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22 Mai 2013

East Finals Preview: Heat vs. Pacers

Sebastian Dumitru 22. Mai, 2013                                     


Groß vs. Klein, Defense vs. Offense, Maisfelder vs. Partykultur: Pacers vs. Heat ist mehr als ein Playoff-Duell. 


Die einen hatten wir schon vor mehr als einem halben Jahr hier antizipiert - Meisterschaft, Free Agency Additionen, LeBron, der Pakt mit dem Teufel - und spätestens nach der 27-Spiele-Siegesserie im Prinzip schon festgerastert in unseren Cortex cerebri. Die anderen duellierten sich monatelang mit den New York Knicks um die Vormachtstellung hinter Miami und einen späteren Tanz mit eben jenem besagten Teufel. Und es kam, wie es kommen musste: Heat vs. Pacers, das Rematch von 2012. "There will be Blood!"


Der Weg ins Conf. Finale

4-0 gegen die Bucks, 4-1 gegen die Bulls... LeBron James und co. wurden bisher nicht wirklich getestet. Einer gefeierten Hauptrunde folgte der Aufbruch zur Fo' Fo' Fo' Fo' Mission - und wenngleich die Bulls ein klein wenig Rot auf die cleane Whiteout-Weste sauten, so muss dennoch ein Team erst beweisen, dass es genug Waffen im Arsenal und taktische Optionen auf dem Schlachtfeld aufbieten kann, um es mit dem Schwergewicht aus South Beach ernsthaft aufnehmen zu können. Seit dem Titelverlust 2011 gegen Dallas konnten nur zwei von sechs Mannschaften ein Duell gegen die Heat ausgeglichen gestalten: die Celtics (3-4). Und eben diese Indiana Pacers (2-4) in den vergangenen Playoffs. Indy brauste auch ohne seinen verletzten Topscorer Danny Granger (der in dieser Serie fehlen wird - dazu später mehr) zu 49 Siegen und dem ersten Central Division Titel seit Heiland Reggie Miller. Besser noch: das Wachstum des mit Abstand jüngsten Eastern Conference Playoff-Teams (26 Jahre) verlief derart rasant, dass sich das Team von Frank Vogel nach dem All-Star-Break als klar beste Ost-Mannschaft neben den Heat entpuppte - erst recht nach zwei letztendlich souveränen Seriensiegen gegen Atlanta und das favorisierte New York (jeweils 4-2).

Die Matchups

Drei Partien absolvierten beide Teams in der abgelaufenen Saison gegeneinander - zwei in Indianapolis, eine in Miami - und jedes Mal ging das Heimteam als Sieger hervor. Man soll nie zuviel interpretieren, wenn es um die Evaluation von regular season Duellen im Hinblick auf Playoff-Schlachten Monate später geht. Sie können aber bekanntlich helfen, ein paar Trends zu erspähen. Paul George (29 PTS, 11 REB) dominierte Spiel eins im Januar (87-77 Pacers), das gleichzeitig Miamis übelste Offensivausbeute der Saison war. David West (30 PTS, 7 REB, 5 AST) war knapp einen Monat später der Matchwinner beim 102-89 seines Klubs. Und Mario Chalmers (26 PTS), Chris Bosh (24) und Dwyane Wade (23) ließen am 10. März die Netze glühen, als sich Birdman-gepimpte Heat für die beiden Packungen im Fieldhouse revanchierten. Die Lehren, die wir ziehen können? George/West und Bosh/Wade werden mit Sicherheit wichtige Faktoren werden. Miamis Offensive wird gegen die beste Defensive der Liga weniger ausgiebig punkten, als gewohnt. Und: Heimvorteil hat was zu melden für zwei Mannschaften, die ihren Spielplatz in der Regel mit aller Macht zu verteidigen wissen. Die Heat bieten den besten Angriff der Basketball Association auf (Off. Rtg 110.3) und konnten den bisher auch in den Playoffs ähnlich verheerend aufziehen (109.1 Off. Rtg). Egal, ob im Pick & Roll (2.), nach Cuts (1.), Isolationen (1.), Spot-Up Würfen (1.) oder in Transition (2.): Miamis Offensive mutiert dank Turbo-betriebenem, smarten Teambasketball, dem besten Trio und dem vielseitigsten Spezialisten-Untersatz der Liga zum Alptraum für jeden Gegner. Fast jeden: Indiana hat nicht nur die beste Defensive weit und breit, sondern eine der besten aller Zeiten (96.6 Def. Rtg) und ist vor allem gegen Cuts (6.), Isolationen (4.), Fastbreaks (2.) und Spot-Ups (1.) nahezu perfekt aufgestellt. Mit Roy Hibbert verankert einer der besten Paint-Verteidiger der Liga die Zone, mit Paul George und Lance Stephenson hat man gleich zwei elitäre Wing-Defender zur Verfügung, die James und Wade gleichzeitig checken können.

Division-Titel, Conference-Finale... Indys Selbstvertrauen ist hibberthoch (Photo: Pacers.com)

Pacers-Coach Vogel wird also genauestens hinsehen, wie und wann Erik Spoelstra seine Stars ein- und auswechselt und George/Stephenson die beiden Finals-MVPs auf Schritt und Tritt beschatten lassen. Miami wird natürlich versuchen, den Defensiv-Verbund mit Dreiern zu lockern - die Heat zählen zu den sichersten Teams aus der Distanz - aber Indy weiß, wie man die 7,24 Meter Linie dich macht und Shooter von dort draußen weg jagt. Ein weiteres, probates Mittel, das bereits letztes Jahr gut funktioniert hat: "Hibbert die Mauer" in Foul-Trouble bringen oder ihn zumindest aus der Zone heraus locken, um die Schneisen durch die Zone frei zu sprengen, die Miami zum Operieren braucht. Wie das geht? Mit Chris Bosh, dem nominellen Fünfer, der weit draußen geparkt werden oder aus der Mitteldistanz seine gefährlichen Jumper und/oder Pump-Fakes mit anschliessendem Drive zur Schau stellen wird.

Indiana wird vorne seine gewohnte Post-Offensive laufen, die von George Hill und Paul George initiiert werden muss. Der Angriff ist um Längen besser geworden als noch vor einem Jahr, als die Heat-Verteidiger ab Spiel vier die Pacers-Bigs einfach fronteten und Indianas Playmaker am Perimeter in absolute Panik gerieten. Wer erinnert sich? Indys Unvermögen, auch nur einen semi-brauchbaren Entry-Pass zu spielen, entschied damals die Serie mit. Wenn die Pacers ihre körperlichen Vorteile in der Zone und an den Brettern ausspielen können, um Offensivrebounds zu greifen (Indiana war das viertbeste Offensivrebounding-Team der Liga) und sich so zusätzliche Wurfchancen erarbeiten oder an die Linie gehen, dann wird die Serie viel spannender, als allgemein angenommen.

X-Faktoren

Eine Sache sorgt bei Miami-Fans zumindest für ein klein wenig Besorgnis: Dwyane Wades Knie. Nach 21.2 PPG bei 52.1% FG während der regulären Saison kommt der angeschlagene Heat-Guard in den Playoffs bisher über 13 PPG bei 45.3% FG nicht hinaus. Er ist erkennbar gehandicapt, ihm fehlt die gewohnte Explosivität und Sprungkraft. Wie stark Wade also von Spiel zu Spiel eingeschränkt sein wird, wie sehr er sein Gegenüber Stephenson dominieren kann, wie sehr er die 1B-Rolle ausfüllen kann, wenn James mal eine Pause braucht oder bei George über Strecken abgemeldet ist, wird entscheidend sein für die Art und Weise, wie sich diese Serie entwickeln wird. Indianas Upset-Chancen  steigen exponentiell zu Wades Knieproblemen.

Und ausgerechnet Lance Stephenson könnte dadurch zum großen Gewinner für seine Pacers werden. Letzte Saison, in der Stephenson nur durch seine deplatzierte "Choke-Geste" in Richtung James für Schlagzeilen sorgte und die komplette Heat-Mannschaft dadurch aufstachelte, ist vergessen. Heuer ist das erst 22-jährige Ex-Wunderkind ein integraler Bestandteil dieser Pacers-Mannschaft, ein Leistungsträger, wenn man so will, und auf Wiedergutmachung aus. Sein immenses Talent blitzt immer häufiger auf, wie in Spiel sechs gegen die Knicks, als er 25 Punkte (9-13 FG) mit 10 Rebounds auflegte und Indiana so nach Hause brachte. Man sollte nicht überrascht sein, wenn einer der talentiertesten Youngster der NBA die Herausforderung annimmt und sich noch weiter ins kollektive Bewusstsein spielt. Wenn Stephenson Wade neutralisieren oder sogar eine, vielleicht zwei Partien prägen kann, ist Miami in Schwierigkeiten.

Warum Miami gewinnt

Die Heat haben 45 ihrer letzten 48 Partien gewonnen. Macht also weniger als eine Niederlage pro Monat, für diejenigen, die gerade keinen Abakus zur Hand haben sollten. Mit James, Wade (gesund) und Bosh hat man die drei individuell stärksten Spieler auf seiner Seite. Der Kader ist gespickt mit Playoff-erfahrenen Veteranen, die schon mehrfach in diesen Situationen waren und genau wissen, in welchem Winkel sie als Wasserträger für LeBron & co. einzuschenken haben. Im Backcourt sind die Vorteile eklatant, und die personelle Überlegenheit wird noch absurder, wenn man auf die Ersatzbank schaut: während Vogel keinen einzigen seiner Starter ruhigen Gewissens abziehen kann, schickt Spoelstra einfach mir nichts, dir nichts Typen wie Shane Battier, Norris Cole, Ray Allen oder Chris Andersen auf die Platte. Die mit Abstand stärkste Crunchtime-Lineup der Heat in dieser Saison (James-Allen-Wade-Battier-Bosh... yep, kein Point Guard!) kam in diesen Playoffs bisher noch überhaupt nicht zum Einsatz. Warum auch? Spoelstra hat sie bisher einfach nicht benötigt. Ein letzter, wichtiger Faktor, den man bei aller Offensivausrichtung gerne mal unter den Teppich kehrt: Miami kann dominant verteidigen, und tut das mit zunehmender Playoff-Dauer immer häufiger.

