23 Mai 2010


Nein, das Eastern Conference Finale zwischen Boston und Orlando ist noch nicht zu Ende - zumindest nicht auf dem Papier. Kaum einer wird aber am Tag nach dem monumentalen Magic-Kollaps in Spiel 3 noch das Endergebnis in Frage stellen. Boston wird in die NBA-Finals einziehen, soviel ist sicher. Die 94-71 Faust war niederschmetternd. Und die Art, wie Orlando in den Atlanta-Hawks-Modus verfiel und sich im TD Banknorth Garden präsentierte, räumte allerletzte Zweifel am Ausgang dieser Serie aus.

Orlando verfehlte seine ersten 6 Wurfversuche. Mehr als drei Minuten vergingen, bis Rashard Lewis sein Team auf die Anzeigetafel brachte. Nach zehn Minuten führte Boston schon 21-6. Und wer das Spiel verfolgte, wusste schon da: das wird ein Blowout W für die C's. Orlando wirkte in der Defensive wie kopflose Hühner. Kein Aufbäumen, keine Rotation, kein Aushelfen. Kaum ein Arm der Blauen war oben, sogar Kendrick Perkins durfte Jumpshots versenken wie im morgendlichen Shootaround. Zu schlechter Defense und mangelnder Trefferquote kamen noch unzählige Magic-Turnovers hinzu: 6 im ersten Abschnitt, am Ende waren es 17.

In einer absolut verblüffenden Schicksalswendung hat Boston Orlandos M.O. der letzten zwei Jahre übernommen: offensive Perfektion und Team-Basketball vom Allerfeinsten. Es waren die Magic, die sich mit einer klaren Rollenverteilung, schnellen Pässen und smartem, teamdienlichem, effizientem Basketball in die Belle Etage der NBA-Teams gespielt hatten. Davon ist nach zwei Sweeps in den ersten Runden nichts mehr übrig geblieben. Währenddessen haben die Grünen ihre Championship-Form von 2008 wieder erreicht, ganz zum Leidwesen des Teams aus Florida. Die Defensive ist erstickend gut (ähnlich wie vor zwei Jahren), die Offensive zusätzlich auf einem völlig anderen Level. Angeführt von Rajon Rondo, der während der stockenden Regular Season zum klaren Leader seines Teams avancierte, bestechen die Kleeblätter durch Balance im Angriff. Kein Celtic war in zwei Playoff-Spielen in Folge Topscorer seines Teams. Die Spieler würden im Moment füreinander durchs Feuer gehen. In einer Angriffssequenz versenkte Kevin Garnett einen langen Jumpshot - nachdem der Ball insgesamt neun Mal wie auf einer Schnur durch die eigenen Reihen gewandert war auf der Suche nach dem bestmöglichen Wurf.




Müsste man eine Aktion auswählen, die den Unterschied zwischen Boston und Orlando in dieser Serie trefflichst charakterisiert, Rondo's Hustle Play im zweiten Viertel bringt alles auf den Punkt: Magic im Angriff, der Ball wird in den Backcourt abgefälscht, Jason Williams schleicht mit, um die Murmel zu holen. Rondo sprintet hinterher, schmeisst sich Williams zwischen die Beine und holt sich multiple Parkett-Brennesseln ab. Der Celtics-PG gewinnt den Ballbesitz, springt blitzschnell auf. Schneller Crossover nach rechts und Korbleger über Williams hinweg, der ausboxen geht, während seine Gehirnzellen immer noch die Aktion zu verarbeiten versuchen.

Boston ist einfach schneller, energischer, aggressiver und den Magischen immer zwei, drei Schritte voraus. Stan van Gundy versuchte zwar in gewohnt selbstkritischer Manier, die Schuld am Kollaps seines Teams auf die eigene Kappe zu nehmen ("Es ist meine Schuld. Ich muss sie besser motivieren, sie besser einstellen und die nötigen Veränderungen treffen. Lausiger Job von mir heute"). Wer als NBA-Profi in einem Conference Finale nach zwei Heimniederlagen aber nicht die nötige Motivation für eine anspruchsvolle, zumindest jedoch kämpferisch intakte Leistung aufbringen kann, dem ist echt nicht mehr zu helfen.