sei Teil des Teams und einer der besten Guards in der NBA. Man müsse die Vergangenheit ruhen lassen und nach vorne schauen. Wer die wirtschaftlichen Implikationen der Liga kennt, weiss aber, wie ein solches Zitat eines Präsidenten/Managers zu interpretieren ist. Grunfeld will den Wert seiner Ware für potentielle Tradepartner so hoch wie möglich halten, nachdem die 'Ware' ihren Wert eigenständig bis fast auf null gemindert hat. Man sucht nach einer Mannschaft, die in Arenas noch etwas Brauchbares erkennt und einen schlechteren Spieler, Cash oder Draft Picks abzudrücken bereit wäre. Die Begeisterung für einen überzahlten (noch 80 Millionen für 4 Jahre), verletzungsanfälligen Guard, der den Ball dominiert, nicht verteidigt und sich desöfteren geistige Aussetzer gönnt, hält sich aber verständlicherweise in Grenzen.

"Obviously the situation that happened last year, nobody feels good about that. We're going to try to put that behind us, give everybody a clean slate and move forward. We're in rebuilding mode. There is a lot of information that we have to let Ted know about what we are doing in the draft. We're looking for someone who is committed to team and to winning and to doing whatever it takes to accomplish that."

Dieses Zitat von Grunfeld belegt eindrucksvoll die wahren Gedanken, die momentan im Kopf des Managers herumschwirren. Es wird klar, dass er einen Schlussstrich unter das leidige Kapitel der letzten Jahre ziehen will. Das sei er auch den Fans schuldig, so Grunfeld, die schon lange von Arenas' Eskapaden die Schnauze voll haben und sich in Schaaren von der Mannschaft abwandten.


Im schlimmsten Fall wären Grunfeld, die Wizards und der neue Clubbesitzer Ted Leonsis sogar bereit, Arenas aus seinem Monstervertrag heraus zu kaufen, auch wenn dieser Schritt aus wirtschaftsstrategischer Sicht freilich nicht ideal wäre. Die Angst, den Irrweg der letzten Jahre weiter zu gehen, ist jedoch zu gross bei den Zauberern, als dass man eine solche Lösung nicht ernshaft in Betracht ziehen sollte. Der geplante Wiederaufbau kann mit Arenas in der Nähe nämlich nicht gelingen.