Unorthodox: Miamis kleine Lineup mit Battier/Allen und den Big 3 reboundet gut (Photo: Marta Sand)

Warum Indiana gewinnt

Die Pacers sind das größere, ruppigere und allgemein bösere Team. Und sie hassen die Heat genug, um eine Serie in genau den garstigen Infight zu verwandeln, der nötig sein wird, um eine Mannschaft wie Miami zu schlagen. Die Vorteile liegen klar im Frontcourt, unter den Brettern, bei den Abprallern und den Second-Chance Punkten, wo Miami traditionell schwach agiert (nur Platz 24 im Rebounding) und am anfälligsten ist. Vergangene Saison ist längst passée. Die Guards haben verstanden, dass man gegen dieses Team den Spalding beschützen, schlaue/gut platzierte Entry Pässe spielen und die Murmel schnell auf die Weakside passen muss, um den immensen Dauerdruck auf den Ball zu lockern. West boxt um einen neuen Vertrag und wird diese Serie gegen Battier in seinen ganz persönlichen Sparringskampf verwandeln (Boxen? Siehe FIVE #99, ab Freitag im Handel erhältlich). George (23) und Stephenson (22) sind nicht nur zwei der athletischsten und fähigsten Wing-Verteidiger der NBA, sondern lernen auch im Angriff täglich hinzu und wittern die Chance, sich auf der hellsten aller Conference-Bühnen als Langzeit-Stars zu etablieren. Die rostigen Heat sind vielleicht in Spiel eins zu knacken - das haben bereits die Bulls in der AAA demonstriert.

Prognose

So ausgeglichen die Serie auf dem Elektro-Papier daher kommt, so gespannt darf man auch auf die jeweiligen Entwicklungen sein. Hält Wades Knie oder bietet ihm Stephenson Paroli? Bleibt George vorne genügend Luft, um James ein wenig zu piesacken, oder bricht er ein unter der Minuten-/Verantwortungslast? Was ist mit den Pacers - Schaffen sie es, ihre Turnover im Griff zu halten, so wie bei den beiden Siegen im Januar/Februar, und so ihre Bigs in günstige Wurfposition zu bringen? Schaffen sie es überhaupt, genügend Punkte zusammen zu kratzen? Letzteres Fragezeichen ist in meinen Augen das große, entscheidende Kriterium zugunsten des Champs. Die Heat punkten galaktisch gut und verteidigen stark. Die Pacers verteidigen galaktisch gut und... punkten nur mittelmäßig. Da Indys Ersatzbank nicht einmal etwas semi-Brauchbares aufbieten kann, um während sicherlich auftauchender Foulprobleme oder Scoring-Dürren für etwas Entlastung zu sorgen, werden die Heat eine harte, eng umkämpfte Serie, in der sie Heimvorteil genießen, letztendlich für sich entscheiden.

Miami in 6



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21 Mai 2013

Nick Gilbert dominiert Draft-Lotterie... mal wieder


Die Lotterie: Ort unzähliger Verschwörungstheorien und Nick Gilberts Wirken als Cavs-Kleeblatt (Photo: NBAE)


Cavs-Maskottchen Besitzersohn Nick Gilbert ist für Cleveland endgültig zum wandelnden Hufeisen mutiert, nachdem er dem Klub aus Ohio zum zweiten Nummer eins Pick innerhalb von drei Jahren verhalf. Wie schon 2011 nahm der junge Gilbert am Podium Platz und gab sich im Vorfeld derart selbstbewusst ("Ich habe da so ein Gefühl - wir werden zum vorerst letzten Mal hier sein."), dass die Draft-Bällchen im Prinzip keine andere Wahl hatten, als in die von der NBA an Cleveland zugeteilte Reihenfolge zu hopsen. "What's not to like?" Die Cavs dürfen damit zum vierten Mal seit der Einführung der Lotterie 1985 an erster Stelle ziehen und liebäugeln nach Kyrie Irving 2011, LeBron James 2003 und Brad Daugherty 1986 mit ihrem nächsten großen Star.

Nerlens Noel gilt als Top-Pick eines Jahrgangs, der wieder einmal als schwächster aller Zeiten gilt (Ich kann den Scheiss ehrlich gesagt nicht mehr hören, und ihr solltet den Scheiss auf keinen Fall glauben). Cleveland ist unter den Körben aber bereits gut aufgestellt und will in der kommenden Saison die Playoff-Plätze angreifen. Nicht nur deshalb ist Noel, der nach einem Kreuzbandriss frühestens Anfang 2014 wieder einsatzbereit sein wird, nicht die richtige Wahl für Cleveland. Besser für die Cavs: ein Flügelspieler wie Ben McLemore, Otto Porter oder Anthony Bennett. Man darf gespannt sein, ob Neu-Coach Mike Brown und sein ausgeprägter Defensivfetisch vielleicht sogar Bulldogge Victor Oladipo im Blick hat.

Den größten Sprung machten die Washington Wizards, die vom 8. Rang auf den 3. empor kletterten und mit ziemlicher Sicherheit ein wichtiges Puzzlestück für einen mit ziemlicher Sicherheit erfolgreichen Playoff-Push '14 ergattern werden (lies: einen Frontcourt-Spieler). Charlotte war der große Verlierer des Abends: nur wenige Stunden nachdem Michael Jordan auf einer Pressekonferenz ankündigte, so bald wie möglich (frühestens zur Saison 2014/15) wieder den Namen "Charlotte Hornets" annehmen zu wollen, fielen die "Bobnets" auf den undankbaren vierten Platz zurück. Toronto musste seinen eigenen Draft-Pick (12.) via James Harden Trade an Oklahoma City abdrücken, da der nur Top-3 geschützt war. Die genaue Reihenfolge des am 27. Juni stattfindenden Drafts sieht so aus:


1. Cleveland Cavaliers
Bilanz letzte Saison: 24-58 (.293)



2. Orlando Magic
Bilanz letzte Saison: 20-62 (.244)



3. Washington Wizards
Bilanz letzte Saison: 29-53 (.354)



4. Charlotte Bobnets
Bilanz letzte Saison: 21-61 (.256)



5. Phoenix Suns
Bilanz letzte Saison: 25-57 (.305)



6. New Orleans Pelicans
Bilanz letzte Saison: 27-55 (.329)



7. Sacramento Kings
Bilanz letzte Saison: 28-54 (.341)



8. Detroit Pistons
Bilanz letzte Saison: 29-53 (.354)



9. Minnesota Timberwolves
Bilanz letzte Saison: 31-51 (.378)



10. Portland Trail Blazers
Bilanz letzte Saison: 33-49 (.402)



11. Philadelphia 76ers
Bilanz letzte Saison: 34-48 (.415)



12. Oklahoma City Thunder
Bilanz letzte Saison: 60-22 (.732)



13. Dallas Mavericks
Bilanz letzte Saison: 41-41 (.500)



14. Utah Jazz
Bilanz letzte Saison: 43-39 (.524)




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16 Mai 2013

TV: 'The Doctor' Doku Snippet



NBATV hat es schon wieder getan: die bahnbrechende 'Originals'-Serie des hauseigenen NBA-Fernsehkanals hat ein Edelstein von einer Doku zusammen getragen, die uns alle während der NBA Finals beglücken wird. "The Doctor" - die Story von und mit Julius Erving, eine der besten und schillerndsten Figuren in der Geschichte unseres Sports, nimmt den Zuschauer mit in die Vergangenheit. In die American Basketball Association, wo Erving den Basketball revolutionierte, bevor er 1976 in die NBA wechselte. Sie zeigt, wie einflussreich der "Doktor" mit seinem Style, seiner Frisur und seinen Flugeinlagen in den Siebzigern war und wie er alle Generationen nach ihm, allen voran einen gewissen Michael Jordan, nachhaltig prägte. Sie begleitet die Philadelphia 76ers bei deren vorerst letzten Championship-Run 1983. Und sie gibt Einblicke in die Tragödien, die Ervings Leben wie einen roten Faden durchziehen und ihm neben seinem Superhelden-Status eine durch und durch menschliche Seite verleihen. 'The Doctor' ist natürlich Must-See-TV für jeden Basketball- und Sportfan. Die Premiere steigt am 10. Juni, zwischen dem zweiten und dritten Finalspiel.



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With the 14th Pick: Season Review (1)



Daniel Schlechtriem 15. Mai, 2013                               


Rückblick Teil I – Die besten fünf Spiele

Die zweite Playoff-Runde ist in vollem Gange und während die Übriggebliebenen um den Einzug in die Conference Finals kämpfen, ist für die Eliminierten nicht nur Sommerpause, sondern auch Evaluation angesagt. Der Ärger in Houston über das Ausscheiden gegen die Oklahoma City Thunder wird nicht lange währen, denn die beiden Siege gegen das bestplatzierte Team des Westens sind weit mehr, als alle – inklusive der Beteiligten selbst – sich zum Saisonstart hätten ausmalen können. With the 14th Pick wirft einen mehrteiligen Blick zurück auf die Saison der Rockets. 

Im ersten Teil werden die fünf besten Spiele der abgelaufenen Spielzeit gekrönt. Wann war der Jubel am größten, die Spannung am höchsten, der Eindruck am tiefsten? Hier die Top 5 der Saison 2012/2013:

5. Atlanta Hawks – Houston Rockets 102:109 (02.11.2012)
Es war erst das zweite Spiel der Saison, eigentlich unwichtig und an sich auch nicht besonders spektakulär, zumal jedes Team noch in der Findungsphase ist. Und doch wurde am diesem Novemberabend in Atlanta der Grundstein für den späteren Erfolg gesetzt. Houston hatte zwei Tage zuvor zum Auftakt Detroit besiegt, der neue Franchise Player James Harden streute den Pistons 37 Punkte ein. Aber es waren ja nur die Pistons! – Die gehören zum Bodensatz des ohnehin nicht sonderlich starken Ostens! – Es war Hardens erstes Spiel als erste Option, Scouting und Defense konnten sich nicht darauf einstellen! – So dachte man, und wurde in Atlanta eines besseren belehrt. Gegen die Hawks, im Gegensatz zu den Pistons ein legitimer Playoff Contender, setzte Harden noch eins drauf und erzielte gar 45 Punkte. Houston gewann seine beiden Auftaktspiele und setzte eine dickes Ausrufezeichen, meldete gleich zu Saisonbeginn Anspruch auf einen Platz unter den besten Acht in der Western Conference an. Innerhalb einer Woche war das neue Gesicht (bzw. der neue Bart) der Franchise nahtlos von einem sechsten Mann zum Dirigenten in der Offensive geworden. 

4. New York Knicks – Houston Rockets 96:109 (17.12.2012)
Die Rockets sind kurz vor Weihnachten im Madison Square Garden zu Gast. Alle Welt blickt auf die Rückkehr Jeremy Lins zum Schauplatz seiner sportlichen Auferstehung. Gleichzeitig brennen die zu Hause noch ungeschlagenen Knicks auf Revanche, denn sie waren wenige Wochen zuvor in Houston regelrecht aus der Halle gefegt worden. – Das Spiel versprach Elektrizität, wurde aber aus Sicht der Kniehosenträger zum nächsten Debakel. Die Defense der New Yorker fand keine Antwort auf die schnellen Guards der Rockets, die ungehindert zum Korb ziehen konnten und einen einfachen Korbleger nach dem nächsten verwandelten. So absolvierte Lin (22PKT, 9AST, nur 4TO) in sportlich-heimischen Gefilden eines seiner besseren Spielen in Rot. Das Team von Kevin McHale zog zwischenzeitlich bis auf 27 Punkte Vorsprung davon und unterstrich auf größtmöglicher Bühne gegen eines der besten Teams des Ostens seine Ambitionen.

