14 Mai 2010

Outside the Lines: Kenny Anderson


Für die coolste Meldung der Woche sorgte der ehemalige All-Star Kenny Anderson. Fünf Jahre nach seinem letzten NBA-Spiel und knapp 20 Jahre nach seinem vorzeitigen Abgang von der Georgia Tech Universität als 2. Pick zu den New Jersey Nets (1991) holte Anderson jetzt erfolgreich seinen Collegeabschluss nach. Morgen erhält die ehemalige Playground-Legende sein Master-Zertifikat in 'Organizational Leadership', einer Mischung aus Management und Coaching.

Beeindruckender als die Tatsache, dass der heute 39-jährige nach seiner Profikarriere nochmal die Schulbank drückte und seinen Uni-Abschluss erlangte, ist Anderson's Lebensweg und die tiefe Talsohle, die er in den letzten Jahren durchschreiten musste. Anderson wuchs in New York City auf und gilt für viele Experten immer noch als bester High School Point Guard aller Zeiten. Er bleibt bis heute der einzige Basketballer, der in allen vier High School Jahren ins 'All City' Team berufen wurde - einer Top5 der besten Nachwuchsspieler in NYC. Anschließend wechselte er auf die Georgia Tech Universität, die er ins Final Four führte, bevor er nach zwei College-Jahren schließlich zu den Profis wechselte. Der Abgang war mehr finanzieller, denn sportlicher Natur. Er fühlte sich verpflichtet, seine arme Mutter zu unterstützen. Während er ihr von seinem ersten Profigehalt ein Haus kaufte, musste er versprechen, seinen Abschluß eines Tages nachzuholen.

Seine NBA-Karriere war wenig spektakulär, trotzdem verdiente Anderson in seiner aktiven Zeit knapp 60 Millionen Dollar. Das ganze Geld aber war komplett aufgebraucht, als ihn die LA Clippers 2005 vor die Tür setzten. Autos, Parties und ein wildes Sexleben hatten ihren Tribut gezollt. Sieben Kinder von fünf verschiedenen Frauen mussten alimentär unterstützt werden, und seine kurze Ehe mit B-Promi Tami Roman kostete ihn knapp die Hälfte seines Vermögens. Auf eine Tragödie folgte die nächste, denn seine Mutter verstarb kurz darauf. Anderson war pleite und allein.

Er beschloss, sein Leben umzukrempeln, schnappte sich das Sorgerecht für einen seiner Söhne (Ken Jr.) und erkannte, dass er für einen Job einen Abschluss brauchte. Er belegte Online-Kurse an der St. Thomas Universität und etablierte einen regelmässigen Tagesablauf: jeden Morgen brachte er seinen Sohn zuerst zur Schule, telefonierte anschließend mit Reverend Al Taylor, einem alten Freund aus Harlem, bevor er zu Starbucks rüberlief, wo er dann mehrere Stunden täglich Bücher wälzte. "Es war schwer, ich hatte schließlich 20 Jahre lang mein Gehirn nicht mehr benutzt", erzählte Anderson einem New Yorker Tagesblatt. "Aber ich hatte es meiner Mutter versprochen."

Mit einem Abschluß in der Tasche wartet nun auf den ehemaligen NBA-Star irgendwo da draussen eine Stelle als Coach, ob bei den Profis oder in der High School. Wo auch immer er letzten Endes dann landen wird, Anderson's Lebenswandel beweist einmal mehr: egal wie sehr das Leben einen f***t, man ist immer seines eigenes Glückes Schmied.