Das Toyota Center war schon immer Schauplatz spannender Duelle - auch in dieser Saison (Photo: Slip Stream JC)

3. Houston Rockets – Los Angeles Lakers 107:105 (04.12.2012)
Sind die Lakers in der Stadt, gibt jeder nur zu gerne mindestens 10% mehr. Das ist sogar der Fall, wenn sie Ärger auf der Trainerbank, ein in Richtung Golden Girls tendierendes Durchschnittsalter und außerdem Verletzungssorgen mitschleppen. Anfang Dezember galten die Probleme der Lakers noch als temporär – es sei nur eine Frage der Zeit, bis dieses Team in Fahrt käme. Im Toyota Center kamen die Lakers auch in Fahrt und sie sahen über weite Strecken aus wie die Lakers, angeführt von Kobe Bryant, der mehr Würfe nahm, als die restlichen vier Starter. Dank ihm lagen die Lakers zwischenzeitlich 17 Punkte vorne – bis Dwight Howard an die Linie geschickt wurde. Oft. Sehr oft. Hack-A-Dwight hatte Erfolg, der Center traf nur 50% seiner Freiwürfe und wurde darüber hinaus noch in der eigenen Zone von einem ungedrafteten Sophomore namens Greg Smith (21PKT, 9REB) düpiert. In einer dramatischen Schlussphase verfehlte Bryant einen möglichen Game Winner, auch die Putback Versuche von World Peace und Jamison scheiterten. Houston siegte knapp, die Freude im Toyota Center war groß. Denn selbst wenn sie weit von der Glorie früherer Tage entfernt sind, Siege über die Lakers sind für Team und Fans immer bedeutsam, vor allem auf diese Art und Weise.

2. Oklahoma City Thunder – Houston Rockets 100:107 (01.05.2013)
Playoff-Time! Die Rockets waren in diesem Erstrundenduell mit 0-3 im Rückstand und bereits abgeschrieben, ein knapper Sieg im vierten Spiel brachte die Serie zurück nach Oklahoma City, wo die Zuschauer fest mit dem Einzug in die nächste Runde rechneten. Besondere Brisanz brachte die Rückkehr Patrick Beverleys in die Chesapeake Arena, denn er wurde für die schwere Verletzung Russell Westbrooks verantwortlich gemacht und musste sich wegen Morddrohungen infolge dessen unter Polizeischutz aufwärmen. Beverley wurde bei jedem Ballkontakt ausgebuht, ließ sich davon aber nicht beeindrucken, sondern legte starke 14 Punkte und acht Assists auf und war maßgeblich daran beteiligt, dass dieses so eindeutig prognostizierte fünfte Spiel nicht das Ende der Serie bedeutete. James Harden, der es Dreier regnen ließ (7-9) , verschaffte seinem Team eine gute Ausgangsposition im Schlussabschnitt, so dass sich Thunder Coach Brooks gezwungen sah, Ömer Asik via Hack-A-Turk (O-Ton Kevin McHale) an die Freiwurflinie zu schicken. Doch der türkische Center (21PKT, 11REB, 2BLK) war dem großen Druck gewachsen, verwandelte an der Linie insgesamt 11 seiner 16 Versuche im letzten Viertel. So kamen die Thunder gar nicht erst in bedrohliche Nähe. Die Rockets führten ungefährdet bis zur Schlusssirene und erweiterten die eigene Postseason um ein weiteres Spiel.   

1. Houston Rockets – Golden State Warriors 140:109 (05.02.2013)
Im Duell der beiden jungen und hungrigen Teams des Westens flogen im Februar nicht nur die Dreier, sondern auch die Fetzen. Den Rockets wollte von Downtown einfach alles gelingen: 40 Würfe von hinter der Linie sind in Houston nichts ungewöhnliches, 23 Treffer für 57,5% Trefferquote (14-18 zur Halbzeit) allerdings schon – erst recht wenn in Carlos Delfino einer der besten Schützen aussetzen muss. Lin (5), Parsons (4), Harden (4), Morris (3), Anderson (2), Douglas (2) und Patterson (1) ballerten nur so, was das Zeug hält, gegen Ende versenkten auch Beverley und Motiejunas noch einen Wurf für Drei. Und ebendiese Phase brachte dieses Spiel auch auf Platz eins dieser Liste, denn es trug sich unglaubliches, bisher nicht gesehenes zu. Die 23 Dreier markieren einen NBA Rekord, den die Rockets von diesem Tag an mit den Orlando Magic teilen. Es fehlte nur ein weiterer, um alleiniger Rekordhalter zu werden – und ebendies versuchte Warriors Coach Mark Jackson mit allen Mitteln zu verhindern. Bei einem Rückstand von über 30 Punkten ordnete er vorsätzliche Fouls an, um die Rockets an die Freiwurflinie zu schicken und den Dreierrekord nicht Realität werden zu lassen. Die nach dieser Galavorstellung hochgekochte Menge im Toyota Center hoffte bis zuletzt auf den einen Treffer, der Geschichte schreiben würde, doch die Warriors nahmen jedes Mittel in Kauf, um ihre Gegner am Wurf von Downtown zu hindern, Draymond Green handelte sich bei diesem Unternehmen sogar einen Platzverweis ein. Auch wenn der Rekord nur eingestellt und nicht gebrochen wurde: Das Team von der Goldküste musste gedemütigt die Segel streichen, während die Fans im Toyota Center einen unvorhergesehen und unvergesslichen Abend erlebt hatten. 


Auf den Plätzen dahinter (ohne spezifische Reihenfolge):

Chicago Bulls – Houston Rockets 97:120 (25.12.2012)
Zu Weihnachten lag ein saftiger Blowout unterm Baum, den nicht jeder hat kommen sehen.

Houston Rockets – Dallas Mavericks 136:103 (03.03.2013)
Nach neun Niederlagen in Folge gegen den texanischen Rivalen bekam auch Dallas die neue, geballte Rockets-Offensivpower zu spüren.

Houston Rockets – Phoenix Suns 101:98 (09.04.2013)
Dieser Sieg hatte mit Jermaine O'Neals eigenartigem Goaltending nach Hardens Fehlwurf zur Schlusssirene nicht nur ein sehr skurriles und unterhaltsames Ende, sondern bedeutete auch die erste Playoff-Teilnahme für Houston seit 2009.

Houston Rockets – Oklahoma City Thunder 105:103 (29.04.2013)
Den Sweep vermieden und nach zwei knappen Niederlagen den wohlverdienten ersten Playoff-Sieg seit dem 3:3 gegen die Lakers im Mai 2009 eingefahren.



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11 Mai 2013

Die Amar'e Vexierfrag'e


Amar'e Stoudemire ist ab heute wieder einsatzbereit... Fluch oder Segen für die Knicks? (Photo: NBAE)

Sebastian Dumitru, Robert Jerzy 11. Mai, 2013             



Die New York Knicks haben angekündigt, dass Amar'e Stoudemire am Samstag in Spiel drei der Conference Semifinals zum ersten Mal seit dem 7. März wieder das 'Bockers-Trikot überstreifen wird. Der sechsfache All-Star war die vergangenen zwei Monate nach einer erneuten Knie-OP außer Gefecht. Was soll man davon halten? Sebastian Dumitru und Robert Jerzy (New York Knicks Journal) werden sich bei diesem Thema wohl nie ganz einig...


Dumitru: Oh boy, here we go again! Amar'e Stoudemire ist wieder gesund und soll in Spiel drei gegen Indiana für seine Knicks zurück auf's Parkett kehren. Die Serie steht bekanntermaßen 1-1 Unentschieden und verspricht Ausgeglichenheit und Spannung bis zum Schluss zwischen zwei gleich starken Mannschaften. Just, als es in Spiel zwei so wirkte, als hätte NY seine alte, erfolgreiche Basketball-Formel wieder gefunden, droht der Elefant im Raum den Notizblock mit selbiger unter seinen mächtige Stampfern zu zerquetschen. New York plus Amar'e, in dieser Saisonphase... Das kann nicht gut gehen, Robert!

Jerzy: Es gibt eine goldene Regel im professionellen Sport: wann immer du einen Spieler mir Herz, Charakter und der richtigen Einstellung zu deinem Kader hinzufügen kannst, hilft dies mehr statt es dir schadet. Die Kritiker der Rückkehr Amar'es rollen die Situation von der falschen Seite auf. Wäre er DeMarcus Cousins würde ich als Coach jemanden anheuern, der Amar'e in der Nacht mit nem Stemmeisen überrascht. Im Falle Stoudemires kommt allerdings jemand zurück, der der Moral der Mannschaft nur helfen kann und sich dem Ziel unterordnet. Ob nun 10 oder 20 Minuten, STAT tut was er tun kann. Aus diesem Grund Daumen hoch für Spiel 3 + Amar'e.

Dumitru: Den Rap hör ich aber mittlerweile seit Jahren: "STAT hilft hier, STAT hilft da, STAT ordnet sich unter, STAT hebt die Moral..." Fakt ist, dass New York ohne Stoudemire erfolgreicheren Basketball spielt, und das nicht nur in dieser Saison. Um mal aktuell zu bleiben, hier ein Blick auf die nackten Zahlen in 2012/13. New Yorks Bilanz mit Stoudemire in der Lineup: 16-13 Siege (.552). Ohne ihn: 43-18 (.705). Es geht noch tiefer: der Angriff operiert durch ihn keinen Deut besser, die defensive Effizienz der Knicks fällt ins Bodenlose, sobald er hinten den Matador gibt (Def. Rtg. 105.1, Platz 22), und er spielt die selbe Position wie Carmelo Anthony (Wer unter einem Stein gelebt hat: Anthony ist heute der Power Forward). Die einzige realistische Möglichkeit wäre also, ihn für die 6-10 Minuten zu bringen, die 'Melo verschnaufen muss. Ein 20 Millionen Dollar pro Jahr ex-Megastar, der sich mit der Degradierung zum Mop-Up-Spieler zufrieden gibt? I don't think so...

Jerzy: You have to think so ... New York fehlt ein wichtiges Puzzleteil zur Championship - die richtige Mentalität und Einstellung auf und Abseits des Feldes (staring at you Earl). Der Mannschaft fehlt in vielen wichtigen Momenten die richtige Mentalität, um "die letzte Meile" zu gehen. STAT bringt diese. Und sprechen wir doch mal a) die Einstellung des $100 Mio Mannes an, die er in dieser Situation an den Tag legt und b) die "Statistiken", die den schlechten Einfluss der Stars untermauern. Fakt ist, dass es nie einen realistischen Zeitraum gab, der wahre Messwerte erlauben würde. Er kam zurück, ordnete sich in die Mannschaft ein und verletzte sich wieder.

Gegenargument 1) 2011 First Round vs. Celtics, in der er KG platt machte bevor ihn seine Rückenverletzung limitierte. In dieser Serie funktionierten STAT & Melo sehr gut.
Gegenargument 2) Der Stretch in dieser Saison, in der Melo M.I.A. war und Stoudemire das Team trug ... bevor er sich erneut verletzte.

Natürlich wird er in diesen Playoffs keine 30-35 Minuten mehr spielen ... allerdings reicht mir der Fakt aus, dass er a) der Grund ist, warum "The Knicks are back" sind und b) mindestens ein gutes Spiel in sich hat. Die Zukunft der Knicks geht nur mit Amar'e.

Dumitru: In einem Punkt geb' ich dir sogar Recht: NY könnte einen weiteren Widebody gegen die ruppigen Pacers gut gebrauchen. Melo hat gegen West Probleme in der Defensive, weil Indianas Power Forward gut 25 Pfund mehr auf die Waage bringt, und dann sind da ja noch Hibbert, Hansbrough, Pendergraph und Mahinmi, die in der Zone gerne mal austeilen (okay, Pendergraph ist in Wirklichkeit ein trojanisches Pferd, das eigentlich auf der Gehaltsliste von James Dolan steht, aber das ist eine ganz andere Geschichte).

Außerdem hat New Yorks Offensive in der mikroskopisch kleinen Sample Size, in der sie heuer mit zwei traditionellen Bigs auflief, exzellent funktioniert - sogar dann, wenn einer dieser Bigs Stoudemire war (Stichwort: Pick & Roll auf beiden Seiten und Ball-Movement). Aber auf der Vier spielt nun mal Anthony. Der okkupiert den selben Bereich auf dem Parkett, wo Amar'e am effektivsten ist, und dass man beide nicht zusammen als PF und C auflaufen lassen kann, ist denke ich selbstredend (Hibbert würde über Nacht zu Hakeem Olajuwon, wenn er es nur mit Stoudemire zu tun bekäme). Wie also bringst du all diese Faktoren und Melo/Chandler/Amare/Martin unter einen Hut gegen die beste Defensive der Liga? Riddle me this!

Jerzy: Okay here's the thing.
Rational: Die Offense hat mit Melo auf SF funktioniert und zwar dann als beide Großverdiener jeweils eine Seite der Parketts für sich hatten. Amar'e brachte das Low Post Game als Element mit, welches ... sind wir ehrlich, genauso sehr im Playbook Mike Woodsons fehlt wie Second Round Playoffs in Brooklyn (*oh snap*). STAT im Low Post und Melo auf der Weak Side brachte den Cross-Court-Pass, nachdem sich die Defense auf den Low Post konzentrierte. Zudem war Stoudemire stets einer der besten P&R Bigs der Liga - auch mit Felton in 2010. Sofern NYK dies wieder etablieren kann (anstelle des katatonischen Tyson Chandler ab und an), übt dies mehr Druck auf die D der Pacers aus ... die ohnehin nur mittels Floor Spacing + High Screen P&R + Dribble Penetration geknackt werden kann. Und gerade in dieser Konstellation sollte auch Woody in der Lage sein, Amar'e nützlich einzusetzen.
Irrational: Es wird eine Szene in den Playoffs geben, in denen Amar'e den Knicks einen wichtigen Impuls geben wird, der ein Spiel dann entscheidet. Das liegt in der Luft wie die nächste randomly awkward naked scene in Game of Thrones.

Dumitru: Versteh' ich das richtig? Ein limitierter Amar'e als das letzte, entscheidende, wenn auch kleine Puzzlestück, das alle Einzelteile zu einem harmonischen Ganzen zusammen fügt und New Yorks eklatante Schwächen in den Playoffs - katastrophale Offense (die schlechteste aller verbliebenen Teams), phasenweise lethargische Defense, zu viel Melo/Smith Isolationsball und zu wenig Spielanteile für Felton im Pick & Roll - ausmerzt, weil die Knicks plötzlich wieder begreifen, wer sie sind und wie sie am erfolgreichsten Basketball spielen?

Jerzy: Der Irrational Confidence Guy bin jetzt mal ich. Exactly! Nein, natürlich ist es so einfach nicht. Allerdings hat man in den wenigen Spielen in der Saison gesehen, dass Amar'e "Low Post" zurück auf die Landkarte schreibt und die Knicks ein Zimmer im Hotel 'Almost Certain Doom' buchen, wenn sie auf Tyson Chandler im Pick & Roll bauen. Kenyon ist besser im P&R ... selbst John McEnroe wäre derzeit besser als TC. Irgendwie hat in anderthalb Jahren jeder vergessen, dass dieser Spielzug STATs M.O. war. Wir alle sehen derzeit, das Felton in beiden Serien der dritt- oder vielleicht sogar zweitbeste Knick in den Playoffs ist (don't count out my man Shump). Insofern würde Woodson gut daran tun, Felton mehr Screen Time zu geben, solange Earls Playoff-Heroics in Rihanna passieren. Die Knicks müssen vielseitiger werden in der Offense. Ein Amar'e Experiment für 10 Minuten schadet nicht ... zumal STAT wie mein alter Kater Max ist, mit dem man alles anstellen konnte ohne dass er sich gewehrt hat. Der Character-Factor!

Dumitru: Ich will wirklich nicht derjenige sein, der deine romantische Bro-mance mit Amar'e durch den Kakao zieht. Wirklich nicht. Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als euch beide wieder Händchen haltend und glücklich lächelnd die Promenade entlang schlendern zu sehen, verfolgt von unauffälligen Paparazzi und glücklichen Kindern, die Autogramme verlangen. Er war die Stunde Null. Der Mann, der New York vor knapp drei Jahren aus Absurdistan eigenhändig zurück auf die NBA-Landkarte hievte und so die 180 Grad Wendung für diese einst so stolze Franchise einleitete. Aber das ist eine halbe Ewigkeit her, und der Hase läuft mittlerweile anders im MSG. Stoudemire ist - zumindest in diesen Playoffs - nicht mehr Wert als Chris Copeland oder Steve Novak. Oder anders gesagt: der teuerste Bankwärmer aller Zeiten.

Da wir uns hier aber ohnehin nie einig werden, lass uns doch die nächsten Spiele abwarten - und unseren Talk dann bei Instant Replay fortsetzen. 'Bragging Rights' stehen auf dem Spiel. Ab heute Nacht, 2 Uhr Ortszeit, ist es also offiziell 'On'...



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09 Mai 2013

Vielleicht auch nicht



Jeremias Heppeler 9. Mai, 2013                                     



Denver Nuggets (3) vs Golden State Warriors (6) versprach eines der aufregendsten Erstrunden-Duelle zu werden – und hielt Wort. „Lost In Transition“ stellt sich in der rückwirkenden Spurensuche eine Fülle von Fragen: Was waren die Geschichten der Serie? Wie entwickelte sich das Team im Duell mit den Warriors? Wie reagierte George Karl angesichts des drohenden Ausscheidens? Und welche Lehren kann man aus der Serie und dem tragischen Erstrundenaus ziehen?

Spiel 1:  97-95 (W) (Stand: 1-0) 

Nervosität: Die hypernervösen Nuggets schienen mit dem abstrakten Druck des Heimvorteils nicht wirklich klar zu kommen. Denver spielte über weite Teile eine unterdurchschnittliche Partie mit unzähligen Fehlern und miesen Quoten. Insgesamt erschien Golden State ein wenig wacher und hätte die Partie in den ersten beiden Vierteln klar dominieren müssen – doch ausgerechnet Sniper Stephen Curry mutierte zum Backstein-Werfer. 

Faktor Frontcourt: Javale McGee sorgte zwar für die wenigen Highlights der Partie, in Abwesenheit von Kenneth Faried war der Nuggets-Frontcourt aber zu dünn und lethargisch, um gegen die bockstarken „white warriors“ dagegenzuhalten: David Lee schnappte sich 14 Rebounds (ehe er verletzt ausschied), Andrew Bogut wirkt zwar so filigran wie mutiertes Schnabeltier auf Landgang, nervte die Nuggets aber mit unzähligen Hustle-Plays. Das bittere Saisonaus Lees sollte den Nuggets unter den Körben natürlich in die Karten spielen - eigentlich. 

Faktor Miller: Das zerfahrene Spiel schwappte bis ins vierte Viertel hin und her, dann zog Commander Karl seine entscheidende Trumpfkarte: Andre Miller. Der Oldschooler zerstört die Golden State Warriors im Alleingang mit seinem ureigenen Entwurf des NBA-PG-Spiels, inklusive eiskalten Up-and-Under-Gamewinner-Layup! Hallelujah!

Spiel 2:  117-131 (L) (Stand: 1-1)

Kernschmelze: Eigentlich waren sich alle einige, dass der Ausfall von David Lee bei gleichzeitiger Rückkehr von Kenneth Faried das Momentum erheblich in Richtung der Nuggets verschieben würde. Denkste! Die monströse Shooting-Leistung des gesamten Warriors-Backcourts machte die Allstar-Double-Double-Maschine umgehend vergessen. Offensichtlich hatte George Karl Stephen Curry vorweg zum Staatsfeind Nummer 1 erklärt, denn anders lässt sich kaum erklären, wie blind und kopflos die Nuggets-Verteidiger in Richtung Curry stolperten um den Scharfschützen zu doppeln. Dumm nur, dass dieser sich entweder spielend per Pick&Roll aus der Doppelbewachung löste und  hochprozentig abschloss oder den Spalding ganz einfach seinen Kollegen Klay Thompson, Harrison Barnes oder Jarrett Jack servierte. Die vierköpfige Warriors-Hydra war sowas von heiß, dass einem die Vergleiche fehlen (physikalisch komplett falsche Assoziationen wären: Kernschmelze, Frittenfett² oder Vulkanausbruch). Die Nuggets-Offensive war insgesamt ordentlich, die Defense indes eines Playoff-Spiels nicht würdig.

Die alte Leier: Oh, oh, oh. Die ersten beiden Spiele waren direkt Wasser auf die Mühlen der mahnenden Nuggets-Kritiker. Das so erfolgreiche regular season Spiel funktioniert auf Playoff-Ebene bis dato nicht. Die Nuggets sind bislang nur richtig stark, wenn einer (namentlich Andre Miller) aus dem Kollektiv hervortritt. Besorgniserregend: Die Transition verpufft: In Spiel eins aufgrund der Rebound-Unterlegenheit (mit 45:55 ging das Duell klar an die Warriors), in Spiel zwei, weil die Warriors kaum einen Ball auf den Ring setzten.

Der Warriors-Smallball stellte die Nuggets in den Playoffs vor unlösbare Probleme (Photo: Stan Fair)

Spiel 3: 110:108 (L) (Stand: 1-2)

Das Gefühl: Als parteiischer Sportschauer besitzt man ja immer „ein Gefühl“. Gut. Schlecht. Mittel. Auf Seiten der Nuggets-Anhänger schlägt das Unterbewusstseins-Barometer bisher durchgehend negativ aus, und man kann das Offensiv-Feuerwerk inklusive fantastisch fanatischer Halle kaum genießen. Den Nuggets, so der Eindruck durch die League-Pass-Röhre, geht einfach das letzte Selbstverständnis ab. Das Team wirkt verkrampft und verunsichert. Langsam wird die Sache bedenklich. 

Millimeterentscheidung: Dabei wäre auch in Spiel drei durchaus ein Sieg drin gewesen. Der lange überragende Ty Lawson (der insgesamt 35 Punkte und 10 Assists markierte und entscheidend an der recht souveränen Halbzeitführung beteiligt war) hatte nach einer 5-Second-Violation der Warriors fünf Sekunden vor Schluss die Chance zum Gamewinner, verlor aber den Ball im Duell mit Warriors-Rookie Festus Ezeli – eine Millimeterentscheidung. 

Zwischenfazit: Die Warriors schießen weiterhin unaufgeregt ihre Dreier und verstehen es, die gegnerische Transition-Dampfwalze aufzuhalten – das ist der einfache Schlüssel zur 2-1 Führung. Die Nuggets brauchen dringend eine Explosion. Ein Hallo-Wach-Erlebnis. Und alles blinzelt in Richtung der Herren Wilson C. und Andre I...

Spiel 4: 115-101 (L) (Stand: 1-3)

Smallball-Wahnsinn: Lawson-Fournier-Iguodala-Chandler-Faried gegen Curry-Jack-Thompson-Barnes-Bogut – mehr Smallball geht einfach nicht! Während diese Konstellation den Warriors absolut in die Karten spielt, entwickelt sich für die Nuggets (und absurderweise explizit nach Lees Ausfall) ein echter Match-Up-Albtraum. Die Warriors sind in dieser Besetzung mindestens genauso schnell, schaffen es mit einem fitten Bogut (und einem soliden Carl Landry) trotzdem die Bretter zu dominieren und nutzen darüber hinaus die wohl größte Schwäche der Nuggets eiskalt aus. Denn Denver war bereits in der Regular Season eines der schwächsten Defensiv-Teams am Perimeter, steckte Massen an Dreiern an. Golden State wird nicht müde, Salz in diese Wunde und damit Dreier ins Nuggets-Herz zu ballern (bei weiterhin unfassbaren Quoten). Angesichts der Agilität und Treffsicherheit des Gegners werden die Nuggets ihrer größten Waffen beraubt und in verhältnismäßig träges Spiel gezwungen, das schlichtweg nicht funktioniert – weil der eigene Dreier nicht fällt. Und wer hätte gedacht, dass Gallos Ausfall schlussendlich schwerer wiegt als der von David Lee?

Faktor Superstar: Was wurde nicht alles über den fehlenden Superstar der Nuggets geschrieben, spekuliert, diskutiert? Hauptargument der Kritiker: Playoff-Zeit ist Superstar-Zeit. Die bisherige Serie unterstreicht diese Überlegung: Stephen Curry startete kalt in die Serie – für genau eine Halbzeit. Seither macht der Point Guard mit den Nuggets, was immer er will. Vorläufiger Höhepunkt: 22 Punkte in sechs Minuten in Spiel 4. Curry ist Motor und Herz des so schlichten Warriors-Offensiv-Systems: Isolation Curry oder Jack, einfaches Pick-And-Roll oder konzentrierte Penetration, direkter Abschluss oder geradliniger Pass in Richtung Perimeter. Die Warriors dominieren und führen dank dieser Spielweise mit 3-1. 

Spiel 5: 107-100 (W) (Stand: 2-3)

Playoff-Basketball: Bogut klopft Faried mit beiden Händen auf den Brustkorb. Das Manimal knüpft sich im Gegenzug Curry vor, was Mark Jackson zu einer seltsamen, Verschwörungstheorie geschwängerten Pressekonferenz zwingt. Flagrant-Fouls, Hassreden, Frustfouls – da ist jetzt Musik drin.

Flügel: Denver sind über Nacht Flügel gewachsen: Andre Iguodala ist der beste Mann auf dem Platz und überzeugt mit grandiosem All-Around-Spiel. Wilson Chandler, bis dato die größte Nuggets-Enttäuschung, markiert starke 19 Punkte. Weil die Nuggets darüber hinaus unter dem Korb stärkere Präsenz zeigen, den ein oder anderen Fast-Break-Punkt markieren und Curry wieder als Mensch agiert, dürfen wir uns auf ein 6. Kapitel dieser aufregenden Basketball-Story freuen. 

Faktor Faried: Wie wichtig der Einsatz des Energizers wirklich ist, offenbart diese Playoff-Serie: Das Manimal ist angeschlagen, schafft es bis dato nicht, seinen Körper auf 100% zu pushen und zu seinem Spiel zu finden. Angesichts seines weiterhin rohen Talents braucht Faried aber jede Sehne, jeden Muskel. Heute war das der Fall und Faried sorgt einmal mehr für die kleinen Dinge, die ein Spiel kippen können: Hustle, Blocks, Sprints, Monsterdunks.

Denver verlor zu Hause zwischen November und April nur drei Partien (38-3). Die Heimpleite in Spiel zwei entschied die Erstrundenserie zugunsten der Warriors (Photo: Balazs Koren)

Spiel 6: 92-88 (L) (Stand: 2-4)

Aus der Traum: Schluss Aus Vorbei. Spiel sechs einer rasanten Serie hatte schlussendlich absoluten Spiel-Sieben-Charakter: Für Denver hieß es ja ohnehin „win or go home“, doch auch die Warriors wollten wohl mit aller Macht einen Showdown in der Mile High City vermeiden. Denver dominierte zunächst mit aufschäumenden Herzblut, ehe Curry, angetrieben von Boguts bestialischer Reboundleistung, immer stärker ins Spiel fand und im dritten Viertel das Spiel kippte. Und täglich grüßt das Murmeltier, für Golden State, für Denver. Am Ende das Drama: Alles vorbei. Aufholjagd. Verlegter Korbleger. Es musste wohl so enden.

Fazit

Die außergewöhnliche, spektakuläre, historische Saison der Denver Nuggets hat ein frühes Ende gefunden. Schlussendlich stellten sich die Golden State Warriors als denkbar unglückliches und unangenehmes Los und Match-Up für George Karls Team dar. Von Spiel zu Spiel kristallisierte sich eine Fülle von Eigenheiten und Details heraus, die das Momentum zunächst langsam und dann nachdrücklich in Richtung Golden State verschob. Zunächst war da Stephen Curry, der, unterstützt von drei weiteren, überdurchschnittlichen Schützen, zum Superstar mutierte (Serien-Stats: 24,3 PPG, 9,3 APG und 2,2 SPG). Denver verstand es zu keinem Zeitpunkt der Serie, die Schaltkreise innerhalb der unerbittlichen Perimeter-Maschinerie der Warriors zu stören. Eine weiterer Vorteil, den Jacksons Small-Ball-Lineup (in welcher übrigens auch Rookie Harrison Barnes abartig ablieferte und die Wiederauferstehung Andrew Boguts Lees Ausfall kompensierte) forcierte, war die Tatsache, dass die vier flinken Warriors, die einen Großteil der Minuten fraßen, dem wieselflinken Nuggets-Transition-Game gewachsen waren. Und genau das war schlussendlich der Neckbreaker: Karl schaffte es einfach nicht, das klassische, aufmüpfige und freche Nuggets-Spiel zu installieren und Mark Jacksons einfachem, aber unglaublich effektiven Basketball entsprechende taktische Kniffe entgegenzusetzen. Und weil, bis auf die beiden Point Guards (die zumindest offensiv Curry zeitweise Parole boten), keiner aus dem Kollektiv hervortrat und für einfaches Scoring gegen die organisierte Defense der Warriors sorgte, fehlten schlussendlich einige Prozentpunkte zum Weiterkommen. Die Nuggets spielten zwar ihr System, aber sie spielten es schlecht, defensiv sogar miserabel. Andre Miller brachte es auf den Punkt: „Wir wurden ausgespielt und ausgecoached."

Inwiefern sich diese Serie in Zukunft auf das organisch gewachsene Gesamtgebilde „Denver Nuggets“ auswirken wird, ob es zu elementaren Veränderungen kommen wird und wie diese schlussendlich so seltsame Saison insgesamt eingeschätzt werden kann, werden die nächsten Monate zeigen – eindeutige Baustellen, die sich nachhaltig ins Bild fraßen sind definitiv die Perimeter-Defense, der zu dünne Frontcourt (angesichts eines sichtlich geschwächten Farieds) und der Mangel an zuverlässigen Schützen in Abwesenheit Gallinaris. Die Nuggets jedenfalls haben die Welt 2013 nicht erschüttert.



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06 Mai 2013

West Preview: San Antonio Spurs vs. Golden State Warriors


Parker gegen Curry - zwar kein direktes Duell, aber dennoch das Highlight dieser Halbfinal-Serie (Photo: RMTip21)

Sebastian Dumitru 6. Mai, 2013                                     



Gregg Popovich, Tim Duncan und die Spurs im Conference Halbfinale - in etwa so aufregend und unerwartet wie ein Mercedes Benz auf deutschen Autobahnen. Golden State hingegen, das ist eine 68er Corvette - in gelb. Die Warriors treffen erst zum zweiten Mal überhaupt in den Playoffs auf San Antonio, diesmal im Gegensatz zu 1991 aber als klarer Außenseiter.


Der Weg ins Halbfinale

Die Spurs duellierten sich fünfeinhalb Monate lang mit den Oklahoma City Thunder um Platz eins in der Western Conference, ehe sie sieben ihrer letzten zehn Partien verloren gaben und sich nach 58-24 Siegen mit Platz zwei begnügten. Gregg Popovich schonte aber lieber seine Schlüsselspieler für den bevorstehenden Playoff-Run, anstatt dem First Seed nachzujagen. Es ist, als hätte Pop geahnt, dass er so in der leichteren Hälfte des Brackets landen würde. In Runde eins machten die Spurs mit den überforderten Los Angeles Lakers (minus Kobe) kurzen Prozess und fegten die mit durchschnittlich 19 Punkten Unterschied aus der Postseason. Dort landeten nach sechs Jahren Abstinenz erstmals auch die Golden State Warriors wieder, die unter Sophomore-Head-Coach Mark Jackson 47-35 Siege einfuhren, bevor sie die favorisierten Denver Nuggets nach einer denkwürdigen Shooting-Demo und dank eines perfekt aufgelegten Stephen Curry in sechs Spielen nach Hause schickten.

Die Matchups

San Antonio und Golden State trennten sich nach vier Partien in der regulären Saison mit jeweils zwei Siegen und zwei Niederlagen. Bei einer Partie fehlte Stephen Curry, bei einer anderen schonte Popovich Duncan, Parker und Ginobili. Was uns das alles sagt? Gar nichts. San Antonio ist eine gut geölte Offensivmaschine, die während der Saison 103 Punkte im Schnitt erzielte (Platz 4) und das 7.-beste Rating an den Tag legte. Führt man sich den Spielstil der Texaner mal genauer zu Gemüte, fallen eine Vielzahl von simultanen Bewegungen, Rotationen und Cuts auf, die gegnerische Defensiven zusätzlich beschäftigen, während Tony Parker und Manu Ginobili am Perimeter mittels Pick & Roll operieren. Die Spurs platzierten bei den erzielten Punkten nach Post-Ups, Screens, Cuts und via Pick & Roll unter den besten vier Mannschaften und belegen so auch statistisch, was oberflächlich nach perfektem Teambasketball aussieht. Die angesprochenen Parker und Ginobili gelangen immer wieder mitten hinein ins Herz der Verteidigung - der eine mit Speed, der andere mit seiner Hinterlist - und setzen dort eine Reihe von Ballstafetten in Gang, die meist mit einem freien Wurf für einen Teamkollegen endet. Bei den kürzeren Eckdreiern gehören die Spurs traditionell zu den gefährlichsten Mannschaften - ein weiteres Indiz für Popovichs taktische Beschlagenheit. Auch in der Verteidigung hat sich San Antonio neu erfunden und dank eines verjüngten Tim Duncan, der seine beste Saison seit Jahren spielt, Kawhi Leonard und Danny Green sogar so etwas wie eine defensive Identität etabliert, die sich sehen lassen kann (NBA-Platz 3).

Tony Parkers Scoring wird gegen die offensivstarken Warriors oft gefragt sein (Photo: Mark Runyon)

Von den Warriors und ihrer durchschnittlichen Defensive (Platz 13) zu verlangen, diesen grau-schwarzen Spurs-Express konstant einzudämmen, wäre des Guten zuviel. Zwar hilft die Rückkehr des wieder genesenen und gegen Denver in Bruchstücken überragenden Andrew Bogut (10.3 Rebounds, 2.3 Blocks), die Löcher im Interieur und gegen Duncan im Post zu stopfen, aber die Dubs sind hoffnungslos überfordert, was das Verteidigen von Pick & Rolls und Distanzwürfen anbelangt. Beides beherrscht San Antonio exzellent. Wenn Golden State also etwas reißen will in dieser Serie, dann nur über seine Offensive. Die erzielte mit 101.2 PPG die 7.-meisten Punkte während der Saison und führt bisher alle Playoff-Teams bei der offensiven Effizienz an.

Stephen Curry hat daran sicherlich einen Bärenanteil (24.3 Punkte, 9.3 Assists in Runde eins) und wird auch gegen die Spurs mindestens einer Partie mit seinem butterweichen Jumpshot, der gerne eimerweise fällt, den Stempel aufdrücken. Dazu kommt ihm als Spielgestalter eine wichtigen Aufgabe zu. Gegen Denver löste er beide Hauptaufgaben mit Bravour: das gesamte Team profitierte von der extra Aufmerksamkeit, die Curry zuteil wurde und traf seine viele offenen Würfe hochprozentig (Carl Landry, Jarrett Jack, Bogut und Draymond Green trafen mehr als die Hälfte ihrer Versuche). San Antonio wird im Gegensatz zu den Nuggets aber nicht in Panik geraten: Leonard und Green werden sich defensiv bei Curry abwechseln, die Spurs werden ihn nicht doppeln, und das aus gutem Grund: die entstehenden Löcher nutzt Golden State dank Schützen wie Thompson, Barnes und Jack (siehe unten) exzellent. Kein Team traf hochprozentiger von Downtown als die Dubs (40.4%). San Antonio zählt zu den besten Teams gegen den Dreier - ein kleines Detail, das den Warriors das Leben schwer machen könnte.

X-Faktoren

Auf Seiten der Spurs wird Manu Ginobili eine Schlüsselrolle zukommen. Wenn der Gaucho beweist, dass seine brutal effiziente Erstrundenserie gegen die Lakers (11.3 Punkte und 4.8 Assists in gerade einmal 19 Minuten pro Spiel) kein Strohfeuer gegen einen schwachen Gegner war, sondern ein Indiz für seine überstandenen Verletzungen und ein Vorgeschmack auf das, was er noch bringen wird, dann hat San Antonio zuviel Playmaking und Scoring-Beschlagenheit im Backcourt. Wenn Ginobili dagegen schwächelt, wird es spannender.

Jarrett Jack ist der Mann, auf den es auf Warriors-Seite besonders ankommen wird. Jack war gegen Denver nach Curry der wichtigste Akteur bei den Blau-Gelben und legte den Nuggets durchschnittlich 18.8 Punkte, 5.2 Rebounds und 7 Assists bei 53% aus dem Feld ins Nest. Gegen die Spurs erzielte Jack in dieser Saison 17.5 Punkte und 9.8 Assists im Schnitt. Der Backup-Guard, der eigentlich Starter-Minuten spielt, muss den Spielaufbau lenken und so den Druck von Curry nehmen. Wenn er als Scorer und Vorlagengeber Akzente setzen kann, während Curry und Thompson die Spurs-Defensive auf beiden Seiten beschäftigen, hat Golden State vielleicht eine Chance.

Warum San Antonio gewinnt

Die Spurs sind älter, reifer und erfahrener, und junge Teams gewinnen in den Playoffs bekanntlich nicht. Die Texaner scheinen nach dem Ausscheiden der Nuggets, Clippers und Lakers und Oklahoma Citys Verletzungspech prädestiniert zu sein für einen langen Marsch ins NBA-Finale - das fünfte der Popovich/Duncan-Ära. Duncan dominiert die Warriors (in diesem Jahr 22.7 PPG, 12 RPG, 3.7 BPG und 53% FG) wie kein anderes Team, seitdem er in die Liga kam, und hat zu Hause noch nie gegen sie verloren. Kein Scherz! Der letzte Auswärtssieg der Dubs in San Antonio ist schon mehr als 16 Jahre her. Seitdem setzte es im Alamo 29 Niederlagen in Folge. Die Spurs sind das diszipliniertere, geschlossenere Team (25.1 Assists pro Abend, Platz 1) und haben den ausgebufftesten Strategen der Liga an der Seitenlinie. Macht euch also auf komplexe Offensivsets, teamdienliches Anti-Curry-Konzentrat und das gelegentliche Hack-a-Bogut gefasst, um Mark Jackson und seine Warriors aus dem Konzept zu bringen.

Curry und Bogut sind die wichtigsten Warriors-Spieler gegen favorisierte Spurs (Photo: Rose White)

Warum Golden State gewinnt

Die Dubs haben absolut nichts zu verlieren. Niemand hatte zu Saisonbeginn einen Pfifferling auf die Kalifornier gesetzt und erst recht nicht vor diesen Playoffs. Jetzt sind ausgerechnet sie das letzte Überbleibsel aus dem Bundesstaat, in dem sonst auch die Lakers und Clippers auflaufen. Curry und Klay Thompson sind das wohl wurfgefährlichste Backcourt-Tandem der Liga - und das mit dem kleinsten Gewissen. Gemeinsam können sie an guten Tagen auch die allerbesten Teams aus der Halle ballern. Der Heimvorteil in der Oracle Arena ist nicht zu unterschätzen. Die Fans dort gelten nicht umsonst als mit die lautesten und rabiatesten weit und breit. Golden State hat gezeigt, dass auch der Ausfall von Double-Double Maschine David Lee kein Todesurteil war. Der im Eiltempo besser werdende Mark Jackson hat über Nacht umdisponiert und mehrere Smallball-Lineups um Top-Rookie Barnes auf's Parkett abbeordert, die auch San Antonio, das am liebsten immer zwei Bigs auf der Platte hat, vor Probleme stellen werden. Es weht ein neuer Wind in der NBA, und die Warriors mit ihren irrsinnigen Schützen und Drei-Guard-Lineups nehmen die Western Conference im Sturm.

Prognose

Golden State verfügt durchaus über Waffen in seinem Arsenal, die San Antonio testen werden. Insgesamt ist jenes Arsenal aber nicht ausgereift genug, um die vorne und hinten gleich starken Spurs dauerhaft in Schwierigkeiten zu bringen oder gar die Serie zu gewinnen. Das Team von Gregg Popovich ist tiefer und disziplinierter und lässt sich von Playoff-Rookies nicht den Schneid abkaufen. Auch der Oracle-Faktor zieht nicht gegen die Spurs, die schon unzählige wichtige Spiele auf fremdem Parkett gewonnen haben (allein Duncan hat mehr Playoff-Spiele auf dem Buckel als alle Warriors zusammen genommen). Möglich, dass die überraschenden Warriors ein letztes Mal von ihren tollen Fans zehren, bevor sie sich mit einem Achtungserfolg in den verdienten Sommerurlaub verabschieden. Es war, so oder so, ein sensationelles Jahr in der Bay, auf dem man ausgezeichnet aufbauen kann. Gegen San Antonio ist diese Aschenputtel-Geschichte aber zu Ende.

San Antonio in 5



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East Preview: Miami Heat vs. Chicago Bulls


Die Vorzeichen bei Chicago-Miami sind heuer ganz andere als beim hoch antizipierten Duell in 2011 (Photo: NBA)

Sebastian Dumitru 6. Mai, 2013                                     



Chicago gegen Miami könnte ein absolutes Basketballfeuerwerk werden - zumindest wenn eine Mannschaft durch Verletzungen nicht nahezu vollständig dezimiert wäre. Während die Bulls nach ihrer hart umkämpften 7-Spiele-Schlacht gegen Brooklyn nicht einmal Zeit hatten, um ihre Wunden zu lecken, langweilten sich die Heat in den vergangenen acht Tagen fast zu Tode und gehen ausgeruht ins Conference Halbfinale. Niemand hat gesagt, dass es im Leben fair zugeht.  


Der Weg ins Halbfinale

Miami fand während der letzten Playoffs ohne Chris Bosh das ultimative Rezept, um das Potential seiner unorthodoxen Lineup und Superstar-Agglomeration auszuschöpfen. Mit einem Titel im Rücken und ohne sprichwörtlichen Affen auf selbigem brausten die Heat zur besten Saison ihrer Franchise-Geschichte (66-16) und historischen 27 Siegen in Folge. Platz eins in einer schwachen Eastern Conference war reine Formsache, genau wie der lockere Auftakt-Sweep gegen eine Mannschaft, die eigentlich gar nichts in den Playoffs zu suchen hatte. Es sah eine ganze Weile danach aus, als würde es der amtierende Champion in Runde zwei mit den Brooklyn Nets zu tun bekommen, aber Chicago tat zum Auftakt genau das, was es unter Tom Thibodeau schon seit dessen Amtsantritt tut: sich die Seele aus dem Leib spielen und bis weit über die eigene Schmerzgrenze malochen. Ohne Derrick Rose und trotz unzähliger Verletzungen der Leistungsträger kämpften sich die Bulls zu 45-37 Siegen und Platz fünf im Osten. Der Sieg gegen Brooklyn trotz schwerem Anstieg auswärts in Spiel sieben war schon eine kleine Sensation und bereitete die Bühne für das Rematch von 2011.

Die Matchups

Miami und Chicago trennten sich nach vier Duellen in der regulären Saison 2-2 Unentschieden. Beide Team verbuchten dabei je einen Heim- und einen Auswärtssieg. Chicago brachte die Heat in ernste Schwierigkeiten dank ihrer Spielweise, die auf großen Lineups, traditionellem Basketball und exzellenter Defensive beruht. Der Sieg Ende März, der gleichzeitig Miamis sensationelle Erfolgsserie bei 27 in Folge stoppte - nur sechs weniger als der All-Time-Rekord - bekam die ganze Publicity, aber die Bulls setzten ihrem Kontrahenten schon Anfang Januar empfindlich zu und hielten die potenteste Offensive der NBA (Offensiv-Rating 110.3) damals bei mickrigen 89 Punkten. Insgesamt schaffte es Chicagos berüchtigte Defensive (Platz 5), den Angriff der Heat von durchschnittlich 102.9 Punkten auf 94.2 zu drücken. Das wird natürlich auch in dieser Playoff-Serie der modus operandi von Thibodeau & co. sein. Ein wichtiger Faktor dabei: wie gut kann Chicago das Transition-Spiel der Heat unterbinden? Die Bulls verteidigen am liebsten im Halbfeld, wo sie dank ihrer Disziplin und ihren minutiös ausgearbeiteten Sets für das meiste Chaos sorgen. Thibodeau war einer der ersten Coaches, der als Assistent in Boston die modernen Strongside-Sets perfektionierte - eine de facto Mischung aus Mann- und Zonenverteidigung - die heute so oder so ähnlich von allen Teams in der NBA implementiert werden, wenngleich nicht mit dem Erfolg, den Thibs für sich beansprucht.

Nur Gott weiß, ob D-Rose seinem dezimierten Team gegen Miami zu Hilfe eilt (Photo: M. Matthijs)

Das Problem mit den Heat: individuelle Extraklasse der Spielmacher LeBron James und Dwyane Wade, die jedes noch so gute Set im Eins-gegen-Eins sprengen können, sowie ein ganzer Haufen hochprozentiger Distanzschützen auf der Weakside, die den Knockout von jenseits der Dreierlinie servieren. Miami traf in dieser Saison 39.6 Prozent seiner langen Bomben. Nur die Warriors (40.3%) waren sicherer. Es mutet vielleicht unfair an, aber Miami hat sechs unterschiedliche Spieler, die mindestens 39 Prozent ihrer Würfe von jenseits der 7,24 Meter Linie klatschen (Lewis 39%, James und Chalmers je 41%, Miller und Allen je 42%, Battier 43%). Das nennt man in der Übersetzung dann wohl: auf die eigene Spielphilosophie perfekt zugeschnittenes Personal. Und Pat Riley lacht sich beim Lesen dieses Abschnitts einen Wolf.

Chicago wird das Spiel verdrecken und das Tempo so gering wie möglich halten wollen. Das nächste Problem ist dabei, dass Miami selbst bei niedrigem Spieltempo floriert (die Heat hatten weniger 'Posessions' pro Spiel als die Bulls bei weit höherer Effizienz). Egal, ob bei Isolationen, im Pick & Roll, nach Post-Ups oder Cuts (jeweils Platz eins): die Floridianer sind offensiv das Maß aller Dinge, was schon mal passieren kann, wenn man seinen Angriff um den besten Spieler der Welt und zwei weitere Top-20 Akteure herum aufbaut. Chicago wird sich also mächtig strecken müssen, denn ohne die verletzten Luol Deng und Kirk Hinrich fehlen zwei der besten und erfahrensten Verteidiger im Team des sechsmaligen Champs. Wenigstens auf zwei Ebenen hat Chicago klare Vorteile: im Frontcourt und beim Rebounding, vor allem offensiv. Bei ihren beiden Siegen verprügelten sie die Heat an den Brettern nach allen Regeln der Kunst (plus-20 und plus-12). Darauf will Chicago natürlich wieder abzielen.

X-Faktoren

Diese Teams kennen sich nur zu gut. Miami ist Chicagos Erzfeind, auch wenn das nicht unbedingt auf Gegenseitigkeit beruht. Man weiß also, was einen erwartet. Für die Heat heißt das unter anderem, dass sie ihr gewohntes Smallball-Spiel gegen die Bulls nicht exklusiv praktizieren können. Die sind im Frontcourt mit Boozer, Noah, Gibson und Butler zu groß besetzt und werden Erik Spoelstra zu Anpassungen zwingen. Das heißt im Klartext viel Chris Andersen und viel Udonis Haslem und vielleicht sogar ein wenig Joel Anthony, möglicherweise aber extra kleine Konter-Lineups mit Bosh und James als mobilem Frontcourt, der die großen Bulls-Verteidiger ganz weit nach außen zieht und so Platz in der Mitte macht.

Bei den Bulls wird viel von Nate Robinson abhängen, der schon während der regulären Saison das Zünglein an der Waage war (58% Trefferquote bei den zwei Siegen, nur 36% bei den beiden Niederlagen). Hinrichs Ausfall in den beiden Auftaktpartien bedeutet, dass Thibodeau seinen Spielaufbau auch in dieser Serie auf seinen elektrisierenden, aber auch viel zu kurz geratenen und wenig abgeklärten Kombo-Guard Robinson legen muss. Dessen Fähigkeiten, die unerbittlichen Perimeter-Fallen der Heat zu umgehen, den Ball in den Post zu bringen und gleichzeitig smart den eigenen Abschluss zu suchen, ohne zu überdrehen, könnten den Unterschied machen zwischen 1-2 Bulls-Siegen oder einem kurz- und schmerzlosen Sweep.

Warum Miami gewinnt

Weil die Heat das bessere, gesündere und ausgeruhtere Team sind. Im Ernst: diese Serie wäre schon mit den Bulls in gesundem Zustand (minus Derrick Rose) ein klares Mismatch zugunsten der Heat. So aber droht dieses Duell zu einer erschreckend einseitigen Angelegenheit zu verkommen. LeBron James traf während der regulären Saison 64% seiner Würfe aus dem Feld und erzielte 28 Punkte pro Partie - also fast ein Drittel der Heat-Punkte. Gegen den jungen Jimmy Butler, der gegen Brooklyn fast 48 Minuten im Schnitt auf dem Parkett stand, wird James seinen Talent- und Erfahrungsvorsprung ausnutzen können und entweder selbst punkten oder mit einem seinem patentierten Cross-Court-Pässe die angesprochenen Schützen auf der Weakside finden. Die Heat haben - im Gegensatz zu den Nets - zu viele Waffen und optimales Spacing, die der starken Bulls-D den Zahn ziehen wird. Nach den ruppigen Duellen der regulären Saison und der gerissenen Serie in Chicago (denkt nicht für eine Sekunde, dass sich NBA-Spieler so etwas nicht merken) hat dieses Team mit den Bulls noch ein paar Stiere zu rupfen. Miami hat in den vergangenen drei Monaten 41 von 43 Partien für sich entschieden.

LeBron traf gegen Chicago in der regulären Saison 64% seiner Wurfversuche (Photo: Mark Runyon)

Warum Chicago gewinnt

Die Bulls sind nicht tot zu kriegen. Wie eine gruselige Zombie-Armee kommt das Team von Tom Thibodeau Angriff für Angriff zurück und kämpft bis zum Umfallen. Dem einen hängt ein halber Fuß vom Bein, der andere kotzt sich während der Auszeiten die Seele aus dem Leib, andere verbringen Nächte in Krankenhäusern und das Team-Maskottchen ist ebenfalls Day-to-Day. Die Bulls sind ein tapferer Haufen, der sich auch bei klarem Nachteil nicht geschlagen geben wird. Carlos Boozer legte gegen Miami bisher 19 Punkte und 15 Rebounds im Schnitt auf. Der größte und kräftigste Akteur kann den Heat im Low Post, wo sie am anfälligsten sind, durchaus zusetzen. Joakim Noah wird trotz Fußverletzung alles aus sich heraus holen, die Defensive verankern und vorne den Angriff aus dem High Post lenken. Und dann ist da ja noch Derrick Rose, das Enigma. Der immer noch in Straßenklamotten von der Bank aus mitjubelnde ex-MVP fühlt sich mental nach wie vor noch nicht bereit, wieder ins Spielgeschehen einzugreifen. Dennoch hat er eine Rückkehr bisher nicht ausgeschlossen. Sollte Rose wie durch ein göttliches Wunder ausgerechnet in dieser Serie gegen seinen Hassgegner Miami zurück kehren und ähnlich dominant auftreten wie in den letzten zwei Monaten im Training, ändert sich die komplette Seriendynamik.

Prognose

Schade, dass alle in Chicago auf dem Zahnfleisch gehen. Obwohl man auch in gesundem Bulls-Zustand die Heat favorisieren müsste - das ist spätestens seit der 27-Spiele-Siegesserie gegen jeden Gegner in Stein gemeißelt - wäre es eine weitaus spannendere Serie geworden als in dieser Konstellation. Die Bulls sind platt und müssen außer den üblichen Wehwehchen auch noch zwei Schlüsselspieler ersetzen (Deng und Hinrich), denen normalerweise vor allem defensiv eine große Rolle zuteil kommt. Chicago wird sich aufopfern und die Serie hart und vielleicht auch unfair gestalten. Das ist, im Rahmen der Legalität natürlich, ein probates Mittel, wenn man quantitativ und qualitativ unterlegen ist. Ironischerweise wird genau diese Garstigkeit eines bewundernswerten Teams die Heat nach deren Spaziergang in Runde eins fürs Conference Finale auf Hochtouren bringen - ähnlich wie die Serie gegen Indiana vor einem Jahr - erst recht, wenn sie ein Spiel verlieren sollten.

Miami in 5



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05 Mai 2013

East Preview: New York Knicks vs. Indiana Pacers


Erinnerungen an die 90er werden wach, wenn New York und Indiana aufeinandertreffen  (Photo: NBA)

Sebastian Dumitru 5. Mai, 2013                                     



Indiana und New York erneuern in diesem Jahr eine jahrzehntelange Rivalität, die in den 1990ern mit sechs Duellen in acht Jahren (3-3) ihren absoluten Höhepunkt erreichte. Auch heuer duellierten sich die Pacers und Knicks sechs Monate lang um den inoffiziellen Titel des "besten Ost-Teams hinter den Heat". Eine Best-of-Seven Serie kann nun darüber endgültige Klarheit liefern. 


Der Weg ins Halbfinale

New York beendete die reguläre Saison mit 54-28 Siegen und auf Platz zwei in der Eastern Conference. Eine fantastische Anfangsphase und ein furioser Schlussspurt sandwichten eine katastrophale Saisonmitte, die von Verletzungen und schlechtem Basketball geprägt war. Die Pacers boten den Knicks lange Paroli im Kampf um Position zwei und Heimvorteil in einem potentiellen Conference Halbfinale, mussten sich nach 49-33 Siegen aber mit Platz drei im Osten begnügen. Der völlig verkorkste Start ließ am Ende nicht mehr zu. Die Knicks hatten in Runde eins ihre liebe Mühe mit den tapfer kämpfenden und gut verteidigenden Boston Celtics und entkamen nur knapp einem historischen Einbruch nach zwischenzeitlicher 3-0 Führung. Boston gewann die nächsten beiden Partien und hätte in Spiel 6 beinahe Geschichte geschrieben, als sich NY einen unfassbaren 0-20 Lauf einfing und die Serie fast noch aus der Hand gab. Letztendlich setzte sich aber das bessere und talentiertere Team mit 4-2 Siegen durch. Indiana dominierte dank eines bestens aufgelegten Paul George seine Heimspiele gegen die Atlanta Hawks und gewann am Ende ebenfalls 4-2, offenbarte aber vor allem bei den zwei Auswärtspleiten in Spiel drei und vier eklatante Offensivschwächen, die natürlich auch in dieser Vorschau Berücksichtigung finden müssen.

Die Matchups

"Defensive Dominanz gegen offensive Durchschlagskraft" ist ein oft bemühtes Bild, wenn man unterschiedliche Teamphilosophien gegeneinander stellt und wird der Vielschichtigkeit der meisten Mannschaften nur selten gerecht. Hier trifft "DD gegen OD" aber den Nagel auf den Kopf. Die Knicks legten die drittbeste Offensive der Liga an den Tag (Off. Rtg. 108,6) und stellten bei den Dreier-Versuchen (2371) und den Makes (891) einen neuen NBA-All-Time Rekord auf. Keine Mannschaft hielt jemals so häufig drauf, keine Mannschaft traf jemals häufiger. Die Tatsache, dass New York nur die 11.-meisten Punkte insgesamt erzielte (100 PPG) erklärt sich aus dem langsamen Spieltempo (Platz 25), das dank exzellenter Turnover-Rate (Platz 1) dennoch maximiert werden konnte. In der Verteidigung waren die Knicks nicht mehr als Durchschnitt (Platz 16). Indiana war das absolute Gegenteil: miese Offense (Platz 19), die aber mit zunehmender Saisondauer und Georges Wachstum immer besser wurde, dafür mit 96,6 die mit Abstand dominanteste Defensive der NBA. Der Unterschied zwischen Indiana und New York am hinteren Ende (6.9) war größer als der zwischen der elftbesten Defensive Denver und der mit Abstand schlechtesten, Charlotte. Die Pacers verteidigen sehr diszipliniert und als eine Einheit. Sowohl im Rebounding (45.9 RPG) als auch gegen den gegnerischen Dreier (nur 32,7 Prozent zugelassen) gibt es keine besseren Lösungen als das Team aus Indianapolis. Das Team von Head Coach Frank Vogel platziert gegen Spot-Ups (1.), Fastbreaks (1.), Cuts (2.), Pick & Rolls (3.) und Isolationen (3.) unter den elitärsten Defensiven der Liga. Vor allem letztere zwei Faktoren werden gegen New York mit entscheidend sein.

Indianas George Hill blieb während der Saison blass gegen New York  (Photo: Mark Runyon)

Die Knicks hatten gegen Bostons gute Defensive so ihre liebe Mühe und beschränkten sich - wie immer, wenn der Wind etwas stärker ins Big Apple Gesicht weht - mehr denn je auf Isolationen und Einzelaktionen. ESPN/True Hoop hat errechnet, dass die Knicks unfassbare 27.3 Prozent ihrer Angriffe gegen die Celtics via Isolations liefen. Die Übeltäter waren auch hier, wie so oft, Carmelo Anthony und J.R. Smith, die beide weit hinter ihren Möglichkeiten blieben (Smith noch mehr als Melo, der, Backsteine hin oder her, wenigstens zur Stelle war, als es brenzlig wurde). Gegen Indianas Defensive wird sich New York mehr einfallen lassen müssen. Die Pacers hielten NY in den vier Duellen knapp 17 Punkte unter ihrer offensiven Effizienz und neutralisierten sowohl Anthony (nur 22 PPG bei 38% FG) als auch den Rest der Perimeter-Bande ausgezeichnet.

Die Defensive steht. Probleme dürften Indiana dagegen, wie so häufig, im Angriff bekommen. Die wenigen großen Stärken der Pacers kann New York bestens kontern. Bei Post-Ups, egal ob tief oder am High Post, schneiden die Pacers besonders gut ab (Platz 7). Die Knicks bieten all dem mit der besten Defensive der NBA gegen diese Plays ausgezeichnet Paroli. Chandler kann Roy Hibbert in der tiefen Box alleine verteidigen, Martin und Anthony sind gegen West mobil genug, um auf das vielseitige Spiel des All-Rounders antworten zu können. Für den neuen Superstar der Pacers, Paul George, hat NY ebenfalls eine Lösung parat: Iman Shumpert, der gegen Boston aus seiner Schale gekrochen kam und Paul Pierce das Leben zur Hölle machte. Wenn Shumpert George in seine Schranken weisen kann (20 PPG, 7.3 RPG, 5.5 APG in der regulären Saison gegen die Knicks), bekommen die Pacers vorne noch mehr Probleme, als ohnehin schon.

X-Faktoren

Für die Knicks kommt es auf ihr teamdienliches Spiel an, das immer mehr Erfolg verspricht als endlose Isolationen und Melo/Schmidt Backstein-Abende. Um Zweiteres werden die Knicks nicht herum kommen, es ist schon viel zu tief in ihrer DNA verankert. Wenn man die Anzahl der Einzelaktionen aber reduzieren und mit Chandler/Felton, Chandler/Kidd oder Martin/Prigioni Pick & Rolls ersetzen kann, steigen die Ballberührungen, die Wurfversuche von außen und damit auch die Siegchancen gegen Indiana. Die Pacers sind zu smart, zu ruppig und zu gefestigt, um sich von Iso-Ball den Schneid abkaufen zu lassen. Je schneller Mike Woodson, Melo & co. das schnallen, desto stressfreier wird auch die Serie.

Bei den Pacers wird viel von George Hill abhängen, der gegen Atlanta das Zünglein an der Waage war, gegen die Knicks aber so seine liebe Mühe hatte (nur 7.3 PPG, 32% FG in vier Partien bisher). Nur wenn Hill seinem Teamkollegen George hilft, die Offensive zu lenken, kann diese auch in schweren Zeiten vor sich hin fließen und konstant Punkte generieren. Insgesamt kann Indiana offensive Dürreperioden besser verkraften als New York, braucht aber dennoch konstante Scoring-Optionen aus dem Backcourt, um zu überleben.

Warum New York gewinnt

Die Knicks haben Heimvorteil, eine der besten Offensiven der Liga, einen absoluten Superstar in Anthony (nicht zu vernachlässigen in Punkto Refereeing/Freiwurffrequenz) und einen Playoff-erfahrenen Veteranen-Kader, der weiß, was in brisanten Phasen zu tun ist. Gegen Indianas Stärken (Paul George, Hibberts Länge, Wests Mobilität, die Defensive) stehen multiple Antidoten parat (Shumpert, Chandler, Anthony/Martin, offensive Vielseitigkeit). Die Knicks haben Boston mit guter Defensive bezwungen (wenngleich die Celtics kein Maßstab sind) und gezeigt, dass sie auch hinten zulangen können, wenn es notwendig ist. Das Team ist ausgeglichener besetzt und verfügt über mehrere Optionen (Amar'e Stoudemire soll ab nächstem Wochenende wieder einsatzbereit sein), die es in dieser brenzligen Phase einzusetzen weiß.

Melo darf sich gegen Indianas Defense nicht in Isolationsbasketball verlieren (Photo: Keith Allison)

Warum Indiana gewinnt

Die Intensität der Pacers-Defensive ist ungleich höher als die der Celtics, die New York bei 96.9 Punkte pro 100 Angriffe hielten - Platz 12 unter allen Playoff-Teams und weit unter ihrem Schnitt. Wenn der Angriff der Knicks ebenso stagniert - durchaus realistisch angesichts von Anthonys und Smiths Tendenzen, weiter zu ballern, als gäbe es kein Morgen - hat man schon die halbe Miete eingefahren. West/Hibbert/George/Hill/Stephenson ist eine der erfolgreichsten Lineups der Liga und spielt schon das ganze Jahr so zusammen. George kann Anthony neutralisieren, Stephenson ist am Perimeter ebenso zerstörerisch. Indiana spielt hart und macht vor allem undisziplinierten Teams das Leben schwer. New York ist undiszipliniert.

Prognose

Es wird das Highlight der zweiten Runde, eine Reminiszenz an alte, längst vergangene Zeiten. Wer den Basketball in den 90ern vermisst, der wird hier voll auf seine Kosten kommen. Beide Teams sind erfahren und wollen sich um jeden Preis als Miamis Herausforderer Nummer eins behaupten. Er wird hart, es wird hässlich, es wird geschubst, gehalten und gefoult werden, und beide Mannschaften haben mehr als genug Argumente auf ihrer Seite (siehe oben). Über die Knicks im Conference Finale darf man genauso wenig überrascht sein, wie über Indiana. Am Ende gewinnt das Team, dass seine Identität und sein Spiel konstanter auf's Parkett bringt und weniger Fluktuation von Abend zu Abend zeigt. Für mich waren das in den vergangenen sechs Monaten die Pacers.

Indiana in 7



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